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Freitag, 13.10.2017

Held gesucht!

Ein Neuseeländer will nach fast 100 Jahren den Lebensretter seines Großvaters finden. Ein fast aussichtsloses Unterfangen. Doch dann gibt es eine überraschende Wendung.

Von Irena Güttel

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Der neuseeländische Soldat Hayden Cullen mit der Brieftasche des deutschen Soldaten.
Der neuseeländische Soldat Hayden Cullen mit der Brieftasche des deutschen Soldaten.

© Lac Naomi James/New Zealand Defence Force/dpa

Barum. Seit Tagen steht das Telefon bei Familie Rabe nicht mehr still. Verantwortlich dafür ist ein Neuseeländer namens Hayden Cullen und eine Geschichte, die wie aus einem Hollywood-Film klingt: Ein neuseeländischer Soldat bricht im Ersten Weltkrieg während eines Gefechts blutüberströmt zusammen. Ein deutscher Offizier rettet ihm das Leben. Bevor der Deutsche in Gefangenschaft gerät, überlässt er dem Verwundeten seine Brieftasche, versehen mit Namen und Adresse. Jahrelang versucht die Familie des neuseeländischen Soldaten die Nachfahren des Lebensretters ausfindig zu machen - ohne Erfolg. Doch nun könnte es ein Happy-End geben.

Fast 99 Jahre nachdem eine Granate den Neuseeländer Ray Cullen in der französischen Gemeinde Le Quesnoy verwundet hatte, wendet sich sein Enkel Hayden, ebenfalls Soldat, an die Medien. Über das neuseeländische Militär veröffentlicht er eine Pressemitteilung mit einem Foto der Brieftasche, auf dem die Inschrift deutlich zu sehen ist: „H. Held“ mit der Adresse Eppensen - ein kleines Dorf in Niedersachsen nahe Lüneburg, wo sich so gut wie jeder kennt. Doch jemanden mit den Nachnamen Held gibt es dort nicht.

Über das Internet erfährt der Stadtarchivar Tino Wagner aus dem nahe gelegenen Bad Bevensen von Cullens Suche. Eine faszinierende Geschichte sei das, findet er. In alten Kirchenbüchern wird er schließlich fündig. Er entdeckt einen 1898 geborenen Heinrich Held. Doch dieser starb 1929, ohne Kinder zu hinterlassen. Damit würde die Spur hier enden, wäre nicht der Eppenser Hobbyhistoriker Jürgen Könneker vor Jahren in den Besitz eines Fotos der Familie Held um 1913 gekommen. Es zeigt Vater, Mutter, Sohn und Tochter.

Der Soldat Heinrich Held hatte also eine Schwester. „Die hat später den Kaufmann des Ortes geheiratet“, erzählt Könneker. Das Paar bekam wiederum eine Tochter, die heute im Nachbarort Barum lebt. Ihr Name: Helga Rabe. Über ihren Onkel Heinrich, der viele Jahre vor ihrer Geburt starb, weiß sie nur wenig. Ihre Mutter habe den Bruder nur am Rande erwähnt, erzählt sie der Deutschen Presse-Agentur. Die 75-Jährige blättert in einem Album mit alten Schwarz-Weiß-Fotos, darunter auch welche, die Soldaten in Uniform zeigen. Ob Heinrich Held darunter ist, vermag sie nicht zu sagen. Dass er Cullens Großvater an der Front geholfen haben soll, hat sie erst wenige Tage zuvor aus der Zeitung erfahren.

„Er war ein Held damals“, sagt ihr Mann Wilhelm Rabe. „Er hat einen Feind gerettet.“ Die Familie würde von Cullen gerne mehr darüber erfahren. Cullens Großvater hatte damals in einem Brief an seine Familie über die wundersame Rettung berichtet. „Es wäre schön, wenn er sich meldet“, sagt Helga Rabes Tochter Anja.

Hayden Cullen war über das neuseeländische Militär zunächst nicht zu erreichen. Er befindet sich gerade selbst in Europa. Er ist für eine Gedenkfeier nach Belgien gereist, an der er als Militärmusiker teilnimmt. Im Gepäck: die Brieftasche und die Hoffnung, doch noch etwas über den Retter seines Großvaters herauszufinden. „Ich weiß, es ist lange her. Aber wenn ein Wunder geschehen kann, wieso nicht auch ein zweites?“, wird er in der Militär-Pressemitteilung zitiert. Das könnte sich nun erfüllen. (dpa)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Christel Jentzsch

    Geschichten wie diese tun unserem Zeitalter und unserem Alltag, mit seinen doch eher negativen Nachrichten, einfach gut. Sehr schön!!

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