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Samstag, 07.10.2017

Händler fürchten Globus

Schon jetzt stehen in Pieschen einige Läden leer. Das könnte sich mit dem geplanten XXL-Markt verschärfen.

Von Sarah Herrmann

Alten Wein im neuen Glase präsentierten Uwe Sochor vom französischen Restaurant „savoir vivre“ und seine Initiativen-Gäste. Er glaubt, Globus könnte ihm die Kundschaft nehmen.
Alten Wein im neuen Glase präsentierten Uwe Sochor vom französischen Restaurant „savoir vivre“ und seine Initiativen-Gäste. Er glaubt, Globus könnte ihm die Kundschaft nehmen.

© René Meinig

Dresden. Schon jetzt bietet sich entlang der Leipziger Straße und auf den angrenzenden Straßen teils ein tristes Bild. Zahlreiche Ladenflächen stehen leer. Zwar gibt es hier und da eine Neueröffnung oder ein Traditionsgeschäft. Doch als florierend kann man den Handel in Pieschen nicht gerade bezeichnen. Auch, weil bereits seit Jahren immer wieder über die Globus-Ansiedlung am Alten Leipziger Bahnhof diskutiert wird.

Für Gewerbetreibende sei eine gewisse Planbarkeit, was Mietverträge und Investitionen angeht, wichtig, sagt David Tobias vom Sächsischen Handelsverband. „Und hier ist die Hängepartie in der politischen Arbeit Gift für die Händler und Gastronomen. Im Zweifel ziehen sich Unternehmen leider eher zurück, was für die kleinteilige und vielfältige Struktur des Stadtteils negativ ist“, so der Geschäftsführer der Dresdner Geschäftsstelle des Handelsverbands.

Die Lebendigkeit des Stadtteils sieht auch eine Bürgerinitiative in Gefahr – vor allem, falls der Globus-Markt errichtet werden sollte. Mit einer Petition setzen sich die Mitglieder dafür ein, dass das Areal in der Leipziger Vorstadt stattdessen mit Wohnungen, kleinteiligem Gewerbe und Ateliers bebaut wird. Derzeit haben sich online bereits über 1 100 Unterstützer gefunden, auf den in der Neustadt und in Pieschen ausliegenden Listen dürften nochmals etwa 100 Unterschriften zusammengekommen sein. Gründe gegen Globus gibt es aus Sicht von Initiatorin Judith Brombacher viele. Die Sorge um den bestehenden Handel ist nur eine. Aber eine, die vor allem die Händler teilen.

So auch Sylvia Kührt. Sie ist Inhaberin des Fahrradfachhandels Elberad, der 1932 von ihrem Großvater auf der Bürgerstraße gegründet wurde. „Der Globus-Markt soll ein Vollsortimenter werden. Es werden dort also auch Fahrradteile und Fahrräder verkauft“, erklärt die Unternehmerin. „Da befürchte ich schon Umsatzeinbußen.“ Die habe es auch gegeben, als der Elbepark erweitert wurde und der Straßenbahnhof Mickten eröffnet hat. „Die neu eröffneten Läden locken dann meist mit Angeboten“, berichtet Uwe Sochor, Inhaber des französischen Restaurants und Delikatessenladens „savoir vivre“ auf der Bürgerstraße. Mindestens einen Monat spüre man jeden neuen Laden deutlich – mit Einbußen von bis zu 40 Prozent. „Für einen kleinen Laden ist das ein großes Problem“, so Sochor.

Doch auch größere Firmen blicken mit Sorge auf den geplanten Markt im XXL-Format. „Dresden ist im Lebensmittelbereich, vielleicht im Handel allgemein, überversorgt‘“, sagt Konsum-Vorstand Gunther Seifert. „270 Supermärkte und Discounter gibt es in der Stadt.“ Seifert ist sich sicher, dass er eine Globus-Eröffnung in den Märkten auf der Alaunstraße sowie in der Neustädter Markthalle deutlich spüren wird. Auch der Rewe-Markt auf der Bautzner Straße sowie das Simmel-Center am Albertplatz hatten bereits Umsatzeinbußen gebracht. „Es geht nicht darum, dass wir den Wettbewerb scheuen“, stellt Seifert klar.

Obwohl er einräumt, dass Konsum selber gerne einen Markt auf dem Areal öffnen würde. „Mit jedem anderen würden wir uns messen.“ Mit Globus sei dies aber unverhältnismäßig – was auch an der Dimension des Marktes mit einer geplanten Verkaufsfläche von rund 8 000 Quadratmetern zusammenhängt. Zum Vergleich: Bei den Konsum-Flächen liegen die Flächen zwischen 200 und 2 000 Quadratmetern.

Einen Markt in der geplanten Größenordnung findet auch Citymanager Jürgen Wolf überdimensioniert: „So was macht man in der Stadt nicht mehr“, sagt er. Es gehe darum, die Stadtteilzentren zu schützen. „Ich verstehe nicht, warum der Dresdner Stadtrat nicht endlich einen Schlussstrich zieht.“ Für einen 8 000-Quadratmeter-Markt gebe es in Dresden keinen Platz.

Dennoch ist Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) mit dem Unternehmen derzeit auf der Suche – wie vom Stadtrat beauftragt. „Wir arbeiten mit der Firma Globus in einem aktiven und konstruktiven Prüfungsprozess. Die Prüfung erfolgt anhand gemeinsam definierter Kriterien“, so der Baubürgermeister. Wie diese aussehen und ob bereits geeignete Grundstücke gefunden wurden, will er indes nicht verraten. Bis Jahresende ist noch Zeit.

Die Petition läuft noch bis zum 25. Oktober online: www.wohnen-am-leipziger-bahnhof.de

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