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Montag, 13.03.2017

Hohe Fang-Quote

Torwart Marvin Schwäbe hat bei einigen Dynamo-Fans einen schweren Stand. Dabei spricht die Quote für ihn: In Würzburg blieb er zum achten Mal ohne Gegentor.

Abklatschen, durchschnaufen: Nach dem Sieg in Würzburg scheint die Freude bei Dynamos Marco Hartmann, Giuliano Modica und Marvin Schwäbe zunächst verhalten zu sein. Doch die drei Defensivkräfte waren mitentscheidend für den Erfolg.
Abklatschen, durchschnaufen: Nach dem Sieg in Würzburg scheint die Freude bei Dynamos Marco Hartmann, Giuliano Modica und Marvin Schwäbe zunächst verhalten zu sein. Doch die drei Defensivkräfte waren mitentscheidend für den Erfolg.

© dpa

Wie viele es sind, weiß er selbst nicht so genau. „Ich bin nicht derjenige, der mitzählt, aber es ist schon wichtig“, sagt Marvin Schwäbe. Dynamos 2:0 in Würzburg war für den Torwart bereits das achte Spiel in dieser Saison, in dem er keinen Gegentreffer zugelassen hat. Das wird oft vergessen nach einem Sieg, weil die Torschützen im Mittelpunkt stehen, und gegen die Kickers musste er sicher keine Schwerstarbeit leisten. Bei deren bester Chance durch David Pisot steht er richtig.

In der Woche davor aber war es ähnlich, und dennoch hatte er gegen Kaiserslautern dreimal hinter sich greifen müssen. Zwar war er schuldlos, trotzdem hat es ihn gewurmt. „Wir Torhüter werden nun mal an den Gegentoren gemessen“, meint Schwäbe. „Natürlich guckt man in der Videoanalyse genau hin: Wie hat man gestanden, was hätte man anders machen können?“ Es gehe aber nicht nur um die Treffer, sondern um andere Dinge im Spiel wie den sicheren Pass von hinten raus.

Auch wegen seiner fußballerischen Fähigkeiten ist Schwäbe, der die Rückennummer 25 trägt, bei Dynamo die unangefochtene Nummer eins. Allerdings ist er nur für diese Saison von 1899 Hoffenheim ausgeliehen. „Es laufen Gespräche zwischen Hoffenheim und meinem Berater, zwischen dem Berater und Dynamo“, sagt der 21-Jährige. „Es ist zwar noch relativ früh, aber wir versuchen, so schnell wie möglich eine Entscheidung zu treffen. Im Moment kann ich für nichts garantieren.“ Was nicht heißt, dass Schwäbe nach nur einem Jahr wieder weg will aus Dresden. „Ich fühle mich absolut wohl, komme mit dem Spielsystem klar, habe mich super eingelebt“, erklärt er – und betont: „Es würde für mich kein Grund dagegen sprechen.“

Das Dynamo-Zeugnis: Stefaniak sucht seine Form

1 von 15

Marvin Schwäbe: 3

Wenig geprüft, aber immer auf der Hut. Gibt der Mannschaft auch Sicherheit als Anspielstation, wenn nach vorne wenige Lücken entstehen.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Philip Heise: 3

Es ist kein Zufall, dass der Linksverteidiger die meisten Ballkontakte hat. Sein Abschluss nach einem Solo misslingt allerdings (21.).

