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Donnerstag, 07.12.2017

„Gravierende Verstöße im Einzelfall“

An der Berliner Polizeiakademie soll es keine massiven Störungen gegeben haben.
An der Berliner Polizeiakademie soll es keine massiven Störungen gegeben haben.

© dpa

Berlin. Ausbilder an der Berliner Polizeiakademie bemängeln an ihren Schülern, dass Sozialtugenden wie Pünktlichkeit, Höflichkeit oder die Bereitschaft zur Anstrengung „nicht mehr in sehr hohem Maße“ präsent seien. Massive Störungen an der Akademie gebe es nicht, aber „gravierende Verstöße im Einzelfall“, wird die Meinung von Lehrkräften im Untersuchungsbericht der Berliner Polizeiführung wiedergegeben.

Zitiert wird auch aus einer Einschätzung an der Akademie, dass es in jeder Klasse ein bis zwei Auszubildende gebe, deren Verhalten als nicht zufriedenstellend, „wenn nicht gar problematisch“ angesehen werde. Die Analyse hatte Innensenator Andreas Geisel (SPD) gefordert.

Anonym geäußerte Vorwürfe zu Zuständen an der Ausbildungsstätte für den mittleren Dienst hatten tagelangen Wirbel und eine Sondersitzung des Innenausschusses ausgelöst. Die Rede war von Disziplinlosigkeit, Lernverweigerung und schlechtem Deutsch in einer Klasse mit vielen Schülern aus Einwandererfamilien.

Eine Unterwanderung der Akademie durch kriminelle Clans hatten sowohl Geisel als auch Polizeipräsident Klaus Kandt kategorisch ausgeschlossen. Der Innensenator hatte betont, Berlin brauche Polizisten mit Migrationshintergrund.

Jetzt heißt es in dem Bericht, der hohe Anteil von Polizeischülern aus Zuwandererfamilien sei nicht Ursache für problematisches Verhalten. Vorwürfe von Gewaltandrohung durch Schüler einer Klasse hätten sich nicht bestätigt. Es gebe auch keine gesonderten Schwimmzeiten für Muslime.

Lehrer und Schüler der Akademie wünschten sich mehr Zeit für eine engere Bindung, hieß es. Es gebe Vorschläge für eine schnellere Reaktion bei Auffälligkeiten. Dazu gehörten eine wöchentliche Klassenleiterstunde, eine längere Einführungsphase, Einstellung von Sozialpädagogen zur Minimierung und Aufarbeitung von Konflikten.

In diesem Jahr wurden laut dem Bericht bis 15. November 35 Disziplinarverfahren gegen Auszubildende des mittleren und höheren Dienstes eingeleitet. Im gesamten Vorjahr waren es 30, 2015 noch 22 Verfahren. Geprüft werde in solchen Fällen auch die charakterliche Eignung.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigte sich enttäuscht. „Wirklich schön gewordene Übersicht auf 83 Seiten, die aber so gar nichts offenbart, was wir nicht schon wissen - Haben Strukturreform, die dazu diente, Personal einzusparen und jetzt eine Ausbildung, die Anforderungen des Berufs nicht gerecht wird“, twitterte Sprecher Benjamin Jendro.

Am Montag ist im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses eine Anhörung zur Polizeischule geplant. Mitarbeiter der Akademie sollen Fragen der Parlamentarier beantworten. (dpa)

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