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Donnerstag, 21.12.2017 Kommentar

Gleicher Lohn statt gleicher Preise

Nora Miethke.
Nora Miethke.

© Robert Michael

In der Kantine fühle ich mich manchmal ungleich behandelt, wenn ich sehe, dass meine männlichen Kollegen größere Portionen des gleichen Essens bekommen als ich. Dann bitte ich um etwas mehr. Aber beim Einkauf in der Drogerie oder beim Friseur wähnte ich mich bislang nie diskriminiert, weil ich nicht auf die Idee gekommen bin, die Preise nach Geschlechtern zu vergleichen.

Das werde ich im Supermarkt und Kaufhaus auch künftig nicht tun. Denn die erste umfassende Untersuchung zu geschlechtsspezifischer Preisdifferenzierung zeigt: Bis auf ganz wenige Ausnahmen werden alle Produkte für Männer und Frauen preisgleich angeboten. Das Ergebnis beruhigt schon mal. Bei Dienstleistungen treten zwar deutlich häufiger und auch erheblich höhere Preisunterschiede auf. Aber für die meisten gibt es sachliche Gründe wie etwa den Mehraufwand beim Bügeln der Rüschenbluse im Gegensatz zum Herrenhemd.

Die Gleichstellung von Männern und Frauen in der Wirtschaftswelt ist ein wichtiges Ziel. Doch nicht bei allen auftretenden Unterschieden ist der Gesetzgeber gefordert, sofort einzuschreiten. Im Friseurgewerbe und in der Textilreinigung würde es ausreichen, Leistungen nach dem tatsächlichen Aufwand geschlechtsneutral auszupreisen. Drängendere Gleichstellungsprobleme, bei denen die Politik handeln muss, sind dagegen die niedrigere Bezahlung von Frauen für die gleiche Arbeit oder das Rückkehrrecht auf Vollzeitstellen.

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