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Donnerstag, 07.12.2017

Hoffnung für die Himmelsleiter

Seit Monaten ist die Treppe im Bautzener Stadtteil Gesundbrunnen gesperrt. Nun sollen die Stufen saniert werden.

Von Marleen Hollenbach

Bis hier hin und nicht weiter: Seit Mai darf die Treppe zwischen der Albert-Einstein-Straße und der Max-Planck-Straße nicht mehr betreten werden. Nun hat die Stadt einen Termin für den Sanierungsstart bekannt gegeben.
Bis hier hin und nicht weiter: Seit Mai darf die Treppe zwischen der Albert-Einstein-Straße und der Max-Planck-Straße nicht mehr betreten werden. Nun hat die Stadt einen Termin für den Sanierungsstart bekannt gegeben.

© Uwe Soeder

Bautzen. Die Sperrschilder müssen weg. Da sind sich die Bewohner des Bautzener Stadtteils Gesundbrunnen einig. Zu lange schon haben sie auf das kreisrunde Schild geschaut, zu lange schon haben sie beobachtet, dass sich hinter den Bauzäunen so gar nichts tut. Seit mehr als einem halben Jahr müssen sie auf die Treppe zwischen Albert-Einstein-Straße und Max-Planck-Straße verzichten, auf die 59 Stufen aus Beton, die vor allem ältere Bewohner gern genutzt haben, um zu den Supermärkten oder zum Friedhof zu gelangen.

Die Stadt möchte die Treppe sanieren, sie wieder begehbar machen. Bislang hatte sich die Verwaltung allerdings nicht dazu geäußert, wann die Bauarbeiter anrücken können. Doch nun steht der Termin fest. „Wenn es die Witterung zulässt, wollen wir Mitte März mit den Arbeiten beginnen“, erklärt Falko Wendler, Leiter des Hoch- und Tiefbauamtes. Etwa zweieinhalb Monate wird die Sanierung dauern, schätzt er. Das heißt: Die Sperrschilder verschwinden tatsächlich – allerdings wohl erst Ende Mai.

Gefährlicher Umweg
Für die Bautzenerin Gitta Stenzel ist das eine gute Nachricht. „Natürlich hätten die Arbeiten eher losgehen können, aber es ist gut, dass die Treppe überhaupt in Ordnung gebracht wird“, erklärte die Stadträtin (Linke) bei der Sitzung des Finanzausschusses am Dienstag. Sie selbst wohnt in der Gegend. Immer wieder wurde sie auf die Treppe angesprochen. Auch bei der SZ hatten sich Anwohner gemeldet. So berichtete zum Beispiel Christa Gottlöber, wie gefährlich der Umweg sei, den sie und viele andere Bautzener jetzt nehmen müssen.

Zwar gibt es direkt neben der Treppe einen asphaltierten Fußweg. Doch der führt sehr steil hinauf. Auf der Treppe konnten sich vor allem ältere Menschen an einigen Stellen hinsetzen und ausruhen. Diese Möglichkeit gibt es nun nicht mehr. „Außerdem ist der Weg gruselig“ erklärte Christa Gottlöber schon im Oktober. Der Pfad führt zwischen einem Waldstück mit Büschen und Bäumen und einem Parkhaus entlang. Es gibt Laternen am Wegesrand. Angst haben die Bautzener trotzdem.

Vor mehr als 30 Jahren wurde die Himmelsleiter im Stadtteil Gesundbrunnen errichtet. Das Bauwerk mit dem poetischen Namen kam jetzt allerdings in die Jahre. Einzelne Betonplattem wackelten. Immer wieder musste die Stadt kleine Reparaturen vornehmen. Vor einem Jahr entschied man sich schließlich dazu, die Treppe komplett zu sanieren. Für 60 000 Euro sollten die einzelnen Stufen von den Bauarbeitern herausgenommen, gereinigt und anschließend auf einem neuen Mörtelbett wieder verlegt werden. Die Arbeiten starteten im Mai. Doch sie fanden ein frühes Ende.

„Als wir die Stufen hinuntergenommen haben, ist alles zerbröselt“, erklärt Falko Wendler. Der Untergrund, auf dem sich die Platten befinden, war viel mehr zerstört, als die Planer angenommen hatten. Laut Stadtverwaltung hatte ein Ingenieurbüro im Vorfeld die Treppe untersucht, dabei aber nicht das Ausmaß des Schadens entdeckt. Der Mörtel, den die Bauleute vorfanden, war in einem deutlich schlechteren Zustand, als es die Proben des Ingenieurbüros vermuten ließen. „Die Stufen der Treppe sind nicht gleich hoch. Offenbar hatte man versucht, das mit einer dicken Mörtelschicht auszugleichen“, so Wendler.

Granit statt Beton
Schnell war klar: Die Sanierung der Treppe konnte nicht wie geplant erfolgen. Der bestehende Bauvertrag wurde gekündigt. Die Stadt musste die Treppe völlig neu planen. Inzwischen steht fest, wie es mit der Himmelsleiter weitergehen soll. Alle Stufen der Treppen müssen runtergehackt werden. Anschließend will die Stadt eine Blockstufentreppe aus Granit auf den vorhandenen Unterbau setzen. Doch mit den neuen Plänen für die Treppe steigen auch die Kosten. Die Stadt rechnet nun mit einer Investition in Höhe von 82 000 Euro.

Das Geld hätte der Sanierung der Himmelsleiter jetzt noch im Wege stehen können. Denn damit die Bauarbeiten im kommenden Jahr wirklich loslegen können, musste der Finanzausschuss am vergangenen Dienstag über die zusätzlichen Ausgaben abstimmen. Alle Mitglieder sprachen sich für die Treppe aus – auch die Bautzenerin Gitta Stenzel, die es nicht erwarten kann, die neue Treppe zu erklimmen.

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