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Donnerstag, 02.03.2017

Harter Kampf um eine Perspektive

Seit elf Jahren können die Klubs der zweiten Eishockey-Liga nicht mehr in die DEL aufsteigen. René Rudorisch arbeitet daran, dass sich das wieder ändert.

Von Cornelius de Haas

Nicht nur für den DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch ist der 31.März ein wichtiges Datum, sondern auch für die Klubs der Liga – es geht um die Wiedereinführung der Aufstiegsregelung.
Nicht nur für den DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch ist der 31. März ein wichtiges Datum, sondern auch für die Klubs der Liga – es geht um die Wiedereinführung der Aufstiegsregelung.

© Robert Michael

Optimistisch ist er, sagt René Rudorisch. Vorsichtig optimistisch, um genau zu sein. Ab der Saison 2018/19 könnte der Meister der Deutschen Eishockey Liga 2 – deren Geschäftsführer Rudorisch ist – wieder in die erste Liga aufsteigen. Es wäre das erste Mal seit 2006, dass es diesen sportlichen Wechsel geben würde.

Voraussetzung dafür ist, dass mindestens sechs Vereine bis zum 31. März eine Bürgschaft in Höhe von 816 000 Euro hinterlegen, eine Hallenkapazität von mindestens 4 000 Plätzen nachweisen können und für ein erstes Jahr in der DEL 6 000 Punkte in einem ausgeklügelten Ranking erreichen. So ist ein Sitzplatz zwei Punkte wert, ein Stehplatz einen. Zusätzliche Punkte können zum Beispiel durch Vip-Plätze oder eine Videoleinwand – die 1 000 Zähler bringt – gesammelt werden. „Außerdem muss ein Konzept vorgestellt werden, wie man in einem zweiten Jahr auf 7 000 Punkte kommen würde“, sagt Rudorisch.

Über diesen Aspekt wurde im vergangenen Jahr gestritten. Damals gab es einen ersten Anlauf, den Aufstieg wieder einzuführen. „Wir müssen zugeben, dass wir in einem Fall die Frist nicht eingehalten haben und in ein, zwei Fällen die Hallenanforderungen für das zweite Jahr nicht erbringen konnten – zumindest aus Sicht der DEL“, erklärt Rudorisch, warum es im ersten Versuch schiefging.

Etwas Positives kann der 38-Jährige dem gescheiterten Anlauf aber abgewinnen. „Wir haben aus dem vergangenen Jahr gelernt. Die Inhalte der Vereinbarung mit der DEL wurden präzisiert. Wir wissen jetzt besser, was genau von uns gefordert wird.“ Damit minimiert sich zumindest das Risiko, dass unterschiedliche Ansichten erneut zum Scheitern führen könnten.

Ein Problem aber bleibt. Finden sich überhaupt sechs Klubs, die die Anforderungen stemmen können? Mit Bremerhaven spielt ein einst sicherer Kandidat bereits in der DEL – bedingt durch den Rückzug der Hamburg Freezers. Und bislang haben nur die Löwen Frankfurt erklärt, dem Kreis angehören zu wollen. Im vergangenen Jahr gehörten noch Kassel, Bietigheim, Ravensburg, Heilbronn und Riessersee dazu. Beim SC hatten sich die Lausitzer Füchse über einen Sponsor an der Bürgschaft beteiligt.

Dass auch Dresden ein geeigneter Anwärter wäre, ist für den DEL2-Chef klar. Im Januar warb er in der Landeshauptstadt für eine Bewerbung. „Die Eislöwen haben sich in den vergangenen Jahren in der Liga etabliert. Ihre sportliche Qualität zeigt sich auch in dieser Saison“, so Rudorisch. „Dazu die Halle, die personelle Struktur im Verein und was man in den Jahren alles auf die Beine gestellt hat, auch im Nachwuchs – da geht es am Ende um die Perspektiven für den Klub. Gerade für eine Sportstadt wie Dresden ist eine sportliche Perspektive für die Eislöwen immens wichtig.“

Doch auch die Eislöwen müssten die Hürde von 816 000 Euro meistern. Wie an allen anderen Standorten ist dafür externe Unterstützung nötig. Volker Schnabel, der Geschäftsführer der Dresdner, hatte nach Rudorischs Besuch bereits angedeutet, dass die Summe ohne die Hilfe eines städtischen Unternehmens nicht zu machen sei. Das Interesse an der Wiedereinführung der Aufstiegsregelung ist an der Elbe aber dennoch groß. Diesen Eindruck hat auch Rudorisch mitgenommen: „Wofür spielen wir denn sonst Eishockey?“

Derzeit seien die Klubs in der Vorbereitung der Unterlagen besser aufgestellt als 2016 und „bei den Baustellen, die wir im Moment noch haben, in guten Gesprächen“, verbreitet Rudorisch Optimismus – bremst aber gleich wieder: „Es sah auch im vergangenen Jahr lange gut aus, erst kurz vor dem Ablauf der Frist wurde es eng.“

Dass Kritiker der DEL eine Blockade-Haltung vorwerfen, kann der ehemalige Geschäftsführer der Crimmitschauer Eispiraten durchaus nachvollziehen: „Wir wissen schon, dass wir nicht überall offene Türen einrennen. Aber die Mehrheit der Vereine hat die Vereinbarung zu Auf- und Abstieg beschlossen. Die Entscheidung liegt nun bei den Gesellschaftern der DEL.“ Ein Veto der Klubs ist nicht vorgesehen.

Doch was passiert, sollten die Unterlagen erneut nicht akzeptiert werden? „Dann könnte es einen dritten Anlauf geben“, sagt Rudorisch. Doch noch herrscht Optimismus. Wenn auch vorsichtiger.

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