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Jannik Müller: 3

Bleibt in der Startelf und macht eine Stunde lang ein starkes Spiel. Dann macht er einen Fehler und riskiert die Gelb-Rote Karte.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Giuliano Modica: 3

Hochkonzentriert in der Defensive, allerdings manchmal mit den Händen zu ungestüm im Zweikampf, was Freistöße zur Folge hat.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Niklas Kreuzer: 3

Kommt bis zur Pause nicht zu seinen Flügelläufen, aber dann setzt er sich entscheidend durch und hat mit dem Lupfer die richtige Idee.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Marco Hartmann: 2

Nach Gelb-Sperre zurück und enorm wichtig als Balleroberer, Lückenschließer, Kommandogeber – Führungspersönlichkeit.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Niklas Hauptmann: 1

Er macht meistens nicht das, was man erwartet, überrascht die Gegenspieler, ist im doppelten Wortsinn nicht zu halten.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Andreas Lambertz: 4

Er läuft viel, aber irgendwie wenig zusammen. Hat einige Ballverluste, kann mit seinen Pässen kaum Impulse setzen.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Marvin Stefaniak: 4

Zwei gefährliche Freistöße, kämpferisch nach der Pause – kann sein Potenzial zurzeit nicht vollständig abrufen, wirkt gehemmt.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Aias Aosman: 3

Vor der Pause de facto nicht im Spiel, nutzt seine Freiräume nicht. Steigert sich in Hälfte zwei, nervenstark beim 1:0.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Stefan Kutschke: 3

Trifft diesmal nicht, arbeitet aber viel. Dass er 45Minuten lang keine Chance hat, liegt eher an den Mitspielern.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Florian Ballas: 3

Als Jannik Müller Gelb-Rot drohte, musste es schnell gehen: Comeback nach der gegen St. Pauli erlittenen Schulterverletzung.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Erich Berko: 3

Wieder ein belebendes Element, bereitet das 2:0 mit perfektem Pass vor.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Nicht zu bewerten: Pascal Testroet. (SZ/-ler)

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Schlechte Erfahrungen mit Gladbach

In Hoffenheim würde er Bundesliga, vielleicht sogar im Europapokal spielen – falls er spielt. Dafür müsste er Stammkraft Oliver Baumann, Vertrag bis 2021, verdrängen, was nicht unmöglich sein muss, aber derzeit unwahrscheinlich ist. „Trotzdem hat Hoffenheim die Hand drauf, also muss man sich erst einmal darum kümmern.“ Dynamo hat damit vor einem Jahr keine guten Erfahrungen gemacht.

Janis Blaswich wollte und sollte wohl auch bleiben, aber Borussia Mönchengladbach verlangte eine Ausleihgebühr, die bis zu 100 000 Euro betragen hätte; plus die gleiche Summe im Falle des Klassenerhalts. Der Preis war den Dresdnern zu hoch, zumal sie mit Schwäbe schon eine Alternative zumindest im Auge hatten. Der hatte bei Teilen der Fans einen ähnlich schweren Stand wie sein Vorgänger, was wiederum mit dessen Vorgänger zu tun hat. Benjamin Kirsten, dessen Vertrag 2015 nach sieben Jahren nicht mehr verlängert worden war, genoss – auch wegen spektakulärer Paraden und gehaltener Elfmeter – Kultstatus.

Doch unter Trainer Uwe Neuhaus spielt Dynamo anders, ist der Torwart außer mit einer hohen Fang-Quote als erster Aufbauspieler gefragt. Außerdem ist die Mannschaft defensiv stabiler als früher, was die Anzahl der Gegentore beweist: In den drei Zweitligaserien von 2011 bis 2014 hatten die Dresdner nach 24 Spieltagen 36, 34 und 36 kassiert – jetzt sind es 29.

In Würzburg stand Schwäbe nicht im Mittelpunkt, trotzdem musste er aufmerksam sein. „Ein Standard kann viel entscheiden in dieser Liga“, sagt er. Aber Sorgen, dass die Abwehrarbeit nicht klappt und er letztlich genauso machtlos ist wie gegen Kaiserslautern, habe er sich aber nicht gemacht. „Nein, da hatte ich keine Angst. Man hat von der ersten Minute an gesehen, wie sich unsere Defensivleute in die Zweikämpfe gehauen und alles abgelaufen haben“, sagt Schwäbe und nennt damit einen wichtigen Aspekt für den Auswärtssieg.

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