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Donnerstag, 17.05.2018

Getrübte Wanderfreude

Wer zu Fuß oder mit dem Rad von Großenhain nach Zabeltitz unterwegs ist, erlebt am Kleinen Gabelwehr eine unliebsame Überraschung.

Von Thomas Riemer

Kurzer Weg, aber verboten: Wegen des Ersatzneubaus am Kleinen Gabelwehr in Zabeltitz müssen Touristen derzeit auf andere Wege ausweichen.
Kurzer Weg, aber verboten: Wegen des Ersatzneubaus am Kleinen Gabelwehr in Zabeltitz müssen Touristen derzeit auf andere Wege ausweichen.

© privat

Zabeltitz. Es hat ein bisschen Spreewald-Atmosphäre. Nur die Kähne fehlen auf der Röder zwischen Walda und Zabeltitz. Dafür Idylle pur. Kleine und größere Brücken, ein gut präparierter und ausgeschilderter Rad- und Wanderweg. Eine Tafel kurz vor dem Zabeltitzer Parkensemble erläutert die Landschaft. Beeindruckend das große Gabelwehr, das die Röder in drei Arme teilt. Von hier aus ist es quasi nur noch einen Steinwurf bis zum Schloss, dem Barockpark, dem Eiscafé. Unterwegs schnell noch das kleine Gabelwehr „mitnehmen“ ...

Doch genau dort endet die Idylle für den geneigten und durstigen Wanderer urplötzlich. Blaue Container künden von einer Baustelle, ein Sperrzaun mit Schild verbietet eine Fortsetzung des Ausflugs. Wo vorher eine Brücke war, liegen tonnenschwere, mit Sand gefüllte Säcke im Flussbett. Immerhin: Wer den Zaun geschickt umkurvt, kann sich vorsichtig, aber mühevoll über die Säcke „hangeln“, um auf der anderen Seite seinen Weg fortzusetzen. Auch dort muss er allerdings an einem Sperrschild vorbei. „Warum wird das nicht am großen Gabelwehr vorn mitgeteilt, dass es hier hinten nicht weitergeht?“, fragt Werner Biesold. Der Dresdner ist mit Frau, Tochter, Schwiegersohn und Fotoausrüstung an diesem Sonntag zu Fuß unterwegs. Nach einigem Zögern schließt er sich ein paar Radwanderern an, die sich über die Sandsäcke durch die Baustelle „mogeln“.

Großenhains Ratshaussprecherin Diana Schulze warnt vor solchen Aktionen. „Der Weg vom Großen zum Kleinen Gabelwehr ist eigentlich gesperrt“, teilt sie auf SZ-Anfrage mit. Allerdings räumt sie ein: „Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass unbefugterweise jemand diese Sperrung verändert hat.“ Die Wanderschilder seien jedoch nicht extra abgebaut worden. „Unmittelbar vor der Baustelle ist der Weg jedoch deutlich erkennbar mit einem Bauzaun abgesperrt“, so Diana Schulze. Damit müsste nach ihrem Dafürhalten jeder aufmerksame Bürger erkennen, „dass er hier nicht weitergehen bzw. -fahren darf. Außerdem befindet man sich in einem Naturschutzgebiet, in dem es verboten ist, Flächen außerhalb der Wege zu betreten“.

Die Sperrung hat natürlich ihren guten Grund. Denn im besagten Bereich erfolgt seit vergangenem Jahr ein Ersatzneubau des Kleinen Gabelwehrs. Das bisherige Bauwerk war durch die Hochwasser der letzten Jahre beeinträchtigt worden und dauerhaft nicht mehr standsicher, so Diana Schulze. Noch bis Ende September müssen sich die Wanderer gedulden, wollen sie hier wieder problemlos den Weg nutzen. So lange dauern die Bauarbeiten laut Stadtsprecherin.

Das Kleine Gabelwehr gehört zu einem ausgeklügelten System von Wehren und Flutrinnen, das Zabeltitz vor Überschwemmungen schützen soll. Es besteht prinzipiell aus zwei Wehranlagen sowie einem Dükerbauwerk, mit dem die Elligast unter der Röder hindurch geführt wird. Normalerweise wird der Wasserstand der Röder zwar am großen Gabelwehr reguliert. Bei bestimmten Hochwassersituationen kann es aber erforderlich werden, dass zum Schutz von Zabeltitz Wasser aus der Großen Röder über das kleine Gabelwehr in den Elligastbach abgeschlagen werden muss. Deshalb soll die Wehranlage jetzt havariesicher hergerichtet werden.

Großenhains Stadtrat beschloss vor gut einem Jahr den Ersatzneubau. Rund 600000 Euro sind dafür vorgesehen. So lange gebaut wird, müssen Touristen allerdings auf die sonst hier zu findende „Spreewald-Atmosphäre“ verzichten und sich auf die offiziellen Wege zum Parkensemble beschränken.