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Montag, 08.01.2018

Heises Versprechen

Der Verteidiger träumt weiter von einem Wechsel nach England, aber vorher will er sein Ziel mit Dynamo erreichen.

Von Sven Geisler, Marbella

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Gut gelaunt und offen im Gespräch: Philip Heise ist am Sonntag der Gast in der Dresdner Medienrunde in Dynamos Mannschaftshotel „Guadalmina“ in Marbella. Was er zu sagen hat, wird die Fans freuen.
Gut gelaunt und offen im Gespräch: Philip Heise ist am Sonntag der Gast in der Dresdner Medienrunde in Dynamos Mannschaftshotel „Guadalmina“ in Marbella. Was er zu sagen hat, wird die Fans freuen.

© Lutz Hentschel

Die Sorgen sind unbegründet. Philip Heise lehnt sich in einem Ledersessel in der Lobby des Mannschaftshotels in Marbella zurück und sagt den Satz, auf den alle Dynamo-Fans warten: „Sie müssen sich gar keine Sorgen machen. Ich bleibe auf jeden Fall die ganze Saison.“ Das ist nicht so selbstverständlich, wie es klingen mag, denn der Linksverteidiger ist längst auch anderen Vereinen aufgefallen. Im Juli hatte der englische Zweitligist Wolverhampton Wanderers eine Millionensumme als Ablöse geboten. Und auch für den 26-Jährigen selbst wäre der Wechsel auf die Insel nicht nur sportlich lukrativ gewesen.

Doch schließlich sprach Sportchef Ralf Minge ein Machtwort – und Heise hat es akzeptiert, was ebenso nicht mehr selbstverständlich zu sein scheint in einer Zeit, in der mancher Spieler seinen Wechsel durch Fernbleiben erzwingt. Apropos. Einen solchen Fall hat sogar Dynamo. Eero Markkanen, der zum Trainingsstart unentschuldigt fehlte, ist nach wie vor nicht in Spanien gelandet. Der Finne will weg und dürfte das auch. Allerdings müsste der schwedische Erstligist AIK Solna, von dem er ausgeliehen ist, einen Teil der Gebühr zurück überweisen. Solche Modalitäten hatte der Stürmer wohl nicht bedacht, als er den einsamen Entschluss fasste, Dresden nach nur fünf Monaten klammheimlich zu verlassen. Das gilt es nun nachträglich zu klären.

Heise kam vor einem Jahr vom VfB Stuttgart und hat einen Vertrag bis 2019. Sein Treuebekenntnis gilt jedoch vorerst nur bis Ende Mai. „Was im Sommer passiert, weiß keiner“, sagt er – und räumt ein, dass er seinen Traum von einem Wechsel nach England nicht aufgibt, nur weil es im ersten Versuch nicht geklappt hat. Mit Marcel Franke, der bei Norwich City nicht mehr gespielt und sich deshalb an Dynamo ausleihen lassen hat, habe er sich kurz über dessen Erfahrungen unterhalten. Als abschreckendes Beispiel taugen sie jedoch nicht. „So etwas kann dir in jedem Verein und in jeder Liga passieren“, betont Heise.

Es wäre allerdings eine böswillige Unterstellung, sein Frustfoul beim 1:2 in Nürnberg als Bewerbung für die vermeintlich härtere Gangart zu werten. Vielmehr hatte er seinen Fehler sofort eingesehen. „Ich habe mich ja nicht mal beim Schiri aufgeregt, weil mir sofort klar war, dass es Rot ist.“ In der Situation seien ihm die Sicherungen durchgebrannt. „Ich habe mich auf dem Platz selber nicht mehr einfangen können“, sagt er. „Jetzt weiß ich, wie sich das anfühlt, und werde aufpassen, den Fokus zu behalten und mich nicht derart reizen zu lassen.“

Drei Spiele war er gesperrt, davor hatte er schon vier wegen eines Muskelfaserrisses verpasst. Das schmälert seine Statistik, auch wenn zwei Tore und vier Vorlagen in elf Einsätzen eine starke Ausbeute sind für einen Defensivmann. Doch Heise hat den Drang nach vorn, und im Zusammenspiel mit Haris Duljevic lebt er den auf der linken Seite aus. „Ich versuche, ihm den Weg frei zu machen, er hat den Blick für mich, von zehn Pässen spielt er fünf auf mich.“ In der Fußballersprache nennt man das blindes Verständnis, was die Sache erleichtert, weil der Bosnier Duljevic kaum Deutsch spricht. „Die Kommandos sind ja einfach: Rechts, links – das geht auch auf Englisch“, erzählt Heise – und meint: „Mal sehen, wie lange er noch hier ist.“

