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Donnerstag, 04.01.2018

Gucken und bleiben

„Vergiss mein nicht“ sorgt dafür, dass Senioren in Bad Gottleuba nicht vergessen werden. Bald sind sie vielleicht sogar mittendrin.

Von Heike Sabel

Gucken, staunen, bleiben: So wie zur Weihnachtsfeier geht es vielen beim „Vergiss mein nicht“-Verein.
Gucken, staunen, bleiben: So wie zur Weihnachtsfeier geht es vielen beim „Vergiss mein nicht“-Verein.

© Robert Kühn

Bad Gottleuba. Was kann man mit einer Tasse alles machen? Aus ihr trinken, klar. Zutaten für einen Kuchen abmessen. Etwas schöpfen. „Und ‚hoch die Tassen‘ machen“, sagt ein Mann. Die Spiele zum Gedächtnistraining sind an diesem Nachmittag nicht immer ganz leicht, die Runde aber trotzdem locker. Die acht Frauen und der eine Mann kommen jeden Montag zusammen. Manchmal sind es mehr, manchmal weniger. Der Verein „Vergiss mein nicht“ bietet jede Woche eine unterhaltsame und lehrreiche Stunde an. Spielen, singen, basteln, entspannen, Kräuter entdecken oder wie heute Gedächtnis in Schwung bringen. Die Senioren kommen aus Hellendorf und Gottleuba, aus Hartmannsbach und sogar aus Pirna. Die Frau aus Hartmannsbach wird von ihrem Mann gefahren, die Hellendorferin fährt noch selbst Auto. Sie hofft, das noch lange zu können. Beim ersten Mal wollte sie einfach mal gucken. Sie fand die Runde sympathisch und sagte sich „hier bleibste“. Eine 82-Jährige aus dem altersgerechten Wohnen hatte das Angebot gelesen und gedacht, „da gehste mal gucken“. Seither kommt sie regelmäßig.

Sigrid Hildebrandt freut sich. Sie ist die Vereinsvorsitzende. „Die Gruppe ist schnell gewachsen“, sagt sie. In diesem Jahr war der Verein durchgestartet. Zunächst fand der Treff im Bürgerhaus statt. Doch dort gibt es viele Treppen und keinen Fahrstuhl. So wurde schließlich in Räume auf der Königsstraße gewechselt.

Beim nächsten Spiel muss zu jedem Buchstaben des Alphabetes ein Obst oder Gemüse gefunden werden. Manche Buchstaben haben ein großes Potenzial, bei anderen muss überlegt werden. Eine Frau sagt: „Ich weiß heute gar nichts“ und holt ein paar Fotos vom letzten Mal raus, die sie zeigt. Sigrid Hildebrandt versucht, sie wieder zum Mitmachen zu bewegen. Der Frau fällt das heute schwer. Doch genau für solche Leute und solche Momente will der Verein da sein. Neben dem wöchentlichen Treff wird auch zweimal monatlich eine Beratung zu Demenz angeboten. Darüber hinaus gibt es zurzeit fünf Vereinsmitglieder, die Senioren beim Einkaufen oder Saubermachen helfen. Immer öfter wenden sich auch Angehörige von Senioren an den Verein, auf der Suche nach Informationen und Unterstützung. Viel kann der Verein machen, aber nicht alles. Dann weiß er aber, an wen sich die Betroffenen weiter wenden können. Der erste Demenz-Tag im September in Bad Gottleuba war ein guter Erfolg und Anfang, sagt Sigrid Hildebrandt.

Tanzkurs und Ausfahrt



Die Spiele gehen weiter. Jetzt wird das bekannte „Ich packe einen Koffer“ gespielt, diesmal mit Tieren und dem Alphabet nach und dann rückwärts. Sigrid Hildebrandt denkt inzwischen darüber nach, wie es weiter gehen soll. Die Senioren würden gern tanzen. Also, wer gibt einen Kurs, der auch bezahlbar ist. Auch eine Fahrt ins Blaue würde sie gern mal anbieten. Und einen Fahrdienst, damit noch mehr Senioren aus den Dörfern um Gottleuba zu den Veranstaltungen und Treffs kommen können.

Sigrid Hildebrandt arbeitet auch mit anderen Gottleubaer Vereinen zusammen. Der dieses Jahr neu gegründete Kulturverein will die alte Maschinen- zur Kulturfabrik machen. In der sollen auch Vereine einen Platz finden. Die Volkshochschule, die Musikschule, der Jugendring und eine Tanzschule haben unter anderem schon Interesse geäußert, sagt Vorsitzender Robert Kühn. „Vergiss mein nicht“ auch.

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