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Donnerstag, 28.12.2017 Bilder des Jahres 2017

Herwart deckte Dächer ab

Noch sind längst nicht alle Schäden des schweren Unwetters behoben. Probleme gibt es vor allem in den Wäldern der Region.

Von Maria Fricke

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Rund 300 Quadratmeter Dachhaut hatte es am 29. Oktober bei Sturmtief Herwart vom Haus Albert-Schweitzer-Straße 25/26 in Döbeln geblasen. Der Schaden ist bisher provisorisch behoben worden.
Rund 300 Quadratmeter Dachhaut hatte es am 29. Oktober bei Sturmtief Herwart vom Haus Albert-Schweitzer-Straße 25/26 in Döbeln geblasen. Der Schaden ist bisher provisorisch behoben worden.

© Dietmar Thomas

Rund 300 Quadratmeter Dachhaut hatte es am 29. Oktober bei Sturmtief Herwart vom Haus Albert-Schweitzer-Straße 25/26 in Döbeln geblasen. Die Haut, die aufgeklebt und zusätzlich gesichert gewesen sei, hing nach dem Sturm an der Fassade herunter.
Rund 300 Quadratmeter Dachhaut hatte es am 29. Oktober bei Sturmtief Herwart vom Haus Albert-Schweitzer-Straße 25/26 in Döbeln geblasen. Die Haut, die aufgeklebt und zusätzlich gesichert gewesen sei, hing nach dem Sturm an der Fassade herunter.

© Feuerwehr Döbeln

In Zschäschütz war ein Baum in eine Scheune gekracht. Weil weitere Bäume umzufallen drohten, wurde die Straße gesperrt. Nach einer Stromabschaltung ließ der Eigentümer die Bäume fällen.
In Zschäschütz war ein Baum in eine Scheune gekracht. Weil weitere Bäume umzufallen drohten, wurde die Straße gesperrt. Nach einer Stromabschaltung ließ der Eigentümer die Bäume fällen.

© André Braun

Döbeln. Umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer, stromlose Haushalte – der 29. Oktober und die Tage danach sind vielen noch in lebhafter Erinnerung. Es war der Tag, an dem Sturmtief Herwart die Region mit voller Wucht getroffen hat. Und noch immer spüren die Betroffenen die Folgen.

Dach in Döbeln-Nord wurde nur provisorisch instandgesetzt

Wie ein Handtuch hing ein Teil der Dachhaut des Hauses Albert-Schweitzer-Straße 25/26 nach dem Sturmtief an der Fassade herab. Die Döbelner Feuerwehr musste mit der Drehleiter anrücken, um die Bahnen abzuschneiden. Behoben ist der Schaden, der auf rund 25 000 Euro geschätzt worden ist, bisher noch nicht. „Das Dach ist nur provisorisch instandgesetzt“, teilte eine Mitarbeiterin der Wohnungsgenossenschaft Pro Leipzig mit. Als Grund gab die Angestellte an, dass es an freien Kapazitäten bei den Dachdeckern gefehlt habe.

Familie kehrte nach Sturmschaden zurück in ihr Wohnhaus

Wie eine Krake hatte sich eine Eiche in das Haus der Familie Rubscheit in Gersdorf bei Hartha gedrückt. Die Feuerwehr konnte der Familie nicht helfen, erst einer Spezialfirma gelang es, den Baum aus dem Haus zu entfernen. Für einige Tage mussten die Gersdorfer ihr Zuhause verlassen. Auch, weil unklar gewesen war, ob das Gebäude noch statisch sicher ist. Anfang November kehrte die Familie zurück. Doch auch das Dach in Gersdorf ist bisher nur notgesichert worden. „Ich denke, die richtige Reparatur erfolgt im ersten Quartal des neuen Jahres“, so Ralph Rubscheit. Im Winter könne das Dach nicht repariert werden. Beeinträchtigungen hätte die Familie keine. „Es ist alles soweit wieder gerichtet worden“, so Rubscheit. Nur in einem Teil des Hauses muss sich Rubscheit noch dem Innenausbau widmen. „Ein Ast ist voll durch das Dach durch“, schilderte er.

In den Wäldern sind Grenzen und damit Zuständigkeiten unklar

Auch in den Wäldern der Region hat das Sturmtief seine Spuren hinterlassen. Nur wenige der Schäden seien bisher behoben worden, sagte Revierförster Dirk Tenzler, Ansprechpartner für den Privat- und Körperschaftswald in der Region Döbeln. Zwischen 400 und 500 Kubikmeter Wald waren nach ersten Schätzungen zerstört worden. Das Problem: „Es gibt viele Einzelbrüche, die über das gesamte Revier verteilt sind“, so Tenzler.

