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Donnerstag, 14.09.2017

Höher, schneller, weiter

Motocrossfahrer rasen am Sonntag durch Bannewitz. Künftig müssen sich die Sportler eine neue Strecke suchen.

Von Verena Schulenburg

Er wird auch am Sonntag antreten: Uwe Lehmann (40) vom MCC Bannewitz testet schon mal die Strecke an der B170. Während das Motocrossrennen nur an einem Tag stattfindet, sorgt die Boderitzer Wiesn schon ab Freitag für Feststimmung.
Er wird auch am Sonntag antreten: Uwe Lehmann (40) vom MCC Bannewitz testet schon mal die Strecke an der B170. Während das Motocrossrennen nur an einem Tag stattfindet, sorgt die Boderitzer Wiesn schon ab Freitag für Feststimmung.

© Andreas Weihs

Bannewitz. Auf die Maschinen, fertig – Gas! Uwe Lehmann schaut zufrieden. Den Table hat er problemlos übersprungen. So nennen Profis die aufgetürmten Erdhügel, die über die Piste führen. Während am Sonntag der Autoverkehr routiniert über die B 170 in Bannewitz rollt, drücken die Motocrossfahrer unmittelbar neben der Bundesstraße auf die Tube.

Zum zweiten Mal in Folge findet auf Höhe des Bannewitzer Gewerbegebietes das Motocrossrennen statt. Am Wochenende wird auch zu Bier und Musik auf die angrenzende Boderitzer Wiesn eingeladen. Ein Ereignis, das insgesamt wieder viele Schaulustige anziehen dürfte.

Das Offroad-Rennen hat in der Gemeinde im Dresdner Süden Tradition. Am 8. Oktober 1966 heulten erstmals die Motoren auf der Strecke an der Carl-Behrens-Straße in Bannewitz auf. Der MC Kompressorenbau Bannewitz organisierte damals die alljährlichen Rennen, die sich Tausende nicht entgehen ließen. 1981 kamen sogar 35 000 Zuschauer. Dennoch gab es zunehmend Unstimmigkeiten mit den Eigentümern des privaten Ackerlandes. So fand das Ereignis Anfang der 90er-Jahre ein Ende.

Voriges Jahr schließlich kehrten die Crossmaschinen wieder nach Bannewitz zurück, genau 50 Jahre nachdem die Piste erstmals befahren wurde. Trotz Regenwetters verfolgten rund 6 000 Motocrossfans das schlammige Spektakel.

„Wir hoffen auch diesmal wieder auf viele Gäste“, sagt Frank Zirnstein, Chef des Motocross Clubs Bannewitz (MCC). Ein Verein, der sich eigens für die Veranstaltung gründete. Statt hinterm Real-Markt, wie es voriges Jahr der Fall war, rasen die Crossmaschinen diesen Sonntag direkt neben der Bundesstraße über die angelegte Piste. „Wir sind mit der Veranstaltung nach wie vor nur geduldet“, erklärt Zirnstein. Da müsse man sich an die Gegebenheiten anpassen. Das ist auch der Grund, weshalb das Rennen dieses Jahr nur am Sonntag stattfindet.

70 Fahrer angekündigt

In Abstimmung mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr, das derzeit die Bundesstraße in Bannewitz auf gleicher Höhe ausbaut, der Gemeinde und dem Grundstücksbesitzer, dessen Privatfläche teilweise für das Rennen genutzt wird, habe man nun auch für dieses Jahr eine Lösung gefunden. Die Piste ist etwas schmaler und sogar länger als im Vorjahr. Statt auf lediglich 500 Metern Länge geht es fast 1,5 Kilometer übers Feld. „Wir haben diesmal auch mehr gerade Strecken eingebaut“, erklärt Frank Zirnstein. Allerdings müssen die rund 70 angemeldeten Fahrer, die aus ganz Sachsen mit ihren Motorrädern und Quads anreisen, mehr Hindernisse bewältigen. Auch die Fahrer von Seitenwagen messen sich auf der Piste. „Das ist immer sehenswert“, sagt der 61-Jährige.

Selbst Altstar Heinz Hoppe wird bei dem Spektakel dabei sein. „Allerdings nur zum Schauen“, sagt Zirnstein und schmunzelt. Ein bisschen, meint er, dürfte es dem mehrfachen DDR-Meister vom MC Apolda beim Anblick der Rennen aber in den Fingerspitzen jucken. Während nach den Trainingsrunden am Sonntag Punkt 13.25 Uhr zum ersten Rennen gepfiffen wird, können Besucher aber schon ab Freitagnachmittag den Festplatz anlässlich der Boderitzer Wiesn aufsuchen. Dann stehen Fahrgeschäfte auf dem Parkplatz des Real-Marktes bereit. Im Festzelt gibt es am Sonnabend ab 18 Uhr reichlich Bier und Leckereien. Außerdem spielt ab 20 Uhr die Band Blindate auf der Bühne überwiegend Rock-Musik von den 60er-Jahren bis heute und Lieder aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle.

Auch wenn die Neuauflage des Motocross-Ereignisses am Bannewitzer Gewerbegebiet nur eine Zwischenlösung ist, kann der Vereinschef alle Fans beruhigen: Es soll nicht das letzte Mal gewesen sein, dass Motoren aufheulen. „Wir haben derzeit ein neues Grundstück in Aussicht“, sagt Frank Zirnstein. Noch stehe nichts fest, aber die Motocrossfreunde seien gemeinsam mit der Bannewitzer Rathausspitze darum bemüht, dass für nächstes Jahr ein geeignetes Grundstück für das Rennen gefunden werden könne. Der Motocross soll weiterleben.

Boderitzer Wiesn vom 15. bis 17. September am Real-Markt Bannewitz. Eintritt frei.

Motocrossrennen am 17. September: Ab 9 Uhr startet das Training; Rennen ab 13.25 Uhr; Siegerehrung ab etwa 17.30 Uhr; Eintritt vier Euro, Kinder bis 13 Jahre frei.

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