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Montag, 01.01.2018

Großenhain zahlt

Eltern werden auch ab 2018 nicht mehr in Kitas bezahlen – und für Erzieherinnen gibt es sogar ein Lohnplus.

Von Birgit Ulbricht

Das gilt ab 2018

Kinder auf dem Klettergerüst in der Kita Pfiffikus. Eltern bezahlen ab 2018 nicht mehr, die Erzieherinnen bekommen etwas mehr Geld.
Kinder auf dem Klettergerüst in der Kita Pfiffikus. Eltern bezahlen ab 2018 nicht mehr, die Erzieherinnen bekommen etwas mehr Geld.

© Klaus-Dieter Brühl

Großenhain. Der letzte Versuch der Stadt, wenigstens die Hälfte der Erhöhung der Elternbeiträge in den Großenhainer Kitas durchzubekommen, fiel nur noch matt aus. Als sogar CDU-Fraktionschef Michael Preibisch verkündete, man sei dafür, die Beiträge der Eltern konstant zu halten, war die Sache praktisch entschieden. Im nächsten Jahr ändert sich an den Kosten für Krippe bis Hort nichts.

Für die Eltern wohlgemerkt. Weil auch das Land Sachsen seine Zuschüsse bislang nicht erhöht hat – auch wenn politisch in aller Munde – treffen die stetig steigenden Personal- und Sachkosten nur einen – die Stadt Großenhain. Die Dreier-Finanzierung durch Eltern, Kommunen und Land Sachsen wird zunehmend zum Zerrspiel. Die Kommunen wollen die jährlich steigenden Kosten nicht ständig an die Eltern durchreichen.

Das gilt ab 2018

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Anteil der Eltern an den Krippen-Kosten: 20,78 Prozent

Anteil der Eltern an den Kindergarten-Kosten: 26,75 Prozent

Anteil der Eltern an den Hort-Kosten: 27,10 Prozent

Anteil der Eltern an den Förderschulen: 22,23 Prozent

Der Eigenanteil der Stadt erhöht sich damit im Jahr 2018 gegenüber 2017 um 218 000 Euro und im Jahr 2019 gegenüber 2017 um 303 000 Euro

Je nach Kinderbetreuungsform können sie das anteilig zwischen 20 und 30 Prozent. Längst wird in Gemeinde und Städte die Debatte über Unter- und Obergrenzen geführt. Falk Terry von der SPD forderte so, dass sich Großenhain auf die gesetzlich vorgeschriebene Untergrenze des Möglichen festlegt. Das hätte 308 000 Euro Mehrkosten für die Stadt bedeutet. Seinen Vorschlag, dafür Kredite im Umfang von gut 378 000 Euro nicht vorzeitig abzulösen, lehnte Kämmerin Elke Opitz rundweg ab. Die vorgegebenen Schuldengrenzen sind für die Kommunen gesenkt worden – für Großenhain liegt sie nun bei 700 Euro pro Bürger – und die Stadt kann froh sein, wenn sie das Limit schafft.

Und so kam es, dass sich die Mehrheit der Stadträte für das Einfrieren der Elternbeiträge auf dem Niveau von 2016 erwärmen konnte. Zu sehr will man die Stadt auch nicht schröpfen, muss sie doch sonst bei Sport, Kultur und Senioren weiter sparen. Das Land Sachsen sieht sich das Tauziehen derweil gelassen an und verweist immer wieder darauf, dass die Kommunen ja nicht bis an die Obergrenze der möglichen Kostenerhöhung für die Eltern gehen und daher nicht erwarten könnten, dass das Land mehr gibt. Eine entsprechende Antwort gab es über den sächsischen Städte- und Gemeindetag (SSG).

Da Großenhain schon 2016 den Eltern ein Plus von 90 000 Euro an Kosten erspart hat, summiert sich das mit den Jahren. Zumal die Stadt noch in einem anderen Konflikt steckt: Sie muss die Löhne der Erzieherinnen auf gefühlter Höhe zur Bezahlung im öffentlichen Dienst halten. Wird der Unterschied zu groß, findet die Stadt kein Personal. Ein Thema, das alle Umland-Kommunen von Dresden seit Jahren umtreibt.

Das ist auch der Grund, warum die Stadträte dem Personal ab 1. Januar noch ein Gehaltsplus von hundert Euro zugestehen – das höchste Angebot, das von der Stadt kam. Was nicht heißt, dass nun ab 2018 jede Erzieherin hundert Euro mehr in der Tasche hat. Denn die Summe ist auf eine Vollzeitstelle gerechnet und die meisten Erzieherinnen arbeiten verkürzt. Und woher soll nun das ganze Geld kommen? Die Stadt will es aus der nun angekündigten hundertprozentigen Förderung für den Breitbandausbau nehmen. Was die Stadt bislang als Eigenanteil vorgesehen hat, soll dann Eltern entlasten und dem Personal ein kleines Lohnplus bescheren.