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Mittwoch, 15.11.2017

Heftige Debatte über neue Spielfiguren

In der Internetgemeinde ist eine Diskussion um die Betontiere entbrannt. Der Döbelner Baudezernent meint: Gut so!

Von Jens Hoyer

Der Esel am Hotel Döbelner Hof am Niedermarkt ist eine der zehn Spielfiguren, die in der Innenstadt aufgestellt wurden.
Der Esel am Hotel Döbelner Hof am Niedermarkt ist eine der zehn Spielfiguren, die in der Innenstadt aufgestellt wurden.

© André Braun

Döbeln. Als die Mitarbeiter des Döbelner Bauhofs die letzte der Spielfiguren, eine große gelbe Katze, vorm Rathaus abstellte, sagte eine Passantin deutlich hörbar: „Die ist aber hässlich.“ Das war nur ein Vorgeschmack auf die Reaktionen der Internetgemeinde auf die zehn Spielfiguren aus Beton, die seit Montag in der Innenstadt stehen. Bei der Facebook-Gruppe „Du kommst aus Döbeln, wenn...“ entspann sich eine lebhafte Diskussion um die Figuren.

Die Ablehnung war ziemlich durchgehend – auf Neudeutsch heißt das „Shit-storm“, Eine Nutzerin schrieb: „Mein Sohn hat gerade gesagt, dort sitzt ne böse Katze.“ Ein anderes Mitglied der Gruppe: „Also mal ehrlich. Wer von Euch findet so was gut? Die Figuren haben nicht einmal ein Gesicht und sehen aus, als hätte der Förster die gemacht.“ Ein Döbelner schrieb: „Das Geld hätte mit Sicherheit auch zu was anderem verwendet werden können! Neue Anpflanzungen in der Stadt oder für den Ausbau von Fußwegen! Die Betonfiguren werden nicht lange so dastehen. Hunde werden sie markieren und der eine oder andere Zweibeiner wird sich dran verewigen!“ Andere hätten das Geld lieber in Spielplätze oder in die unsanierte Grundschule Döbeln Ost investiert gesehen.

Die Intensionen der Stadtverwaltung sind durchaus ehrenwert: Die Figuren und weitere Spielgeräte sollen die Innenstadt für Familien mit Kindern attraktiv machen. Baudezernent Thomas Hanns hat die Debatte im Internet zwar nicht verfolgt, aber er findet sie auch nicht schlecht. „Ist doch gut, wenn darüber eine Diskussion entsteht. Sonst wäre es ja nichts wert“, sagte Hanns. Er erinnert daran, dass es solche Diskussionen auch zu den Kegelbrüdern und dem Stiefelbrunnen gegeben habe, die heute ganz selbstverständlich ins Stadtbild gehören. Und die Tierfiguren seien Kunst – und gleichzeitig Spielzeug. „Man sollte den Test mal mit kleinen Kindern machen. Die sehen das aus ihrer Perspektive. Vorher gab es für sie in der Innenstadt nichts zu entdecken“, so Hanns.

Links zum Thema

So etwas Ähnliches habe er zum ersten Mal in Zürich in den 90er Jahren gesehen, als dort im Stadtgebiet überall Kühe aufgestellt wurden. Auch bei der Internetkommune gab es zu der Idee durchaus Zustimmung. Ein Döbelner schrieb: „Super Idee. So wird die Innenstadt zum Leben erweckt. Weiter so.“. Eine andere Nutzerin: „Oh Mann, freut euch doch...macht die Figuren bekannt! In Wroclaw (Breslau) gibt es im ganzen Stadtzentrum überall kleine Mini-Zwerge und die sind ein echter Besucher-Magnet, denn viele Besucher wollen die unbedingt alle finden.“

Wie Thomas Hanns sagte, habe man nach den Figuren lange gesucht – und nur einen Anbieter gefunden. „Es musste etwas sein, das Sommer wie Winter standhält, nicht zerstört und weggetragen werden kann“, sagte er. „Das ist mal was anderes und nicht die normale Alltagskost.“

Die Stadt hat rund 90 000 Euro Sanierungsmittel in das Projekt gesteckt. Neben den Tierfiguren werden noch Spielgeräte und Bänke auf der Muldeninsel aufgestellt.

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