• Einstellungen
Freitag, 21.04.2017

Großputz im Altenberger Stadtwald

Schüler wollten Müll sammeln. Am Ende hätten sie sich eine Wohnung einrichten können. Ein wachsendes Problem.

Von Mandy Schaks und Franz Herz

Janne, Moritz, Rudi und Silas vom Altenberger Gymnasium konnten es kaum fassen, was sie alles aus dem Stadtwald schafften. Das Multicar war schnell gefüllt. Nicht nur eines.
Janne, Moritz, Rudi und Silas vom Altenberger Gymnasium konnten es kaum fassen, was sie alles aus dem Stadtwald schafften. Das Multicar war schnell gefüllt. Nicht nur eines.

© Egbert Kamprath

Altenberg. Als die Frühlingssonne den Winter aus dem Osterzgebirge vertrieb, kam Ungeahntes zum Vorschein: In Wäldern und auf Feldern machte sich Müll breit. Man könnte glauben, Frau Holle hat sich darüber so erschrocken, dass sie gleich noch mal zum Bettenschütteln ansetzte.

Allein von den Skifahrern und Wanderern, die in der zurückliegenden Wintersaison die guten Schneebedingungen nutzten und ausgiebig durch die verschneite Landschaft pilgerten, kann der ganze Dreck nicht sein, ist sich Kristina Funke vom Forstbezirk Bärenfels sicher. Und sie wundert sich. „Wir hatten das Gefühl, dass die Müllablagerungen im Wald in den letzten Jahren zurückgegangen sind“, sagt sie. Das Problem scheint jetzt wieder zuzunehmen. „Revierförsterkollegen – sowohl aus dem Tharandter Wald als auch aus den Gebirgsrevieren – berichten in diesem Frühjahr über eine angestiegene ,Vermüllung’ der Waldeinfahrten und Rastplätze im Wald.“

Sorgen macht der Müll nicht nur im Wald. Auch Landwirte ärgern sich immer wieder darüber, wenn Abfälle einfach irgendwo am Straßenrand oder auf Feldern abgelegt werden. „Wir produzieren auf unseren Flächen Lebensmittel. Da können wir keine Abfälle gebrauchen“, sagt Klaus Köhler, der bei der Agrargenossenschaft Reinholdshain für den Pflanzenbau verantwortlich ist. Seine Mitarbeiter müssen die Reste dann auflesen.

Er sieht auch ein Problem darin, dass auf dem Wertstoffhof des Abfallzweckverbands in Dippoldiswalde an der Straße nach Elend die Vorschriften zu eng gefasst sind. Bei Grünschnitt darf eine Lieferung nur einen Kubikmeter umfassen. „Das reicht aber nicht, wenn jemand auf dem Land einen ordentlichen Baum fällt“, sagt Köhler. Dann muss der Betreffende mehrfach zum Wertstoffhof fahren oder – Köhler hat den Verdacht – mancher kippt den Rest irgendwo in die Landschaft.

In Altenberg waren nun Heinzelmännchen unterwegs, um den Stadtwald zwischen dem Bahnhof und der Max-Niklas-Straße zu entrümpeln. 29 Schüler der siebenten Klasse des Gymnasiums und zwei Lehrer machten sich vor Kurzem über das etwa 2,2 Hektar große Waldstück her. Unterstützt wurden sie dabei vom Bauhof der Stadt und Mitarbeitern vom Sachsenforst. Das war auch nötig, denn sie hatten alle Hände voll zu tun und sich dabei nicht gerade das beste Wetter ausgesucht. Es goss in Strömen. „Die Schüler waren aber einfach toll“, lobt Forstfachfrau Kristina Funke. Sie haben nicht nur durchgehalten, sondern auch kräftig zugepackt. Was sie aus dem Waldstück herausholten, damit hätten sie sich bei besserem Wetter vermutlich ein Auto und ein Haus zusammenbauen können. Sie fanden Bettgestelle, Matratzen, Teppiche, Reifen, Batterien, eine Schubkarre war auch dabei, ebenso eine Leiter und kistenweise leere Flaschen.

Jetzt können Wald und Tiere wieder aufatmen. Denn die Müllsammelaktion ist zugleich Voraussetzung, dass der Forstbezirk hier in diesem Waldstück Pflegearbeiten durchführen kann. „Damit leisteten die Schüler einen wichtigen Beitrag für den Erhalt und die Wiederherstellung der Schutzfunktionen eines Waldstückes im Stadtgebiet Altenberg“, sagt Kristina Funke. Die Aktion fand im Rahmen der neunten Sächsischen Waldwochen statt. Die Schüler dürften dabei eine Menge gelernt haben.