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Freitag, 17.11.2017

Grundsätze des Grafikdesigns

Es reicht Tausend Stunden,

um im gewählten Bereich Meister zu werden. So sagt seit 1993 zumindest Malcolm Gladwell, der Autor des Buchs „Überflieger: Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere nicht“. Reicht es wirklich beim Entwerfen und Gestalten 10 000 Stunden zu verbringen, um ein geschätzter Vertreter seines Berufs zu werden? Es mag sein. Insofern in der beim Entwerfen verbrachten Zeit zumindest die Grundkenntnisse über die Grundsätze von Grafikdesign auf dem Markt praktisch umgesetzt werden.

Grundsätze? Welche Grundsätze? Es zählen doch Kreativität und Innovation!

Von gewissen Gewohnheiten kann man sich nicht trennen. Sie wurzeln so tief in unserer Kultur, dass wir sie wiederholen, sogar ohne sie eigentlich richtig zu kennen. Setzen Sie auf Protest und Verlassen der Grundsätze? Bitte sehr, doch um mit ihnen zu brechen, sollten Sie sie zuerst kennen lernen. Wir haben mit Leuten bei frischlogos.de über das Thema gesprochen. Sie haben über 12 Jahre Erfahrung in der Gestaltung von Logos - eine Kunst, die kreativ ist und sich dennoch an viele Regeln halten muss.

Die Künstler in aller Welt, um mit dem Formalismus zu brechen, mussten zuerst verstehen, was das ist. Genauso die Dichter. Das, was der Kunde oder Empfänger erhielt, ist nur der Endeffekt gewisser Ideen und Annahmen, die nicht auf den ersten Blick in aller Schönheit sichtbar sind. Denken Sie wirklich, dass der „Das schwarze Quadrat auf weißem Grund“ von Malewitsch denselben Ruhm erlangte, wenn es ein Kind gemalt hätte statt den bewussten Rebell?

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"Das schwarze Quadrat auf weißem Grund" Kasimir Malewitsch 1915"

Wissenswertes: 2015 wurde zum 100. Jahrestag seiner Existenz das Bild von Malewitsch genauer untersucht. Die Untersuchungen zeigten, dass sich unter dem Quadrat noch zwei andere Bemalungen befinden. Darüber hinaus wurde die Aufschrift auf dem Bild entziffert: „Schlacht von Negern in einer dunklen Höhle“, was bestimmt eine Anknüpfung an die Arbeiten von Alphonse Allaise bedeutet.

Drei technische Hinweise, die sie in den meisten guten Entwürfen finden

Es ist natürlich nicht so, dass deren Befolgung Ihnen Anerkennung und die Akzeptanz des Entwurfs durch den Kunden sichert, doch verkehrt ist das nicht. Die nachfolgenden Theorien stellen den absoluten Grundsatz der Grundsätze vor allem aus dem Bereich Komposition dar. Auf deren Basis entwickelten sich noch viele komplizierte Theorien, die sich zu lesen lohnen, Sie jedoch sollten die drei grundsätzlichen kennen lernen und ab heute schon anwenden.

1. Der Teufel steckt im Detail, Gott jedoch kennt die idealen Proportionen. Der goldene Schnitt als Grundlage jedes Projektes

Diese Theorie ist schon fast 2500 Jahre alt, obwohl sie erst etwa in der Hälfte ihres Bekanntheitszeitraum kodifiziert wurde. Von Anfang an hatte man sich auf die Theorie unwissend berufen, doch in Einklang mit ihr gelang den Menschen besser die Handlung als deren Beschreibung. Worum geht es?Im Wesentlichen darum, dass das Verhältnis zwischen den einzelnen Linienlängen im Entwurf so genanntes Fi beträgt, d. h. 1,61803… In der Praxis unmöglich? Doch. Sogar inmitten von heutigen Logo-Entwürfen kann man auf einige hinweisen, die diesen Grundsatz perfekt beherrschen:

