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Freitag, 11.08.2017

Heiraten im Schloss Roßwein

Auf einer Plattform wird dafür geworben. Bilder zeigen jedoch das alte Amtsgericht. Das wirft Fragen auf.

Von Tina Soltysiak

Mit dieser Anzeige wird auf dem Portal „Mein Traumtag – alles für meine Hochzeit“ für eine „Hochzeit auf Schloss Roßwein“ geworben.
Mit dieser Anzeige wird auf dem Portal „Mein Traumtag – alles für meine Hochzeit“ für eine „Hochzeit auf Schloss Roßwein“ geworben.

© Screenshot vom 11.8.2017

Roßwein. Fast jedes Mädchen träumt von einer Märchenhochzeit in einem Schloss. Bloß gut, dass es seit Neuestem auch eines in Roßwein gibt. Zumindest, wenn man dem Portal „Mein Traumtag – alles für meine Hochzeit“ glaubt. Dort wird groß geworben für eine „Hochzeit auf Schloss Roßwein“. Gezeigt werden Bilder von wirklich beeindruckenden Räumen. Die gehören jedoch zum alten Amtsgericht an der Döbelner Straße.

„Feiern Sie Ihre romantische Hochzeit im historischen Schloss Roßwein circa 35 Kilometer von Dresden entfernt. Innen- und Außentrauung mit Sektempfang und Fest im Ballsaal – wir machen alles für Sie möglich!“, heißt es in der entsprechenden Werbeanzeige. Auf einer Art Checkliste sind Haken gesetzt bei den Punkten: standesamtliche Trauung, Fremdcatering, Bestuhlung vorhanden, Park/Garten. „Es werden definitiv keine standesamtlichen Trauungen im alten Amtsgericht durchgeführt. Dafür bedarf es einer Erlaubnis und der Ort müsste bei uns registriert sein. Ist er aber nicht“, sagte Roßweins Hauptamtsleiterin Michaela Neubert. Im Rathaus ist man einigermaßen entsetzt und ratlos. „Von uns hat niemand dieses Inserat in dem Portal eingestellt“, sagte sie.

Betreiber der Plattform ist die Salesguide24 Marketing GmbH mit Sitz in Dresden. „Die Seite ,Mein Traumtag’ gibt es seit 2011. Wir bieten die Plattform. Für die Inhalte der Angebote sind wir nicht verantwortlich. Wir werfen lediglich einen Blick drüber, dass in den Texten keine Beleidigungen, Volksverhetzungen oder Ähnliches auftauchen“, sagte eine Mitarbeiterin der Agentur, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Wer das Angebot eingestellt hat, kann sie mit Verweis auf den Datenschutz nicht sagen. Aus dem Inserat geht auch kein Ansprechpartner hervor. Auf der Plattform präsentieren sich auch die Burgen Mildenstein und Kriebstein – dort sind Namen und Telefonnummern von Ansprechpartnern hinterlegt. Im Falle des Roßweiner Schlosses ist das nicht so. Interessenten können lediglich das Kontaktformular nutzen, um eine Verbindung zum Anbieter herzustellen. Theoretisch zumindest. Denn eine entsprechende Anfrage des Döbelner Anzeigers blieb auch nach vier Tagen unbeantwortet.

Deshalb kann auch nicht in Erfahrung gebracht werden, wie die Verantwortlichen auf die Bezeichnung „Schloss Roßwein“ kommen. Reinhard Senf vom Heimatverein kann eines mit Bestimmtheit sagen: „Ein Schloss hat es bei uns nie gegeben. Eine Burg vielleicht, auch wenn das nicht eindeutig dokumentiert ist, aber ein Schloss definitiv nicht.“ Dafür sei aber im Keller des Heimatmuseums schon so manche Trauung abgehalten worden. „Es sind etwa zwei Stück pro Jahr. Wir möblieren das Zimmer dann immer und richten es schön her“, so Senf.

Freie Trauungen durchaus denkbar

Nicht nur dort und im Rathaus seien Trauungen möglich, so Hauptamtsleiterin Michaela Neubert. Die Kulturscheune des Sonnenhofes Ossig, mit kleinem und großem Saal, ist seit Kurzem offiziell als Trauzimmer der Stadt Roßwein ausgewiesen. Die Vertragsunterzeichnung erfolgte am 18. April zwischen der Stadtverwaltung und dem Betreiber Markus Weinert. Standesbeamtin Petra Braune sagte dazu: „Das ist mal etwas ganz anderes und die allererste Außenstelle des Roßweiner Standesamtes überhaupt.“ Bei schönem Wetter könne die Trauung sogar auch auf dem Hof unter freiem Himmel vollzogen werden.

Auch auf dem Gelände und im Gebäude des alten Amtsgerichtes wäre ausreichend Platz zum Feiern. Als Trausaal wird in dem Inserat „ein Raum (56 Quadratmeter) mit circa 5 Meter hohen Decken, Glasmosaik und Holzvertäfelung“ angeboten. Hochzeiten im Sinne einer freien Trauung mit einem Festredner könnten dort theoretisch durchaus stattfinden. „Aber eben keine offiziellen, standesamtlichen“, so Michaela Neubert.

Das alte Amtsgericht, in dem später Studenten wohnten und arbeiteten und zuletzt Flüchtlinge untergebracht waren, wurde Ende Februar bei einer Auktion in Dresden versteigert. Über den Käufer ist nur wenig bekannt: Er zahlte 224 000 Euro für die Immobilie, stammt aus Deutschland, aber nicht aus der Region Döbeln. Das hatte Katja Müller-Pflugbeil vom Vorstand der Sächsischen Grundstücksauktionen AG auf Nachfrage des DA mitgeteilt.

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