• Einstellungen
Freitag, 19.05.2017

Gnadenfrist für Schleifer Turnhalle

Im Gemeinderat gab es eine rege Diskussion über den geplanten Abriss. Am Ende fand das Parlament einen akzeptablen Kompromiss.

Von Tilo Berger und Thomas Staudt

Tagebaubetreiber Leag bietet an, die Turnhalle abzureißen. In Schleife hofft man dagegen auf einen Betreiber. Dann könnte die Halle stehen bleiben.
Tagebaubetreiber Leag bietet an, die Turnhalle abzureißen. In Schleife hofft man dagegen auf einen Betreiber. Dann könnte die Halle stehen bleiben.

© Joachim Rehle

Schleife. Eigentlich schien alles nur noch eine Formsache zu sein: Auf der jüngsten Tagung des Schleifer Gemeinderates stand ein Beschlussvorschlag zur alten Turnhalle auf der Tagesordnung. Darin stand, dass der Gemeinderat einem Angebot der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) zustimmt, die Turnhalle bis spätestens Ende 2020 abzureißen.

Doch ganz so einfach wollten einige Gemeinderäte den Beschlussvorschlag ihrer Verwaltung dann doch nicht abnicken: Gäbe es nicht doch noch Möglichkeiten, das Gebäude aus DDR-Zeiten zu erhalten?

Als Turnhalle wird der Bau in ein paar Jahren nicht mehr gebraucht, weil Schleife ein neues Schulzentrum bekommt – und damit auch ein neues Domizil für den Sport. Aber in den vergangenen Jahren gab es immer mal Ideen für die alte Turnhalle, zum Beispiel den Umbau zu einem Haus der Vereine. Doch alle Ideen waren diskutiert und schließlich verworfen worden, erinnerte der Leiter des Amtes für Planen, Bauen und Bergbau, Steffen Seidlich. Und mahnte: „Schleife kann sich keine zwei Turnhallen leisten.“

Dieselbe Argumentation verfolgte auch der stellvertretende Bürgermeister Jörg Funda (CDU), der zur Gemeinderatssitzung den erkrankten Rathauschef Reinhard Bork vertrat. „Wir haben den Abriss der alten Turnhalle doch längst im Technischen Ausschuss besprochen und beschlossen“, sagte Funda. Er verstehe nicht, warum das Thema noch einmal ganz neu aufgerollt werde – und ließ dann doch die Diskussion darüber zu.

Wenn Schleife das Leag-Angebot zum Abriss annehme, bleibe die Gemeinde nicht auf den Kosten sitzen, erklärte Bauamtsleiter Seidlich. Das bestritt auch niemand. Im Kern drehte sich die Diskussion aber um die Frage, ob der Beschluss zum Abreißen wirklich unumkehrbar sei – vielleicht gebe es ja doch noch jemanden, der ein Konzept für die alte Turnhalle vorlegen könne? Schließlich haben an dem Bau zu DDR-Zeiten viele Schleifer mitgewirkt und somit ein persönliches Verhältnis dazu. Der Abriss täte vielen weh.

Nach einigem Hin und Her einigte sich das Parlament auf einen Kompromiss. Dieser sieht so aus, dass Schleife zwar das Leag-Angebot zum Abriss annimmt. Sollte sich aber bis spätestens November 2019 ein möglicher Betreiber für die Halle finden und ein schlüssiges Konzept vorlegen, ohne dass dabei der Gemeinde Kosten entstehen, dann soll über den Beschluss neu befunden werden. Die gefundene Formulierung fand die große Mehrheit der Räte.

Der stellvertretende Bürgermeister, der die Diskussion zunehmend souverän moderiert hatte, war am Ende auch zufrieden: „Das war jetzt gelebte Demokratie“, fasste Funda zusammen.

Bereits im März haben die Erschließungsarbeiten für den neuen deutsch-sorbischen Schulkomplex begonnen. Die Vereinbarung über den Neubau ist Teil des sogenannten Schleife-Vertrags aus dem Jahr 2008. Die finanzielle Hauptlast trägt Vattenfall beziehungsweise der Nachfolger, die Lausitz Energie Bergbau AG Leag. Die Gemeinde will bei den Gesamtkosten mit 24 Millionen Euro auskommen. Insgesamt steht mehr Geld zur Verfügung. Der Rest ist als Puffer gedacht. Die Inbetriebnahme mit zweizügiger Grund- und Oberschule ist zum Beginn des Schuljahres 2019/20 geplant.