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Ähnliche Proportionen weisen auch die Logos von: Twitter, Hyundai, Toyota, BP- oder dem Apple-Konzern. Der goldene Schnitt ermöglichte die Entdeckung der Fibonacci-Folge. Dies ist der nächste Hinweis auf die idealen Proportionen. Dieser Grundsatz besagt, dass, beginnend bei 0 und 1, zwei folgende Zahlen addiert und diese Summen in der Praxis angewendet werden. Die Verknüpfung des goldenen Schnitts und der Fibonacci-Folge wird gut in solchen Sätzen sichtbar, wie:

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Die Spirale, die durch die Verbindung von Quadraten mit den Seiten von entsprechender Länge entsteht, wird auch die goldene Spirale genannt. Ihr Bestehen wird in der Konstruktion von Blumen, kosmischen Galaxien und sogar Teilen des menschlichen Körpers entdeckt. In der Grafik kann diese wortwörtlich in jedem Typ des Entwerfens genutzt werden. Angefangen bei den Visitenkarten:

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Bis zum Entwerfen von ganzen Internetseiten:

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2. Nach deiner Musik sollen sie tanzen; dort hinschauen, wohin du ihren Blick richtest. Der Grundsatz der Dreiteilung oder die Fibel der Komposition

Ich weiß es hundertprozentig, dass Sie diesen Grundsatz, ohne es vielleicht zu wissen, schon immer beherrschten und anwenden - so allgemeingültig ist er!Haben Sie so etwas schon gesehen?

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Die Linien, die auf dem Display eines Fotoapparats erscheinen, wenn Sie ein Foto machen, sind kein Zufall. Sie dienen auch nicht etwa dazu, zu prüfen, ob Sie die Kamera gerade halten. Gelingt es Ihnen sie optimal zu nutzen, so sind Sie imstande zu bewirken, dass der Blick des Empfängers die Elemente fokussiert, die Sie für wichtig halten. Wie?Indem Sie die wichtigsten Objekte in den Tangentialpunkten der aufgezeichneten Linien platzieren.

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Die mit roten Punkten markierte Stellen sind Stellen, auf die natürlich der Blick fällt. Sehr gut wissen davon Regisseure oder Filmoperatoren und Fotografen Gebrauch zu machen, die gerade an diesen Stellen die bedeutsamsten Elemente für das Erraten des Sinns ihrer Werke platzieren. Dies ist so natürlich und dadurch allgemein, dass ich wetten kann, dass die Mehrheit der Bilder in Ihrer Sichtweite diesem Prinzip entspricht.Sollten Sie meinen, dass die Dreiteilung etwas zu leicht für Sie ist, können wir sie etwas erschweren, indem wir zusätzlich den Ihnen schon bekannten Grundsatz des goldenen Schnitts anwenden:

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In dieser Version wird eine Linie nicht in gleiche Abstände geteilt sondern nach der Fi-Zahl.

In dieser Version wird eine Linie nicht in gleiche Abstände geteilt sondern nach der Fi-Zahl.

3. Grundsatz der Klasse und Eleganz - verwenden Sie nie mehr als drei Farben.

Von jeder Regel gibt es natürlich Ausnahmen. Genauso wie ein Projekt, der die Grundsätze des goldenen Schnitts und der Dreiteilung ignoriert, so kann auch ein bunter Entwurf jemanden begeistern. Um jedoch bewusst zu riskieren, muss man... ja, doch, die Grundsätze kennen.Der Grundsatz der drei Farben funktioniert vor allem in der Architektur, Innenarchitektur und Mode, er bewährt sich jedoch hervorragend auch in der grafischen Gestaltung. Steht hinter dem Hinweis außer der Ästhetik auch eine logische Voraussetzung? Klar!Unser Hirn leidet an Workoholismus und analysiert jeden erhaltenen Reiz. Dazu zählen auch die Farben. Zu viele davon rufen Verwirrung hervor, unser Hirn ist nicht imstande, ohne Ermüdung die vielfarbigen Kompositionen zu verarbeiten. Die Nutzung von nur drei Farben optimiert seine Arbeit. Warum wirkt Schauen in den Himmel wohl so beruhigend?

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Hier eine zufällige Zusammenstellung von Logos. Wie viele davon beachten den Grundsatz der drei Farben nicht?

