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Samstag, 30.12.2017

„Hier wurde eine Riesenchance vertan“

Der ADFC fordert eine sicherere Radwegführung auf der Gorkistraße. Die Stadt will handeln, denkt aber in Etappen.

Von Mareike Huisinga

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Vorsicht! Fußgänger und Radfahrer müssen sich den ohnehin schmalen Weg an der Gorkistraße teilen.
Vorsicht! Fußgänger und Radfahrer müssen sich den ohnehin schmalen Weg an der Gorkistraße teilen.

© Daniel Schäfer

Steffen Hoffmann muss mit seinem Liege-Rad auf die Fahrbahn der Maxim-Gorki-Straße ausweichen, da der kombinierte Geh- und Radweg mal wieder zugeparkt ist.
Steffen Hoffmann muss mit seinem Liege-Rad auf die Fahrbahn der Maxim-Gorki-Straße ausweichen, da der kombinierte Geh- und Radweg mal wieder zugeparkt ist.

© Daniel Schäfer

Pirna. Steffen Hoffmann schaut auf den kombinierten Rad- und Gehweg an der Maxim-Gorki-Straße. „Hier wurde eine Riesenchance vertan“, sagt er. Ärger schwingt in seiner Stimme mit. Der junge Mann ist Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Ortsgruppe Pirna.

Erst vor Kurzem wurde die Gorkistraße nach der aufwendigen Beseitigung der Hochwasserschäden wieder für den Verkehr freigegeben. Für die Radfahrer und Fußgänger hat sich jedoch nichts generell geändert. „Der kombinierte Rad-/Fußweg wurde lediglich in einzelnen Abschnitten instand gesetzt“, erläutert der Experte. Aber damit ist aus seiner Sicht das Problem nicht gelöst. „Denn es geht hier nicht um den Komfort, sondern um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer an beziehungsweise auf der Gorkistraße“, betont er.

Der Weg mit einer Breite von streckenweise lediglich 1,60 Meter sei schlichtweg zu schmal, als dass er gemeinsam von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden könne. Hoffmann denkt dabei auch an Eltern, die ihren Kinderwagen hier entlang schieben. Noch enger wird es, wenn die Anwohner ihre Mülltonnen auf den Gehweg stellen. Oftmals parken auch Autos rechtswidrig auf dem Weg. „Dann können die Radfahrer nur noch auf die Straße ausweichen, was gefährlich ist“, beschreibt Hoffman die Situation, die er schon oft selber erleben musste.

Die Lösung sieht der ADFC darin, dass für die Radfahrer auf der Fahrbahn in beide Richtungen separate Radwege geschaffen werden. „Der Radverkehr muss gesichert auf die Fahrbahn des motorisierten Verkehrs gezogen werden.“ Dabei sollten die Radwege eine Mindestbreite von 1,50 Meter betragen. Hoffmann weiß natürlich auch, dass diese Variante eine Einschränkung für den Autoverkehr bedeutet. Statt drei Fahrstreifen gäbe es nur noch zwei, einen in jede Richtung. Derzeit führen zwei Streifen zur Bundesstraße, was den Verkehr flüssiger macht. Der ADFC will im kommenden Jahr verstärkt mit allen Parteien des Stadtrates reden, damit diese Variante zeitnah umgesetzt wird.

Auch die Stadt will handeln, allerdings zunächst in einem kleineren Umfang als die Fahrradlobbyisten. Geplant ist, sogenannte Schutzstreifen für Radfahrer auf die Fahrbahn aufzutragen. Diese gestrichelten Linien dürfen von den Autofahrern überfahren werden. Dafür bereiten Planer derzeit eine gesicherte Radweg-Führung in Höhe des Busbahnhofs auf diesen geplanten Schutzstreifen vor, teilt Stadtsprecher Thomas Gockel mit. Das Rathaus geht davon aus, dass die Markierung spätestens im zweiten Quartal 2018 abgeschlossen wird.

Jedoch soll dieser Zustand nicht endgültig sein. Die Stadt halte an den Zielen des Verkehrsentwicklungsplans für 2030 fest, betont Gockel. Damit will die Verwaltung auf die Forderung des ADFC eingehen. Denn in dem Plan ist festgelegt, dass letztlich zwei separate Radwege auf der Fahrbahn errichtet werden, zulasten eines Fahrstreifens für den motorisierten Verkehr. Hintergrund: Mit der Fertigstellung der geplanten Südumfahrung rechnet die Stadt mit einer erheblichen Entlastung des innerstädtischen Verkehrs. Das betrifft auch die Maxim-Gorki-Straße. Aber bis es so weit ist, brauche man die drei Spuren, da sich sonst der Verkehr extrem stauen würde, so Gockel. Folglich sind die Schutzstreifen im nächsten Jahr lediglich die erste Etappe auf dem Weg zu einer sicheren Verkehrssituation auch für Radfahrer.

Ob dieser Zeitplan auf Zustimmung der ADFC-Mitglieder stößt, muss allerdings bezweifelt werden. Für Steffen Hoffmann steht jedenfalls fest: „Das allgemeine Ziel ist, dass mehr Bürger auf das Rad umsteigen. Aber dann müssen auch die Angebote stimmen.“

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