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Mittwoch, 08.11.2017

Heiligenschein auf Bewährung

Wie die Fans im Internet über Dynamos Krise diskutieren, und wo sie die Ursachen sehen – ein Stimmungsbericht.

Von Cornelius de Haas

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Nach der Klatsche in Kiel stellen sich Peniel Mlapa, Andreas Lambertz, Manuel Konrad und Florian Ballas (v.l.) den Fans in der Kurve. Im Internet wird weiterdiskutiert.
Nach der Klatsche in Kiel stellen sich Peniel Mlapa, Andreas Lambertz, Manuel Konrad und Florian Ballas (v. l.) den Fans in der Kurve. Im Internet wird weiterdiskutiert.

© imago

Das Umfeld von Dynamo Dresden ist sehr emotional – und Ralf Minge sich deshalb bewusst: „Da sind die Ausschläge groß“. Der Sportvorstand der Schwarz-Gelben betont jedoch auch: „Wir als handelnde Personen müssen da einen klaren Kopf behalten.“ Dabei könnte man den allerdings bei einem Blick in die Kommentarspalten der sozialen Medien wie Facebook oder auf sz-online.de schnell verlieren.

In der Anonymität des Internets machen viele Fans ihrem Ärger nach dem deprimierenden 0:3 in Kiel Luft. Bei einigen steht auch der Trainer bereits in der Kritik. So schreibt „Mitglied“ unter den Spielbericht vom Sonntag: „Der Heiligenschein von Neuhaus und Minge steht auf Bewährung – mindestens. Fußball ist ein Ergebnissport ohne Haltungsnote. Wobei heute nicht mal die gestimmt hat.“

Und „manders“ glaubt zu wissen: „In der jetzigen Verfassung überstehen wir keinen Abstiegskampf. Warum Möschl nach gutem Spiel letzte Woche heute nicht gespielt hat, sollte Neuhaus mal erklären! Er hat einfach keinen Plan mehr.“ Wie viel Ironie die Forderung „Neuhaus raus – Peter Pacult holen!“ beinhaltet, ist dem Eintrag von „Experte53“ nicht zu entnehmen. Sollte sie ernst gemeint sein, wäre sie nicht mehrheitsfähig. „Die Rufe nach einem Trainerwechsel sind wieder einmal logisch. Leider! Wir sollten endlich einmal Demut beweisen und zur Kenntnis nehmen, was Herr Neuhaus bei und mit Dynamo erreicht hat“, kommentiert „auch Mitglied“, das daran erinnert, dass eine Phase kommen musste, in der „nicht mehr alles so rund läuft“. Zudem sei der lange Ausfall von Verteidiger Sören Gonther „ein viel herberer Verlust, als manch einer wahrhaben will“. Seine Schlussfolgerung: „Es gilt jetzt, Ruhe zu bewahren, und nicht die Schuld irgendjemandem zuzuweisen.“

Dennoch werden die Stimmen lauter, die ein Umdenken vom Chefcoach einfordern. „Neuhaus ist ein guter Trainer für uns, aber er muss sein Spielsystem an die vorhandenen Spieler jetzt anpassen und nicht umgekehrt. Sicher wird ihm diese Erkenntnis auch spätestens nach dem Kiel-Spiel gekommen sein, darauf vertraue ich jetzt mal“, schreibt „ausDD“, der auch gleich einen Verbesserungsvorschlag liefert. Es sollte „vielleicht mehr der direktere Weg durch die Mitte gesucht werden, dann aber bitte mit zwei Stürmern“.

In Sachen Personal gehen die Meinungen allerdings weit auseinander. Vor der Partie bei Holstein Kiel stand vor allem Keeper Marvin Schwäbe im Fokus der Fan-Kritik. Zu risikoreich sei sein Spiel, so die Hauptargumentation. Doch spätestens seit Sonntag bekommen auch andere Akteure ihr Fett weg: „Ballas: dilettantisch. Keine Körpersprache, keine Emotionen bei den Spielern, irgendwie alles ,zu lieb und nett‘. Mlapa hat sicher eine Dauerspielberechtigung im Vertrag stehen, anders ist es nicht mehr zu erklären“, glaubt „dyndre53“, der beim Blick auf die Zweikampfführung den Eindruck hat, „die Spieler bereiten sich auf die Vereinsweihnachtsfeier vor“.