Wissenswertes: Überlegen Sie vielleicht, warum wir im Titel die 6 benutzt haben, obwohl sie keinen Grund für die Berechnung der nachfolgenden Grundsätze darstellt? Die 6 ist die kleinste vollkommene Zahl, also solche Zahl, die die Summe aller ihrer Teiler darstellt, die kleiner sind als sie selbst (6 = 1 + 2 + 3). Dies entspricht mehr dem Inhalt, oder?

Die Optik des Entwurfs ist nicht alles. Wichtig ist auch die damit verbundene Psychologie. Drei Theorien, die Ihnen helfen, den Kunden zu Ihrem Projekt zu überzeugen

1. Hick-Gesetz oder die Wahlbeschränkung

Eine Frau beabsichtigt, ein grünes Kleid zu kaufen. Sie hat es eilig. Sie geht in das erste Geschäft, verlässt es aber, weil sie dort kein Kleid in der für Sie interessanten Farbe findet. Im zweiten Geschäft findet sie Kleider in zehn verschiedenen Grün-Nuancen. Wieder geht sie ohne Einkauf. Im dritten Laden gab es nur zwei grüne Kleider und sie kaufte eins davon. Warum gerade in diesem Laden?Es könnte natürlich unendlich viele Ursachen dafür geben, doch gemäß Hick-Gesetz tat sie es, weil die Beschränkung ihr die Entscheidung erleichterte. Im zweiten Laden gab es einfach zu viele Optionen . Oft werben Firmen mit einem sehr vielfältigem und reichem Sortiment, doch eine übertriebene Mannigfaltigkeit verwirrt nur den Kunden. Gemäß Untersuchungen kauft ein Kunde öfter, wenn er zwischen einigen wenigen und nicht einem guten Dutzend Versionen eines Produktes entscheiden muss.Mit einem grafischen Entwurf ist es genauso.Super, dass Sie Ihren Kunden eine Wahl geben, aber erdrücken Sie ihn bitte nicht damit! 2 oder 3 Versionen sind genug, man kann sie später noch ausfeilen und die Details ändern. Dutzend Optionen sind zu viel des Guten, der Kunde weiß dann nicht mehr ein und aus.

2. Der Grundsatz der Nähe: wenn etwas nah beieinander liegt, das bedeutet, dass es zueinander gehört; und der Responsivität.

Die Navigation auf einer ausgebauten Internetseite stellt für viele weiterhin eine Herausforderung dar. Es stellt sich heraus, dass viele noch selektiv und fragmentarisch in Segmenten denken. Wie kann man es nutzen?Beim Gestalten eines Portals platzieren Sie nebeneinander ausschließlich Optionen, die im Zusammenhang stehen. Optionen, die voneinander unabhängig sind, müssen deutlich getrennt werden. Verwenden Sie Abstandsverhältnisse, die einem Empfänger erlauben, sich mit der Klickoption zu identifizieren oder von ihr zu trennen. Beim Feedback ist es anders. Viele Empfänger sind gewohnt, dass nur solche Elemente funktionieren, die auf Mausklick reagieren - sei es mit Hintergrundbeleuchtung, sei es mit Farbwechsel.

3. Ockhams Rasiermesser oder die Liebe zur Einfachheit Es geht nicht darum, noch etwas hinzufügen zu können; es geht darum, nichts mehr wegnehmen zu können.

Wesenheiten dürfen nicht über das Notwendige hinaus vermehrt werden.William OckhamDies wissen es Schriftsteller, Journalisten und Filmemacher. Übermaß an Inhalten schadet. Gemäß dem Pareto-Prinzip wird nur 20% der vorgelegten Informationen genutzt. Es lohnt sich dafür zu sorgen, dass es die wertvollsten Informationen sind und nicht irgendwelche zufällige. Eine Zusammenarbeit mit dem Kunden macht sich auch in seiner Zuwendung hinsichtlich des Projekts bemerkbar. Dort, wo die Technik und Psychologie versagen, kann man sich auf das Menschliche verlassen. Hier...

