• Einstellungen
Donnerstag, 28.12.2017 Rückblick 2017

Happy End für die Dampflok

Im September trat Bautzens tonnenschwerer Koloss seine letzte Reise an. Am neuen Standort wartet er nun auf die Handwerker.

Von Marleen Hollenbach

Bild 1 von 2

Mit einem Kran und einem Tieflader wurde die mehr als 80 Tonnen schwere Dampflok im September zur Packhofstraße gebracht.
Mit einem Kran und einem Tieflader wurde die mehr als 80 Tonnen schwere Dampflok im September zur Packhofstraße gebracht.

© Uwe Soeder

Den Tag des Lok-Transports wird Heiner Schleppers so schnell nicht vergessen. Der Bautzener hat sich für die Rettung des technischen Denkmals eingesetzt. Und mit seiner Arbeit ist er noch nicht fertig. Im kommenden Jahr soll die Lok ein Schutzdach bekommen.
Den Tag des Lok-Transports wird Heiner Schleppers so schnell nicht vergessen. Der Bautzener hat sich für die Rettung des technischen Denkmals eingesetzt. Und mit seiner Arbeit ist er noch nicht fertig. Im kommenden Jahr soll die Lok ein Schutzdach bekommen.

© Uwe Soeder

Bautzen. Wenn Heiner Schleppers vom Umzug der alten Lokomotive erzählen soll, antwortet er kurz: „Das waren unzählige Anrufe, 350 Faxe, 100 Schreiben und ein Autogramm.“ Alle Freunde der Dampflok wissen, dass der Bautzener über Monate den Transport des tonnenschweren Denkmals geplant hat. Nur die Sache mit dem Autogramm, die ist wirklich neu.

Erst vor ein paar Wochen fuhr Schleppers mit dem Zug. Plötzlich kam ein Mann auf ihn zu, der einen Zeitungsartikel in der Hand hielt. „Das sind doch Sie auf dem Bild. Können Sie für mich darauf unterschreiben“, fragte der Mann. Er bedankte sich, stieg aus dem Zug und hinterließ einen verdutzten Heiner Schleppers, der jetzt noch lächeln muss, wenn er an diese Begegnung denkt. Ein bisschen unangenehm ist ihm der Rummel um seine Person ja schon. Deshalb spricht Heiner Schleppers immer in der Mehrzahl, wenn es um die Rettung der Lok geht. Er betont, dass die Ostsächsischen Eisenbahnfreunde geholfen haben, dass der Umzug nur deshalb glücken konnte, weil so viele Menschen spendeten. Firmen unterstützen ihn, Kinder gaben ihm ihr Taschengeld. Am Ende kamen 40 000 Euro zusammen. Der Rest ist Geschichte.

Am Montag, dem 18. September, wurde ein Kran auf dem Bautzener Bahnhofsvorplatz aufgebaut. Unter den Augen zahlreicher Zuschauer schwebte die Lok erst in der Luft , fuhr später auf einem Schwerlasttransporter hinüber bis zur Packhofstraße. Dort, an ihrem neuen Standort, kann sie jetzt bleiben, dort steht sie nicht im Weg, wenn im Frühjahr am Bahnhof die Sanierungsarbeiten beginnen. „Wir haben verhindert, dass die Lok verschrottet wird“, sagt Heiner Schleppers, der für seinen Einsatz sogar mit dem Ehrenwappen der Stadt Bautzen ausgezeichnet wurde. Seine Aufgabe ist erledigt und eigentlich könnte er sich nun zurücklehnen. Eigentlich.

Doch so ganz kann der Bautzener die Lok dann doch nicht allein lassen. Schließlich fragen ihn viele nun, wie es jetzt weitergeht. Und tatsächlich gibt es noch eine Menge zu tun. Die Lok rostet vor sich hin. Einige Bleche müssen deshalb ausgetauscht werden. Außerdem möchte Heiner Schleppers ein Schutzdach über dem Denkmal errichten, um es vor weiterer Korrosion zu schützen. Ein Architekt hat sich bereits an die Planung gemacht.

Neue Spendenaktion im Frühjahr
Dabei gibt es vieles zu beachten. Das Dach, so Schleppers, soll die Dampflok schließlich nur schützen, sie aber nicht verdecken. Außerdem ist der Bautzener mit einer Elektrofirma im Gespräch. Mit der richtigen Beleuchtung könnten die Bautzener ihre Lok auch im Dunkeln gut sehen. „Das sind aber alles nur Wünsche. Wir brauchen Menschen, die das auch machen“, sagt Schleppers, der sich gut vorstellen könnte, dass Firmen ihre Lehrlinge an der Lok arbeiten lassen, die Reparatur auf diese Weise nicht allzu teuer wird.

Damit die letzten Handgriffe nicht am Geld scheitern, will Heiner Schleppers Anfang des Jahres noch einmal eine kleine Spendenaktion starten. Der Bautzener hofft, dass die Menschen die Lok auch nach ihrem Umzug unterstützen wollen. Weil sich einige schon bei ihm gemeldet haben, ist er guter Dinge. Auch die Stadtverwaltung unterstützt den Bautzener mittlerweile. Ab sofort zahlt das Rathaus jährlich 700 Euro für den Erhalt der Lok. „Es ist für mich sehr wohltuend, dass die Stadtverwaltung nun auch erkannt hat, dass die Lok nicht ein Haufen Schrott, sondern tatsächlich ein Denkmal ist“, sagt er.

Nur von der Deutschen Bahn wünscht sich Heiner Schleppers noch ein wenig mehr Unterstützung. Auf dem Papier ist die Bahn noch Besitzer der alten Lok. Die Ostsächsischen Eisenbahnfreunde wollen den Koloss aber abkaufen. „Ich hoffe, dass wir bald das Betriebsbuch bekommen. Nur damit ist die Lok komplett“, sagt der CDU-Stadtrat. Auch zwei kleine Birken auf dem Bahngelände ärgern ihn. „Vielleicht könnte die Bahn die Bäume wegnehmen, damit die Lok auch vom Bahnsteig aus gut zu sehen ist“, so Schleppers.

Und wann soll es mit den Arbeiten an der Dampflok losgehen? Heiner Schleppers atmet erst einmal tief durch, bevor er antwortet. „Ich brauche noch ein bisschen Urlaub, ein wenig Schlaf und dann ab März werden wir uns mal zusammensetzen“, sagt er dann. Bis dahin wird der Bautzener die Dampflok an der Packhofstraße noch oft besuchen kommen – und sich über jeden freuen, der es ihm gleichtut.

Desktopversion des Artikels