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Mittwoch, 15.11.2017 Aus dem Gerichtssaal

Gemeinsam fremdes Konto geplündert

Wegen Computerbetrugs standen eine Waldheimerin und ihr Freund vor Gericht. Opfer war der Ehemann der Frau.

Von Helene Krause

© Symbolfoto: André Braun

Döbeln. Im April 2017 sollen eine 42-jährige und ihr 30-jähriger Freund das Konto des Ehemannes der Frau abgeräumt haben. Beide wohnen in Waldheim. Wegen der Tat stand das Paar, das behauptet, kein Liebespaar zu sein, jetzt vorm Amtsgericht Döbeln. Vorgeworfen wurde ihnen Computerbetrug.

Vor der Abhebung soll sich das Paar vor der Kauflandfiliale in Waldheim getroffen haben. Dort übergab die Angeklagte dem Mitbeschuldigten die Geldkarte ihres Mannes und einen Zettel mit der Pin-Nummer. Der Angeklagte soll daraufhin zur Sparkassenfiliale in Waldheim gefahren sein. Dort hob er von dem fremden Konto 700 Euro ab. Der Kontostand betrug insgesamt 701,68 Euro. Es war das erste Gehalt, das der Ehemann sich auf sein eigenes Konto hatte überweisen lassen. Das Ehepaar wollte sich trennen.

Das Konto hatte der Geschädigte erst wenige Tage vor der Plünderung eröffnet. Den Umschlag mit der Geheimzahl will er erst in seiner Arbeitsstelle geöffnet und sofort vernichtet haben. Die Pin speicherte er in seinem Handy. „Ich hängte sie an die Telefonnummer meines Sohnes an“, sagt er. Sein Portemonnaie mit der Geldkarte und sein Handy ließ er, wie er schildert, öfter in der Wohnung zurück. Dort hielt sich der Freund der Ehefrau immer nur dann auf, wenn der Geschädigte nicht zu Hause war.

Dass er das Geld abgehoben hat, gesteht der Angeklagte und auch, dass er von der Mitbeschuldigten die Geldkarte mit Geheimzahl erhalten hat. „Sie sagte, sie brauchte das Geld“, gestand er. Angeblich wusste der Ehemann der Angeklagten von der Abhebung. Anders schildert die Angeklagte den Fall. „Wir trafen uns in der Kauflandfiliale“, sagt sie. „Ich hob dort am Geldautomaten von meinem eigenen Konto Geld ab.“ Zuvor soll der Freund gegangen sein. „Er sagte, er müsste etwas erledigen“, so die Angeklagte. Am Abend des Tattages soll eine Fremde in die Wohnung des Noch-Ehepaares gekommen sein. Sie hätte die Geldkarte des Ehemannes in ihrem Briefkasten gefunden. Gleiches schildert auch der Ehemann als Zeuge. Die Fremde habe er nicht gekannt, sie aber ihn.

Obwohl Verteidiger Martin Göddenhennrich aus Döbeln auf Freispruch für seinen Mandanten plädiert, sehen es Staatsanwaltschaft und Richter Janko Ehrlich als erwiesen an, dass die Angeklagten gemeinschaftlich betrogen haben. „Die Angeklagte hatte viel Zeit, die Pin aus dem Handy zu lesen, wenn er nicht zu Hause war“, sagte Richter Ehrlich in der Urteilsbegründung. Außerdem zeigte die Überwachungskamera in der Waldheimer Sparkassenfiliale den Angeklagten beim Geldabheben. Ehrlich verurteilt die Beschuldigten wegen Computerbetrugs zu einer Geldstrafe. Während die Ehefrau 900 Euro zahlen muss, sind es beim Angeklagten 1 980 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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