Zuständig für die Beseitigung der Schäden sind die Eigentümer des Waldes. Doch herauszubekommen, wem welches Flurstück gehört, sei schwierig. „Manche wissen noch nicht einmal etwas von ihrem Waldstück, wie zum Beispiel bei Erbengemeinschaften“, sagt Tenzler. Andere wollten mit ihrem Besitz auch nichts zu tun haben. Der Revierförster bemüht sich darum, die Eigentümer ausfindig zu machen und sie gezielt anzusprechen. Doch das ist nicht das einzige Problem.

Die derzeitige Witterung erlaube es ohnehin nicht, mit schweren Geräten im Wald tätig zu werden. Und bevor die Eigentümer die Schäden damit beseitigen können, müssen sie in vielen Fällen zunächst die anderen Waldbesitzer ausfindig machen und um Erlaubnis fragen, ob sie deren Flächen betreten dürfen. Denn zahlreiche Waldstücke sind nur über andere zu erreichen. Bei all den Schwierigkeiten drängt die Zeit. In drei bis vier Monaten wird der Borkenkäfer wieder aktiv. „Wir werden sehen, ob wir es bis dahin schaffen, die Sturmschäden zu beseitigen“, so Tenzler. Besonders betroffen sei der Wald in Massanei, Reinsdorf und Heiligenborn. Das tote Holz bietet für die Käfer optimale Lebensbedingungen. Die Schädlinge befallen vor allem Fichten.

Noch bis November wurden Schäden an den Stromleitungen behoben

Vereinzelt bis zu vier Tage ohne Strom mussten einige Haushalte in der Region ausharren. Betroffen war unter anderem eine Familie aus Roßwein, die etwas abseits lebt. Umgestürzte Bäume oder herabgefallene Äste, die auf Leitungen, in Masten oder weitere Teile der Anlagen gestürzt waren, behinderten die Stromversorgung von rund 6 000 Kunden im Altkreis. 26 Orte waren betroffen, darunter Hartha mit rund 1500 Haushalten. Dort hatte Versorger Mitnetzstrom eine Netzersatzanlage, also ein großes Notstromaggregat, aufgestellt.

Eine Vielzahl der Störungen sei bis zum 31. Oktober behoben gewesen, sagte Evelyn Zaruba, Sprecherin von Mitnetz. Die Versorgung wurde unter anderem durch Umschalten auf andere Leitungen oder Netzersatzanlagen wiederhergestellt. „Restarbeiten zur Herstellung des Normalzustandes haben bis Mitte November gedauert“, erklärte Zaruba.

Die Schadenssumme für den gesamten Bereich von Mitnetzstrom belaufe sich auf einen hohen sechsstelligen Betrag. „Der Sturm Xavier und insbesondere der Sturm Herwart waren seit Kyrill in 2007 die Stürme mit den größten Schäden der vergangenen Jahre. Im Gegensatz dazu war das Jahr 2016 witterungsbedingt eher sehr ‚ruhig‘“, so Zaruba.

Um auf solche Situationen vorbereitet zu sein, führten die Mitarbeiter der Mitnetz regelmäßig Krisenübungen und Antihavarietrainings durch, ergänzte die Sprecherin. Hinzu kämen Übungen mit den Freiwilligen Feuerwehren, den Technischen Hilfswerken sowie den Kommunen. Zudem kontrolliere der Stromversorger regelmäßig die Anlagen, um bereits im Vorfeld mögliche Gefahrenpotenziale wie umbruchgefährdete Bäume oder Bewuchs rechtzeitig zu erkennen und zu beseitigen. „Über sogenannte Kabeldiagnosen, die im gesamten Netzgebiet vorgenommen werden, können Schwachstellen im Mittelspannungskabelnabelnetz ausfindig gemacht und gegebenenfalls repariert werden“, informierte die Mitnetz-Sprecherin.

Reparaturen an Waldheimer Grundschule in Auftrag gegeben

An der Waldheimer Grundschule hatte der Sturm einen Baum in den Nordflügel krachen lassen. Das Dach, ein Fenster, eine Lampe sowie ein Stück der Fassade wurden beschädigt. Die größeren Schäden seien beräumt worden, sagte Bürgermeister Steffen Ernst (FDP). Weitere Aufträge seien erteilt worden. Kleinere Arbeiten, wie die Korrektur einer verbogenen Dachrinne, stünden noch aus. Am Autohaus Mäke ist innerhalb weniger Tage nach dem Sturm die beschädigte Außenwand instandgesetzt worden, sagte Standortleiter Harry Hoffmann.

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