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Mittwoch, 03.01.2018

„Held von Mogadischu“ gestorben

Ulrich Wegener baute in den 1970er-Jahren die GSG 9 auf, die mit dem Einsatz bei einer Flugzeugentführung im somalischen Mogadischu berühmt wurde. Jetzt ist der Terrorismus-Experte gestorben.

Von Klaus Peters und Torsten Holtz

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Der damalige Kommandeur Ulrich Wegener (im Bild rechts) mit der kleinsten taktischen Einheit der GSG 9, der Spezialeinsatztruppe, aufgenommen 1979.
Der damalige Kommandeur Ulrich Wegener (im Bild rechts) mit der kleinsten taktischen Einheit der GSG 9, der Spezialeinsatztruppe, aufgenommen 1979.

© Roland Scheidemann / dpa

Ulrich Wegener im Jahr 2012 in Bonn während einer Vorführung vor dem ehemaligen Kanzleramt.
Ulrich Wegener im Jahr 2012 in Bonn während einer Vorführung vor dem ehemaligen Kanzleramt.

© Oliver Berg / dpa

Berlin. Der erste Kommandeur der Antiterroreinheit GSG 9, Ulrich Wegener, ist tot. Der frühere Brigadegeneral des Bundesgrenzschutzes starb bereits am 28. Dezember im Alter von 88 Jahren, wie das Bundesinnenministerium am Mittwoch mitteilte. Der gebürtige Jüterboger hatte im Oktober 1977 die Kommandoaktion der Spezialeinheit GSG 9 zur Erstürmung des von Terroristen entführten Lufthansa-Flugzeugs „Landshut“ im somalischen Mogadischu geleitet. Damit erwarb sich Wegener den Beinamen „Held von Mogadischu“.

Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung über den Tod Wegeners berichtet, auch die Deutsche Presse-Agentur hatte aus sicherer Quelle davon erfahren. Wegener wurde am 22. August 1929 als Sohn eines Reichswehroffiziers in Jüterbog (Teltow-Fläming) geboren. Von 1949 an studierte er in der DDR Volkswirtschaftslehre und schloss sich einer antikommunistischen Gruppe an. Nach der Verteilung von Flugblättern wurde er wegen „gesellschaftsfeindlicher Tätigkeit“ zu 18 Monaten Haft verurteilt. Anschließend floh er 1952 über West-Berlin nach Baden-Württemberg und meldete sich dort zur Bereitschaftspolizei. Wegener ging als Inspekteur des Bundesgrenzschutzes in Pension und lebte zuletzt im rheinland-pfälzischen Windhagen im Westerwald.

Die palästinensischen Terroristen wollten mit der Aktion auf dem Höhepunkt des „Deutschen Herbstes“ elf inhaftierte Terroristen der Rote-Armee-Fraktion (RAF) freipressen. Bei der Erstürmung der Maschine mit mehr als 90 Menschen an Bord wurden drei der vier palästinensischen Terroristen erschossen. Kein Polizist und keine der Geiseln kamen ums Leben.

„Ich war froh, dass wir mal zeigen konnten, was wir können“, sagte Wegener vor einigen Jahren zu diesem Einsatz. „Wir hatten davor jahrelang auf deutschen Flughäfen einen solchen Einsatz immer wieder geübt, nachts haben wir abgestellte Maschinen gestürmt. Manchmal konnten diese Maschinen auch nachher nicht mehr fliegen.“

Die RAF-Häftlinge Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe nahmen sich nach der Geiselbefreiung im Hochsicherheitsgefängnis in Stuttgart-Stammheim das Leben.

Der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) hatte Wegener 1972 mit dem Aufbau der Eliteeinheit GSG 9 beauftragt. Anlass war ein Anschlag palästinensischer Terroristen auf die israelische Mannschaft während der Olympischen Spiele in München.

1988 wechselte der Gründungskommandeur in den Dienst der saudischen Regierung, um die dortige 2000 Mann starke „Special Security Forces“ auszubilden. Wegener wurde so zu einem international gefragten Experten in der Terrorismusbekämpfung. (dpa)

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