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Freitag, 08.12.2017

Görlitzer Stadtpark wird preiswerter, dauert aber länger

Die Sanierung rund um die Rosenterrasse ist seit September ganz gut vorangekommen. Ein Problem aber gibt es.

Von Ingo Kramer

Andreas Martinek, Vorarbeiter bei der Firma Bohr aus Weißenberg, arbeitet an den Wegen der Rosenterrasse im Stadtpark.
Andreas Martinek, Vorarbeiter bei der Firma Bohr aus Weißenberg, arbeitet an den Wegen der Rosenterrasse im Stadtpark.

© Pawel Sosnowski

Görlitz. Andreas Martinek ist derzeit Einzelkämpfer. Der Vorarbeiter der Weißenberger Firma Bohr setzt bei kaltem, oft nassem Wetter an der Rosenterrasse im Stadtpark die Borde, füllt die Wege mit neuem Mineralgemisch auf, verdichtet das Material. „Es war mal Zeit, dass hier etwas passiert“, sagt er: „Auch die Platten lagen alle kreuz und quer und waren unterwurzelt.“

Dass es auch im Dezember vorangeht, freut Christian Freudrich vom Sachgebiet Stadtgrün im Rathaus. Er koordiniert die Baustelle, die erst Ende September begonnen wurde. Seither ist viel passiert, und zwar nicht nur an der Rosenterrasse, sondern auch am Rondell vor dem Parkhäuschen, der Meridiansteinwiese, dem Rhododendronhang und dem ehemaligen Botanischen Garten. Diese fünf Abschnitte bilden zusammen den südöstlichen Teil des Stadtparks – und der wird seit September saniert. Eine halbe Million Euro war dafür eingeplant. „Wir werden am Ende aber preiswerter wegkommen“, sagt Freudrich nun. Der Grund: Im Laufe der Arbeiten hat sich herausgestellt, dass manches gar nicht so kaputt ist wie gedacht. Teile der Tragschicht der Wege waren noch in Ordnung, auch weniger Boden, Pflasterrinnen und Wegekanten als gedacht mussten ausgetauscht werden. Wie viel Geld insgesamt eingespart werden kann, wird erst feststehen, wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind und die Schlussabrechnung vorliegt. Freudrich würde das Geld am liebsten nutzen, um gleich noch ein, zwei weitere Wege im Stadtpark zu erneuern. Das ist aber wegen der für diesen Parkteil zweckgebundenen Fördermittel nicht so einfach.

Doch bei all den guten Nachrichten hat Freudrich auch eine schlechte: Die Arbeiten können nicht wie geplant bis zum Jahresende abgeschlossen werden. Schuld ist hauptsächlich das oft feuchte Herbstwetter, das an manchen Tagen keine Bauarbeiten zugelassen hat. „Bis Weihnachten werden etwa 90 Prozent der Arbeiten geschafft sein“, sagt Freudrich. Die restlichen zehn Prozent sollen im Frühling erledigt werden, möglichst bis Ende April, sodass das sanierte Areal wohl im Mai feierlich eröffnet werden kann – zu einem Zeitpunkt, an dem manches vielleicht schon das erste Mal blüht. „Alle Pflanzarbeiten sind schon jetzt abgeschlossen“, sagt Freudrich. In der Rosenterrasse wurde der verbrauchte Boden 70 Zentimeter tief ausgetauscht. Anschließend wurden 1 200 neue Beetrosen gepflanzt. Sie sind resistent gegen Mehl- und Sternrußtau. Farblich folgen sie exakt dem Konzept des legendären Gartenbaudirektors Henry Kraft (1899 bis 1979), der die Rosenterrasse 1956 bis 1959 in ihrer jetzigen Form angelegt hat. Auch ansonsten wird fast alles wieder in diese Zeit zurückversetzt, Kaputtes repariert, störende nachträgliche Änderungen rückgebaut.

Das heißt zum Beispiel, dass die Sonnenuhr repariert wurde und ihren Zeiger zurückerhalten hat oder dass wieder niedrige Polsterstauden zwischen den Rosen gepflanzt wurden. Lücken in den Rhododendrenbepflanzungen wurden ergänzt. Zwischen den Rosen und Stauden sind Trittplatten in die Beete integriert – für die Mitarbeiter zur Beetpflege, aber auch für Besucher, die zum Beispiel eine einzelne Rose fotografieren wollen. „Für die Pergola haben wir Lärchenholz verwendet“, sagt Freudrich. Das hat den Vorteil, dass es witterungsbeständig ist, nicht behandelt werden muss. Auch der Meridianstein ist inzwischen gereinigt. Jetzt laufen vor allem noch Arbeiten an den Wegen. Nächste Woche sollen sie ihre endgültige Deckschicht erhalten, anschließend aber sechs bis acht Wochen abgesperrt bleiben, damit sich das Material setzen und verfestigen kann.

Nicht mehr in diesem Jahr fertig wird hingegen der untere Teil des breiten Weges, der durch den Park in Richtung Stadthalle verläuft. „Diesen Abschnitt wollen wir pflastern“, sagt Freudrich. Das entspricht nicht dem historischen Vorbild, sei aber ein Kompromiss, um Schäden bei extremen Niederschlägen zu verringern. Das Problem: Dieser Abschnitt ist sehr steil, wird bei starkem Regen immer wieder ausgewaschen, wenn er keine feste Decke hat. Letztlich wird das auch zur Gefahr für die Stadthalle, in deren Richtung Wasser und Sand abfließen. Nun sollen hier 300 Quadratmeter Granitkleinpflaster zum Einsatz kommen. Für die Regenwasserleitungen muss unten, vor der Stadthalle, auch der Asphalt aufgeschnitten werden. „So etwas macht man nicht im Dezember“, sagt Freudrich – und will es auf den Frühling verschieben. Er rechnet damit, dass die Fördermittelgeber dafür Verständnis haben.

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