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Mittwoch, 20.12.2017 Kommentar

Gute Ärzte findet man anders

SZ-Redakteur über absurde Wartezeiten bis zum Studienbeginn.

Von Stephan Schön

SZ-Redakteur Stephan Schön
SZ-Redakteur Stephan Schön

© Matthias Rietschel

Die begehrten Studienplätze der Medizin müssen gerechter vergeben werden. Das hat das Bundesverfassungsgericht am Dienstag entschieden. Doch so gewaltig das klingt, so wenig ändert das etwas an den wirklichen Problemen. Weder schafft dies mehr Ärzte, noch werden sie besser ausgebildet, noch bekommen wirklich die geeignetsten Studenten einen Studienplatz.

Momentan kann studieren, wer beispielsweise in Sachsen, Thüringen oder Bayern mit 1,0 im Abi durchkommt. Wer nicht ganz so hervorragende Noten hat, muss Eignungstests und Auswahlgespräche bestehen. Und dann gibt’s noch diesen dritten Weg: Einfach abwarten. Für jedes Wartesemester rückt man weiter vor. Nach derzeit sieben bis acht Jahren kommt man auch mit mittelmäßigen bis eigentlich untauglichen Noten zum Medizinstudium – wie absurd ist das dann? Wessen Abi nicht gut genug fürs Medizinstudium ist, der muss einfach nur warten? So als würde weiteres Wissen einfach herabrieseln? Wenn jetzt diese Wartezeit auf vier bis fünf Jahre begrenzt werden muss, bessert das nicht wirklich etwas am System. Es müsste ganz grundlegend verändert werden. Um die besten Ärzte aus all den Studienbewerbern herauszufinden, sind Noten allein schon kein taugliches Mittel, erst recht nicht Stillstands-Wartezeiten. Eignungstest und Auswahlgespräche für alle oder ein Testsemester wären nötig. So etwa funktioniert es in den Kunst-Studiengängen. Und so wäre es auch für die Medizin machbar.

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