5 allgemeine Hinweise zum Kontakt mit dem Kunden, die Ihnen erlauben, Ihr Projekt gut zu verkaufen

1. Die Worte „Sie sind der Experte, Sie entscheiden“ bedeuten überhaupt nicht, dass Sie freie Wahl haben.

Eigentlich kommt der Kunde zu Ihnen mit fertigem Entwurf im Kopf. Manchmal ist es noch kein bewusster Entwurf und der Auftraggeber kann ihn nicht beschreiben, nicht mal vor sich selbst, aber er steckt in seinem Kopf. Ihre Aufgabe ist es, ihn zu finden. Wenn der Kunde also sagt: „Sie haben freie Wahl“ bedeutet es in Wirklichkeit so viel, wie: „lesen Sie in meinen Gedanken“. In Gedanken kann natürlich niemand lesen, also es lohnt sich…

2. ...guten Kontakt mit dem Kunden zu halten.

Dieser Punkt berührt viele verschiedene Probleme. Einerseits geht es darum, den Auftraggeber nicht mit der Verantwortung für Schwierigkeiten in der Realisierung zu belasten. Dass jemand anspruchsvoll ist (und dadurch nervig), bedeutet noch gar nicht, dass er ein schlechter Kunde ist. Schließlich trägt er die meiste Verantwortung für die Nutzung des Projekts. Andererseits geht es darum, den Kunden zu guten Entscheidungen zu ermutigen und ihm zu erklären - möglichst emotional neutral - warum etwas so und nicht anders gemacht wurde und warum es im Einklang mit der Mission seines Unternehmens ist. Vorher müssen wir uns natürlich mit der Mission vertraut machen. Der Kunde schenkt gern jemandem seine Aufmerksamkeit, der sich die Mühe machte, zu untersuchen, womit dieser sich beschäftigt.

3. Immer eine gute Idee - in die Haut des Kunden schlüpfen

Konflikt? Unverständnis? Zweifel? Am einfachsten ist es, ihnen mit Empathie zu begegnen. Überlegen Sie, was der Mensch an der anderen Tischseite fühlt. Was er nicht versteht, warum etwas gefällt ihm nicht. Engagieren sie sich und behandeln die Sache persönlicher. Vielleicht jedoch liegen die Probleme mit der Kommunikation auf Ihrer Seite, da Sie ignorierten, dass… Schauen Sie sich diese Seite von frischlogos an - sie spricht viele Kundenanliegen an, bevor sie überhaupt eine Nachricht senden

4. ...man sich nicht nur um die Qualität des Projektes kümmern soll , sondern auch um die Qualität der Präsentation des Projektes.

Ein schlecht vorgestelltes Projekt verliert sofort an Qualität. Der Kunde erzählt gerne darüber, wofür er andere bezahlt hat. Die Art und Weise, wie Sie ihm den Ergebnis des Auftrags vorstellen, stellt eine Grundlage dafür dar, wie der Auftraggeber darüber gegenüber anderen erzählt. Darüber hinaus ist es Ihre Aufgabe , alle Zweifel zu zerstreuen, die im Kopf des Kunden entstehen. Die Überzeugung, dass sich jeder Entwurf selber verteidigt, ist ein Mythos. Manchmal muss man Interpretationshilfe leisten, die erst die Begeisterung der Empfängers hervorruft.

5. Glauben Sie an sich

Jeder macht am Anfang Fehler. Übrigens später auch, nur vielleicht etwas seltener. Es ist jedoch kein Grund aufzugeben. Wenn Sie sich nicht als selbstbewusster Endwerfer präsentieren, wer macht dies für Sie? Der erste Eindruck des Kunden basiert nicht nur auf Ihrem Portfolio, sondern auch auf dem unmittelbaren Kontakt. Wenn Sie an sich glauben, wird auch der Auftraggeber eher dazu bereit.

Schlüssel zum Erfolg...

...es gibt nicht nur einen. Genauso, wie es nicht nur einen Schloss gibt, das aufgemacht werden muss. Die aufgeführten Hinweise sind nur einige von den absoluten Grundlagen, die Ihnen helfen können, den richtigen - Ihren - Weg zu finden. Versuchen Sie alles, damit Ihre Beschäftigung nicht nur eine traurige Pflicht ist, sondern auch Ihre Leidenschaft. Und wenn Sie merken, dass Sie sich auf dem richtigen Weg befinden, um dies zu erreichen oder Sie befinden sich schon gar auf dem Gipfel, so helfen Sie anderen und teilen Ihr Wissen mit ihnen. Wir warten!

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