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Montag, 16.04.2018

Halbendorf hat einen neuen Ortswehrleiter

Für die Gemeinde Groß Düben ist damit zumindest eine heikle Frage geklärt. Eine weitere Frage steht noch offen, seit ein neues Fahrzeug geplant ist.

Von Constanze Knappe

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Helmut Krautz, Bürgermeister von Groß Düben (re.), übergibt dem Ortswehrleiter Olaf Hanusch die Bestellungsurkunde.
Helmut Krautz, Bürgermeister von Groß Düben (re.), übergibt dem Ortswehrleiter Olaf Hanusch die Bestellungsurkunde.

© Constanze Knappe

Die Feuerwehr und die Kita „Storchennest“ sind Nachbarn. Der hintere Teil der Kita befindet sich unter dem Gerätehaus, was derzeit für einiges Kopfzerbrechen sorgt.
Die Feuerwehr und die Kita „Storchennest“ sind Nachbarn. Der hintere Teil der Kita befindet sich unter dem Gerätehaus, was derzeit für einiges Kopfzerbrechen sorgt.

© Joachim Rehle

Halbendorf. Was zur Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Halbendorf seinen Anfang nahm, ist nun offiziell besiegelt. Im jüngsten Gemeinderat Groß Düben übergab Bürgermeister Helmut Krautz dem neuen Halbendorfer Ortswehrleiter die Bestellungsurkunde. Verbunden mit der Hoffnung auf Kontinuität. Olaf Hanusch ist seit 1999 bereits der sechste in diesem Amt. Ihm selber war das gar nicht so bewusst. Seine Vorgängerin war aus persönlichen Gründen nicht mehr angetreten. Olaf Hanusch saß im Gemeinderat. Für den Job als Chef der Halbendorfer Ortswehr legte der 31-Jährige sein Mandat nieder. Die Entscheidung fiel ihm nicht leicht, wie er auf TAGEBLATT-Nachfrage erklärt. „Die Arbeit im Gemeinderat war mir wichtig. Aber in der Feuerwehr ist man ja nicht einfach nur so. Wenn die Sirene geht, ist man mit Leidenschaft dabei“, sagt er. Beiden Ehrenämtern gleichermaßen mit der erforderlichen Intensität gerecht zu werden, sei einfach nicht möglich, begründet er.

Im Gemeinderat wurde sein Ausscheiden mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen. Andererseits sei man aber auch froh, jemanden für die Feuerwehr gefunden zu haben, hieß es.

Fehlende Bauunterlagen

Damit ist zumindest eine heikle Frage geklärt. Eine weitere beschäftigt Gemeinde und Feuerwehr genauso sehr, wie im Gemeinderat zu vernehmen war. Der 25. September ist Stichtag für die Beantragung eines neuen Fahrzeugs beim Landkreis. Ein Tragkraftspritzenfahrzeug soll es sein. Das jetzige hat 750 Liter Wasser an Bord, ist allerdings schon 20 Jahre alt. „Selbst in kleinen Orten wie dem unseren wachsen die Aufgaben, da muss das Fahrzeug mitwachsen“, sagt der neue Wehrleiter. In der Ausstattung habe man sich zu einem gewissen Teil an dem Fahrzeug in Groß Düben orientiert. Somit steht weitgehend fest, dass das neue Fahrzeug eine Last von 7,4 Tonnen haben wird. Nachdem der LO vormals 3,5 Tonnen wog, bringt das gegenwärtige Auto knapp fünf Tonnen auf die Waage. Wenn dazu noch einige Leute im Gerätehaus zugange sind, biege sich der Boden. Um die Tragkraft der Decke in Erfahrung zu bringen, ließ die Gemeinde das in der Verwaltungsgemeinschaft auch für Groß Düben zuständige Bauamt in Schleife nach den Bauplänen recherchieren. Diese seien aber weder dort noch im Archiv in Niesky gefunden worden, hieß es. Somit gebe es keine Bestandsunterlagen darüber, was die Decke des Gerätehauses aushält.

