• Einstellungen
Sonntag, 31.12.2017

Hipper Urlaub auf Balkonien

Ein Verein will mit Filmen die Dresdner für den Umweltschutz gewinnen. Und fordert dafür manch harten Verzicht.

23

Franziska Pschera wirbt für nachhaltigen Urlaub und organisiert den Kurzfilmwettbewerb Sukuma-Award.
Franziska Pschera wirbt für nachhaltigen Urlaub und organisiert den Kurzfilmwettbewerb Sukuma-Award.

© René Meinig

Frau Pschera, wo haben Sie denn im Sommer Urlaub gemacht?

Ich war mit meiner Familie an der Ostsee. Wir sind das erste Mal mit dem Zug gefahren, die Räder hatten wir mit. Sonst haben wir uns ein Auto für den Urlaub gemietet. Aber es geht auch ohne. Es war toll.

Damit gehen Sie nicht mit dem Trend. Viele Dresdner verreisen mindestens einmal im Jahr mit dem Flugzeug.

Ich fliege seit sieben Jahren nicht mehr. Das Flugzeug ist das umweltschädlichste Fortbewegungsmittel. Der Verzicht auf die Fliegerei ist eine weit schwierigere Entscheidung als die Entscheidung, sich nur noch vegetarisch zu ernähren. Das habe ich im Freundeskreis erfahren. Wenn es um gemeinsamen Urlaub geht, ist man schnell die Bremse, wenn man nicht fliegen will. Aber je länger ich darauf verzichte, desto weniger vermisse ich etwas.

Beim Wettbewerb ihres Vereins Sukuma-Arts sollen Kurzfilme entstehen, die für nachhaltigen Urlaub werben. Wie geht der für die Umwelt leichte Urlaub?

Dafür gibt es eine einfache Formel: Vermeiden, Reduzieren, Kompensieren. Das Flugzeug zu meiden ist an sich die radikalste, wenn auch effektivste Lösung. Wer reduzieren will, kann zum Beispiel nur direkte Flugverbindungen buchen und notfalls mit dem Zug zum Startflughafen fahren. Für das Kompensieren gibt es Rechner im Internet. Die berechnen den -Ausstoß für jede Reise und zeigen einen Spendenbetrag an, den man als Ausgleich für ein Umweltprojekt zahlen kann. Die nachhaltigste Form des Urlaubs ist, wenn man zu Hause bleibt. Balkonien kann auch sehr hip sein.

Mit dieser Empfehlung werden Sie doch kaum Zustimmung finden. Gegen den Wunsch nach Tapentenwechsel und Fernweh kommen sie doch nicht an.

Ich kann die Kritiker verstehen. Wichtig ist, einen Kompromiss zu finden. Ich kann ja auch nur einmal im Jahr wegfahren und die anderen freien Tage zu Hause bleiben. Warum nicht mal ein Wochenende lang mit Freunden die Wohnung tauschen? Welch spannender Tapetenwechsel. Urlaub bedeutet ja eigentlich nur, eine möglichst stressfreie Zeit zu verbringen. Das geht auch wunderbar zu Hause.

Doch was hilft denn gegen Fernweh?

Nur ein ganz kleiner Teil der Weltbevölkerung kann überhaupt reisen. Weniger als zehn Prozent der Weltbevölkerung sind jemals über die eigene Landesgrenze hinaus gekommen. Klar, viele Menschen haben Wünsche, wo sie hinreisen und was sie sehen wollen. Aber diese Liste ist niemals zu Ende. Ist ein Ziel abgehakt, tut sich ein neues auf. Auch das ist Stress, den man eigentlich nicht mit Urlaub verbinden will. Verzicht befreit von diesem Stress.

Das Gespräch führte Annechristin Bonß.

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Seite 2 von 5

Insgesamt 23 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Gunter Zeidler

    Eigentlich wäre alles ganz einfach, wenn jedem Bürger nur eine bestimmte Menge an Ölverbrauch/Kohleverbrauch, also CO2 Ausstoß zugestanden würde. Die kann er dann nach seinem Belieben umsetzen. Entweder er heizt seine gute Stube permanenet auf 24°, oder er fliegt einmal im Jahr irgendwo hin, oder er fährt täglich mit dem Auto zur Artbeit ...

  2. Hahaha

    Hahahahahah und das Beste immer zum Schluß hahahah das neue Jahr kann kommen.....hahahaha

  3. Macher

    Wenn man der Umwelt einen richtigen Gefallen machen will, dann sollte man an die Ursache ran. Die Überbevölkerung. Aber da man dort nicht heran will, so mach ich auch nächstes Jahr wieder eine Flugreise. Ein schlechtes Gewissen lasse ich mir von den Ökoaktivisten da nicht einreden.

  4. Michael H.

    Die Dame mag das selbst halten, wie sie will. Ihre Moralapostelinnenei ist jedoch irrelevant, warum wird darüber berichtet?

  5. Schwejk

    Es würde schon etwas bringen, wenn bei den Flugtickets die realen Kosten abgebildet würden, also eine angemessene Kerosinsteuer, eine angemessene Bezahlung des Personals usw. Manchmal kommt es einem vor, als ob "Erholung" mit "erleben müssen" verwechselt wird - und natürlich wenig kosten soll. Und dann muss jeder Urlaubstag bis zum Limit ausgenutzt werden! Man kann sich Stress auch selber machen! Für die meisten Kinder ist es ohnehin schnuppe, an welchem Ort der Welt ihre Eltern sich auf den Senkel gehen - Entspannung, Perspektivwechsel, gemeinsame Zeit hängt nicht von einer Flugreise ab. @4 Juliane: ich habe nie verstanden, warum man über das ganze Jahr für 2-3 Wochen Nichtstun etwas "mühsam ersparen" soll. Lieber gönne ich uns das ganze Jahr über kleinere Unternehmungen nach Kassenlage, geniesse diese Zeit und finde in den Schulferien immer noch Gelegenheiten, mal raus zu kommen. Fühlt sich dann ganzjährig entspannt an.

Alle Kommentare anzeigen

Seite 2 von 5

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.