Kein Spieler in Bestform

Für den „Leipziger Dynamo“ stellt sich die Frage nach den möglichen Alternativen. „Ballas ist trotz einiger Fehler unser bester Innenverteidiger. Es bringt nichts, Spieler öffentlich runterzumachen (…) Wir haben keine anderen – Gonther, Awassi verletzt, auch Alternative Hartmann etc.! Und ich denke, kein Spieler erreicht z. Z. sein bestes Leistungsvermögen.“ In der Offensive hoffen die Fans auf mehr Mut. So wünscht sich „Glocke22“ Kurzeinsätze des 17 Jahre alten Vasil Kusej. Dem Tschechen könne man „ruhig mal 20 Minuten eine Chance geben! Schlechter macht er es auf keinen Fall!“

Trotz aller Enttäuschung gibt es auch andere Töne. „Lofi“ moniert zum Beispiel, dass „hier viele wieder freidrehen, nur weil der Weg ins gesicherte Mittelfeld in dieser Saison offensichtlich etwas schwerer werden wird“ und fordert die bedingungslose Unterstützung der Mannschaft im Schlüsselspiel gegen Kaiserslautern. Allerdings müsse in diesem „ohne Wenn und Aber der zweite Heimsieg her“.

„Frank“ verortet das Problem im Kopf. „Das System funktioniert ja an sich, siehe die ersten 15 Minuten gegen Braunschweig und diverse andere Beispiele. Die Frage ist doch, warum die Mannschaft dann solche Einbrüche hat und gedanklich auf Verwalten umschaltet, was eben schiefgeht. Dann lässt man sich vom Gegner unter Druck setzen, und schon passieren die Fehler. Das scheint mir ein mentales Thema zu sein.“

Auch die Körpersprache bemängeln einige Anhänger. „Fehler im Spiel sind das eine, aber dass man so gut wie keine zweiten Bälle erKÄMPFT, ist das andere. WIR WOLLN EUCH KÄMPFEN SEHN! Lumpi ist dafür immer noch ein Vorbild, aber alleine kann er damit auch nix reißen“ schreibt „Anmerkung“ dazu.

Wie hitzig die Diskussion auch geführt wird, eine einzig passende Antwort kann die Mannschaft nur auf dem Platz geben.

Die Spieltage 17 bis 22 wurden terminiert, Dynamo spielt:

  • Union Berlin (A) Sa., 09.12., 13.00
  • MSV Duisburg (A) So., 17.12., 13.30
  • FC St. Pauli (H) Do., 25.01., 20.30
  • SV Sandhausen (A) So., 28.01., 13.30
  • VfL Bochum (H) So., 04.02., 13.30

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 21 Kommentare

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  1. PG

    Dynamo hat uns viel Freude bereitet in den letzten beiden Jahren. Wann gab es dass in den letzten 26 Jahren Profifußball schon mal auf diesem Level. Die Vereinsführung ist so gut aufgestellt, wie schon lange nicht und wird auch diese Prüfung bewältigen. Keiner dürfte wirklich begeistert sein über Spielweise und Ergebnisse aber das macht doch gerade gut geführte Vereine aus, diese Herausforderungen zu stemmen. Deshalb keine Panik verbreiten und wie bisher sachlich weiter arbeiten. Neuhaus, Nemeth, Minge, Born, ... das passt absolut.

  2. chef24

    "Freidrehen" wäre falsch, aber wie überall im normalen Alltag kann es nicht einfach kommentar- und ergebnislos weitergehen - es kostet Geld das Ganze: Eintritt, Fahrtkosten, Gehälter, ... . Dafür kann man auch Leistung erwarten und nicht kampf- und lustlos ein Spiel gegen Kiel herschenken. Wenn man Dynamo als "Wirtschaftsunternehmen" sieht, dann hat aktuell die "Leitungsebene" nicht den Durchgriff auf die "Mitarbeiter" bzw. werden die falschen Mittel gewählt, um die optimale Leistung abzufordern/zu erreichen. Da ist die "Leitung" gefragt und gefordert. Also losmachen und gegen Lautern Leistung zeigen.

  3. derhoehler

    Wir Fans müssen aus allen Blöcken anfeuern bis zum kotzen!!! Volle Pulle!

  4. Überflügelt

    3. Liga, ick hör dir trapsen :-) Gott sei dank, haben wir einen sächsischen Verein, der niveauvoll Fußball spielen kann und unsere Fahne, selbst in der 1. Bundesliga, bullenstark hoch hält. So machen die einen sportlich Schlagzeilen, andere mehr mit ihren Problem-Fans. Aber gut, wer es nach 64 Jahren sportlich immer noch kann, dem bleibt wohl keine andere Wahl.

  5. steuerfuzzi

    @Überflügelt - Das Wort "Verein" in dem Beitrag ist doch nicht ernst gemeint? Aber zum wirklich wichtigem Thema, da heißt es Ruhe zu bewahren. Denkt an St. Pauli in der letzten Saison. Bis zur Mitte der Rückrunde von den meisten noch als sicherer Absteiger gehandelt, drehten die noch mal richtig auf und sind am Ende knapp hinter uns gelandet. Dort wurde im Stadion nicht gepfiffen oder der gleich der Trainer in Frage gestellt. Also Vertrauen in das gesamte Team und absolute Unterstützung von den Rängen. Dazu kein Panikgeschreibe in der SZ.

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