Wie Bauplaner Bodo Frischke sagte, wurde 1960 ein Gerätehaus ebenerdig gebaut, 1965 das jetzige Gebäude. Mit dem Kindergarten darunter. 2001 wurde das Gerätehaus umgebaut und dabei auch die Fußböden erneuert. „Bei einer Hallenbreite von 5,50 Meter ist eine gewisse Durchbiegung der Böden normal“, so Bodo Frischke. Diese bewege sich im Toleranzbereich. Die Planungen beim Umbau des Gerätehauses hätten seinerzeit jedoch nur den Anbau mit dem Schulungsraum beinhaltet.

Die einfachste Lösung wäre es nach Aussage des Statikers, auf den Boden des Gerätehauses eine Schicht aufzubetonieren. Vorab sei allerdings zu prüfen, ob die Fundamente das hergeben. Eine Probebohrung würde wenig nützen, „weil niemand weiß, wie es zwanzig Zentimeter daneben aussieht“. Auch wäre zu klären, ob die Höhe des Gerätehauses diese Möglichkeit einer zusätzlichen Schicht Beton überhaupt zulässt. Bürgermeister Helmut Krautz erneuerte den Auftrag an das Bauamt in Schleife, nochmals nach den Bauunterlagen zu recherchieren. Zudem schlug er einen Vor-Ort-Termin mit dem Planer und Bauamtsleiter Steffen Seidlich vor.

„Wir brauchen eine Lösung. Es kann keiner sagen, wir stellen das neue Fahrzeug einfach rein“, erklärt Olaf Hanusch. Er befürchtet, dass wegen der ungeklärten Frage zur Traglast der Decke der Zeitplan bis zum Stichtag im September aus den Fugen gerät. Ohnehin dauere es dann noch mindestens weitere zwei Jahre, bis ein neues Feuerwehrauto vorfahren kann. Neben dem neuen Fahrzeug hat sich der Ortswehrleiter die Mitgliederwerbung zur zweiten großen Aufgabe gestellt. Der Feuerwehr Halbendorf gehören 26 Kameraden im aktiven Dienst an, darunter drei Frauen. 2017 standen 13 Einsätze zu Buche, bei denen es zumeist um technische Hilfeleistungen und um die Abwehr von Gefahren ging. Auch 2018 musste die Ortswehr zur Beseitigung von Sturmschäden ausrücken.

Der neue Wehrleiter verweist auf den Rückhalt für die Feuerwehr im Gemeinderat. Man sei gut aufgestellt und wisse die Gemeinde hinter sich, was angesichts häufig neuer Vorschriften etwa zu den Reflektorstreifen auf den Jacken oder zu den Helmen gar nicht so einfach sei. Da die Feuerwehr eine Pflichtaufgabe ist, belaste das kleine Gemeinden wie Groß Düben sehr.

Olaf Hanusch ist quasi ein Eigengewächs, wie man so schön sagt. Er ist in der Jugendfeuerwehr Halbendorf groß geworden und kennt die Ortswehr aus dem Effeff. Seit 13 Jahren leistet er aktiven Dienst. Als Leiter Agrarproduktion bei der Prohav Halbendorf mbH & Co Landwirtschafts KG sei sein Vater sein Chef und Arbeitgeber. Er habe ihn darin bestärkt, sich für Gemeinderat oder Feuerwehr und damit eins von beiden zu entscheiden.

In diesem Jahr begeht die Ortswehr Halbendorf ihr 90-jähriges Bestehen. Gefeiert wird das Jubiläum mit einer Festsitzung am 7. September und dem Pokallauf im Löschangriff für die Feuerwehren des Kirchspiels Schleife am 9. September. Die Ortswehr Halbendorf unterstützt das Hexenbrennen und andere Veranstaltungen im Dorf. Aber, so sagt Olaf Hanusch klipp und klar: „Die Feuerwehr ist kein Kulturverein. An erster Stelle steht die Ausbildung bei den regelmäßigen Diensten.“