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Samstag, 13.01.2018

Hier grüßen die Leute noch auf der Straße

Die neue Revierleiterin Sandra Geithner über ihre Zeit bei der Kripo und Kesselwurst.

Von Birgit Ulbricht

Sandra Geithner (42) ist Großenhains neue Revierleiterin. Auf der Straße wird gegrüßt – das findet sie schon sehr anheimelnd.
Sandra Geithner (42) ist Großenhains neue Revierleiterin. Auf der Straße wird gegrüßt – das findet sie schon sehr anheimelnd.

© Kristin Richter

Großenhain. Beim neuen Ebersbacher Bürgermeister Falk Hentschel war sie schon. Nächste Woche besucht sie Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach und Landrat Arndt Steinbach. Nach knapp zwei Wochen als neue Revierleiterin stehen bei Sandra Geithner noch viele Besuche im Terminkalender. Die ersten Begegnungen mit den Bürgern auf der Straße hatte die 42-Jährige schon in den ersten Tagen, als sie der bisherige Revierleiter Dieter Greß noch durch „seine“ Stadt mitnahm.

„Die Leute grüßen, nicken“, das war schon sehr angenehm und etwas völlig anderes als in Dresden-Pieschen, wo sie nach ihrer Ausbildung im mittleren Dienst ihre ersten Jahre im ganz normalen Streifendienst absolviert hat. Mit einigen Problem-Blocks und dem Elbepark vor der Revier-Tür, kann sich jeder vorstellen, wie da mancher Einsatz aussah. Man kann ihr getrost abnehmen, dass sie weiß, „wie es auf der Straße läuft“. Das ist wichtig in einem Polizeirevier mit bodenständigen Delikten vom Familienstreit bis zum Verkehrsunfall.

An der Polizei-Fachhochschule Rothenburg hat sie sich schließlich noch einmal auf die Schulbank gesetzt, für den gehobenen Polizeidienst. Sandra Geithner reizte die Ermittlungsarbeit, und 2007 war es endlich soweit: Sie bewarb sich zur Kripo. „Ich wollte auf die andere Seite, zur Fallbearbeitung“, sagt sie. Eine spannende Arbeit. Aber was die Ermittler in Dresden über die Jahre zu sehen bekommen haben, war manchmal auch nur schwer zu ertragen. Nach zehn Jahren kam für die zweifache Mutter der Punkt, an dem sie sich beruflich verändern wollte.

Verschmitzt erzählt sie, dass sowohl ihre Kollegen bei der Kripo als auch die Kollegen im Großenhainer Revier von dem neuerlichen Perspektivwechsel überrascht waren. Doch Sandra Geithner sagte gestern in ihrer Vorstellungsrunde durch die Polizeidirektion Dresden, der Wechsel sei richtig gewesen. Dem Großenhainer Revier könnte der Perspektivwechsel der neuen Chefin – und vor allem ihre breitgefächerte Berufserfahrung – auch neue Akzente bescheren. Neue Akzente ganz anderer Art hängen derweil schon in ihrem Büro. Ein Bild in lebhaften warmen Farben mit Kindern und Katzen von einer Dresdner Malerin. Es ist ein Geschenk ihrer Dresdner Kollegen zum Abschied. Nun soll es die einstige Ermittlerin in Großenhain inspirieren. Vielleicht ein gutes Omen für den ungeklärten Entführungsfall der kleinen Ella, an dem viele Kollegen dran sind. Bisher gibt es keinerlei Hinweise, dass Mutter und Kind seit jenem 7. Mai vorigen Jahres auch nur irgendwo gesehen wurden. Natürlich hat sich die Ermittlerin Sandra Geithner den Fall angesehen. Doch den Arbeitsalltag werden solche einschneidenden Ereignisse wohl nicht ausmachen. Die Revierleiterin hat sich jedenfalls fest vorgenommen, das beschauliche Großenhain weiterhin beschaulich zu halten. Lebenswert und sympathisch. Die Arbeit dahinter, die das Team aus insgesamt 55 Beschäftigten dafür leistet, soll gar nicht immer und stets zu sehen sein. 453 Quadratkilometer, 34300 Menschen – dazu die nahe Autobahn und die übergreifenden Geschehnisse – so lautet die Aufgabe jeden Tag. Nun ist Großenhain „ihre“ Stadt. Mittwochs gibt es Kesselwurst, wenn auch verändert zum ersten Mal mit Ketchup – und nicht einmal den Großenhainer Weihnachtsmarkt hat Familie Geithner verpasst. Denn den besucht sie bereits seit Jahren sehr gern.