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Samstag, 07.04.2018

Gut isoliert

Der Beruf des Industrie-Isolierers ist nur wenig bekannt. Dabei kommt man viel herum, wird gut bezahlt und hat beste Einstiegschancen.

Von Christina Bachmann

Passt das so? Lehrling Oguzhan Akpinar (l.) und Ausbildungsleiter Marc-André Kujau bei der Qualitätskontrolle. Foto: dpa/Carmen Jaspersen
Passt das so? Lehrling Oguzhan Akpinar (l.) und Ausbildungsleiter Marc-André Kujau bei der Qualitätskontrolle. Foto: dpa/Carmen Jaspersen

© Carmen Jaspersen/dpa-tmn

Seinen Ausbildungsplatz fand Oguzhan Akpinar über Jobmesse und Praktikum. Das Thema Nachhaltigkeit lag ihm am Herzen, nur im Büro sitzen wollte er nicht. Am Ende wurde es die Ausbildung zum Industrie-Isolierer. Inzwischen ist der 22-Jährige im ersten Lehrjahr bei der Firma Kaefer Isoliertechnik in Bremen. „Mir macht die abwechslungsreiche Arbeit Spaß. Man sieht viele Standorte und lernt sehr viel kennen“, sagt Akpinar. Auch das Handwerkliche an seinem Job schätzt er. Aber es sollte Freude machen, mit Metall umzugehen. Auch zwei linke Hände wären für den Job nicht sinnvoll.

„Räumliches Vorstellungsvermögen ist ganz wichtig“, nennt Marc-André Kujau, Ausbildungsleiter für Isolierer bei Kaefer, eine weitere Voraussetzung für den Job. Bei den Zeugnissen von Bewerbern schaue er vor allem auf die Mathematiknoten. „Wichtig ist, dass angehende Industrie-Isolierer Disziplin mitbringen“, ergänzt Helmut Bramann. Er betreut beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie in Berlin die Unternehmen der Isoliertechnik.

Da viele Unternehmen mindestens deutschlandweit im Einsatz sind, muss außerdem die Bereitschaft zum Reisen vorhanden sein. Die Ausbildung findet zum Teil zentralisiert an überbetrieblichen Ausbildungsorten statt, einige Monate sind Lehrlinge deshalb auswärts untergebracht. Für Langschläfer ist der Job auch nichts, so Bramann: „Ich muss regelmäßig früh dabei sein. Das ist bei Projekten auf Baustellen so.“ Ein Aspekt, der Oguzhan Akpinar nach eigener Aussage leicht fällt.

Drei Jahre dauert die duale Ausbildung zum Industrie-Isolierer. Laut Bundesagentur für Arbeit stellen die Betriebe überwiegend junge Leute mit mittlerem Bildungsabschluss ein, aber auch Hauptschulabsolventen und Abiturienten, so Bramann. Für Abiturienten sei die Ausbildung ein interessanter Einstieg in eine berufliche Fortbildung Richtung Klimaschutz. Immer häufiger würden sich auch junge Frauen bewerben. Allerdings sind Männer unter den Azubis noch immer in der Überzahl.

Industrie-Isolierer sind für die Dämmung an Rohren, Behältern, Maschinen und Gebäuden zuständig, zum Beispiel in Chemieanlagen oder Brauereien. Sie beraten Kunden, welches Material ideal ist und welche Ummantelung als Schutz für die Dämmung angebracht werden muss. Die theoretischen Grundlagen dafür lernen die Azubis in der Berufsschule. „Da sitzen nur Isolierer zusammen und bekommen berufsspezifische Inhalte vermittelt wie Fachrechnen, Bauphysik, den Aufbau und die fachgerechte Konstruktion von Dämmsystemen“, sagt Bramann.

Der Rest der Ausbildung ist um einiges praktischer: In Werkstätten werden dabei zum Beispiel Blechmäntel angefertigt.“ Der richtige Umgang mit dem Material ist dabei das A und O. Auch im Betrieb geht es daher um alle Arten von Isolierungen und deren Schutz vor Beschädigung. Angehende Industrie-Isolierer bekommen unter anderem vermittelt, wie sie mit Metallen umzugehen und diese zu verarbeiten haben. Sie lernen alles über Dämmstoffe“, erzählt Kujau aus der Praxis. Bei der Firma Kaefer arbeiten die Auszubildenden an Projekten mit und tragen so schon Verantwortung.

Die Bezahlung in der Ausbildung ist tariflich festgelegt. „Die Bauwirtschaft hat sich sehr früh darauf geeinigt, in der Lehrlingsausbildung schon gut zu bezahlen, um die Attraktivität zu steigern“, so Bramann. Auch der Einstiegslohn danach sei recht hoch angesetzt. Im ersten Lehrjahr verdient ein Azubi in der Isoliertechnikbranche in den westlichen Bundesländern monatlich 785 Euro, im zweiten 1 135 und im dritten 1 410 Euro. Im Osten sind es 705, 910 und 1 130 Euro.

Trotzdem geht die Bewerberzahl seit Jahren immer weiter zurück. Vielleicht liegt das auch daran, dass der Beruf kaum bekannt ist. In Sachsen gibt es eine ähnliche Tendenz. Laut Arbeitsagentur sind im Freistaat gerade mal etwa 500 Industrie-Isolierer beschäftigt. „Und allein in den vergangenen zwei Jahren mussten 100 Arbeitsplätze im Bereich Isolierung abgebaut werden“, sagt Sprecher Frank Vollgold. „Mit einem guten Abschluss hat man also wahnsinnige Zukunftsaussichten. Industrie-Isolierer werden händeringend gesucht“, sagt Bramann. Weiterbilden können sich Facharbeiter zum Vorarbeiter, Polier oder Meister. Sie haben Aufstiegsperspektiven bis zum Bauleiter. „Auf der anderen Seite gibt es die Möglichkeit, weiter in den bautechnischen Bereich zu gehen, indem man praxisorientierte Ingenieurlehrgänge besucht, Bachelor- oder Masterabschluss anschließt.“ Betriebe wie Kaefer bieten interne Weiterbildungsmöglichkeiten an. Oguzhan Akpinar kann sich gut vorstellen, später selbst Nachwuchskräfte anzuleiten. (dpa/rnw)

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