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Donnerstag, 17.05.2018 Glosse

Herr B., die Nazis und der „Ziegenficker“

Von Oliver Reinhard

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SZ-Redakteur Oliver Reinhard.
SZ-Redakteur Oliver Reinhard.

© Robert Michael

Regelmäßig vergreift sich Jan Böhmermann (37) in seinen „satirischen“ Pranger-Mitteln.
Regelmäßig vergreift sich Jan Böhmermann (37) in seinen „satirischen“ Pranger-Mitteln.

© dpa

Der zweite Anlauf scheiterte ebenfalls: Auch das OLG Hamburg verbietet dem Moderator und Satiriker Jan Böhmermann, in seinem „Schmähgedicht“ etwa zu behaupten, dass der türkische Präsident Erdogan „Ziegen fickt“ und „Kinderpornos schaut“. Begründung: Erdogans Persönlichkeitsrecht sei höher zu bewerten als Böhmermanns Meinungsfreiheit.

Sein notorisches Problem mit dem Respekt vor Persönlichkeitsrechten hat den TV-Star inzwischen selbst zum Sorgenfall gemacht. Denn so gut er seine Absichten hinter diversen Aktionen auch meinen mag, so fragwürdig sind oftmals „Böhmis“ Mittel. Er stellt das Gebaren des türkischen Diktators bloß – pfeift aber auf dessen Menschenwürde. Er klagt den versülzten deutschen Massenpop satirisch an – gibt aber den Sänger Max Giesinger stellvertretend der Lächerlichkeit preis.

Seit Kurzem greift er zudem das Netzwerk „Reconquista Germanica“, in dem sich 6 000 Internet-Trolle zu AfD-Gunsten zu kollektiven Hass-Attacken auf Andersdenkende verabreden, mit dessen eigenen Waffen an – ruft dabei aber zur Massendenunziation am Web-Pranger auf und wirft auch herkömmlich Konservative mit in den „Nazi“-Kochtopf.

Den unzähligen jungen und gutwilligen Anhängern von Jan Böhmermann wird das womöglich nicht auffallen: Geblendet vom hehren Ziel, greifen sie damit selbst zu Methoden, die in vielen Diktaturen gang und gäbe sind und von der DDR-Staatssicherheit „Zersetzung“ genannt wurden.

Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass auch Böhmermann sich dessen nicht bewusst ist. Und gänzlich ausgeschlossen, dass sein Haussender ZDF blind dafür sein kann. So oder so: Mainz, wir haben ein Problem.

E-Mail an Oliver Reinhard.

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