Tatsächlich gab es bereits erste Gerüchte, wonach der Hamburger SV an Duljevic interessiert sein soll, ein konkretes Angebot für den Linksaußen gibt es aber bisher nicht. Das Thema dürfte spätestens im Sommer akut werden, denn für den Winter haben Minge und Trainer Uwe Neuhaus ausgeschlossen, Leistungsträger abzugeben. Schließlich geht es für Dynamo um nicht weniger als den Klassenerhalt. Den nennt deshalb auch Heise als Ziel „Wir sind in einer Phase, in der es nach oben wie unten gehen kann“, sagt er – und gibt dann noch ein Versprechen ab: „Aber eines kann ich garantieren: Dass wir am Ende über dem Strich stehen.“

Dafür machen sie sich an der andalusischen Mittelmeerküste fit. „Tapetenwechsel tut mal gut“, meint Heise, der froh ist, die obligatorischen Läufe bereits im Urlaub hinter sich gebracht zu haben. Am besten gleich morgens nach einem Käffchen, wie er sagt. „Wir waren sowieso um acht, spätestens neun wach. Unser Sohn ist anderthalb.“ Und für sein Alter wohl doch eher ein Langschläfer. Gleich zehn Tage kann ihn der Papa, der über sein Privatleben nichts weiter erzählen möchte, nicht knuddeln. „Man vermisst sein Kind, seine Freundin, freut sich schon jetzt darauf, wieder nach Hause zu kommen.“

Vorerst aber gibt es den Kontakt nur via Video-Telefon. „Jeden Tag und nicht nur einmal.“ Am Sonntag hatte Philip Heise dafür sogar mal mehr Zeit am freien Nachmittag, an dem er „einfach relaxen“ wollte.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. 555

    Tja, der Fluch der guten / überdurchschnittlichen Spieler. Erst helfen sie einem auf ein neues Niveau - dann werden sie leider weggekauft. Aber ein fettes Dankeschön an den Spieler Heisse, der sich mehr als außergewöhnlich loyal zeigt. Hut ab in der heutigen egoistischen Zeit, dass noch jemand den inhaltlichen Begriff "Vertrag" versteht. Aber - und da beißt die Maus keinen Faden ab - im Sommer können wir uns ganz sicher von Haris und Philip verabschieden. So ist das Geschäft eben. ... aber Ralf hat uns dann mal wieder einen schönen Transfererlös beschert. Das ist doch auch schon mal was. :-)

  2. DaniDD

    @1 Ja der einzige Weg wäre das man wirklich mal so viel Glück hat und mit der wieder mal frisch zusammen gestellten Mannschaft aufsteigt. Da kann man die Leistungsträger halten. Ansonsten sind die immer weg. Aber Kompliment an Mingus und an die Leistungsträger selber das es dieses Mal anscheinend keine Ausstiegsklausel gibt (oder doch) wo man die für 100.000€ oder so gehen lassen muss.

  3. Realist

    Nun es ist eben so - im Profifußball gibt es keine Treue ,wie auch man spielt für Geld. Wenn ein Verein mehr bieten kann geht man dahin ,das ist ja oft auch im beruflichen Leben so. Nur wenige Clubs wie eben Bayern München ect ,verügen über so viel Kapital das nur wenige Clubs mehr anbieten können .Das fühert dazu das da Spieler auch eine Ewigkeit spielen.Die Fußballfans die einen Spieler kritisieren der wechselt -würden es in ihrem beruflichen Leben sicher auch so tun. Aber eines ist klar die Loyalität von Heisse kann auch ganz schnell beendet sein - keiner weis dies.

  4. 53

    @1 Ich glaube nicht, dass Haris im sommer schon geht bzw. gehen darf. Ich fand ihn von Anfang an gut, aber er bringt noch keine konstanten Leistungen über die 90 min. Wenn er noch einen Leistungssprung macht, könnte er evtl 2019 gehen - und das dann für viel mehr Geld. Aber ist von Sarajevo und hat gesagt, dass er mit Dynamo in die BL will. Warten wir es mal ab ... Bei Pipo sehe ich in der Defensive noch große Reserven, wenn er dort nicht stärker wird, sitzt er auch in Englands 2. liga auf der Bank.

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