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Donnerstag, 04.01.2018

„Geld hat keiner mehr“

Andreas Liebscher, Bürgermeister von Hermsdorf, blickt auf 2017 zurück. Was er sich von der Politik wünscht.

Von Anja Ehrhartsmann

Andreas Liebscher, Bürgermeister von Hermsdorf/Erzgebirge, ist froh, dass der neue Grundschulanbau fertig ist.
Andreas Liebscher, Bürgermeister von Hermsdorf/Erzgebirge, ist froh, dass der neue Grundschulanbau fertig ist.

© Frank Baldauf

Hermsdorf. Mit dem neuen Anbau an der Grundschule hat sich die Gemeinde Hermsdorf im Erzgebirge 2017 einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Andreas Liebscher, ehrenamtlicher Bürgermeister (parteilos), blickt im SZ-Gespräch auf das Jahr zurück und erklärt, was 2018 ansteht.

Herr Liebscher, die Gemeinde hat sich 2017 den Neubau an der Schule vorgenommen. Wie ist da der Stand?

Der Neubau ist soweit fertig. Das Mobiliar bekommen wir Mitte Januar. Am 5. Januar wollen wir den Anbau eröffnen. Die Baufirmen haben gute Arbeit gemacht, trotz der Probleme beim Tiefbau. Die Grundmauern waren ja sehr marode, und die mussten wir außerplanmäßig mitmachen. Ich bin sehr froh, dass wir das alles geschafft haben, was wir uns vorgenommen hatten.

Seit mehr als einem Jahr gibt es an der Schule den jahrgangsübergreifenden Unterricht. Ist der Schulstandort damit langfristig gesichert?

Ja, unsere Schule hat erst mal Bestand. Zwischenzeitlich haben wir wieder zu viele Kinder für zu wenige Lehrer. In die erste Klasse gehen 22 Kinder, die wieder ganz normal unterrichtet werden. Wenn schwächere Jahrgänge kommen, findet der Unterricht wieder jahrgangsübergreifend statt, damit kennen wir uns ja jetzt aus.

Die Gemeinde hat sich außerdem mit der Ortsentwicklung beschäftigt. Wie steht Hermsdorf grundsätzlich da?

Es wurden verschiedene Bereiche in der Gemeinde betrachtet, unter anderem die Schule, da sind wir gut aufgestellt. Der Kindergarten ist sehr gut ausgelastet mit mehreren Gruppen. Um für junge Leute aber attraktiv zu sein, würden wir gerne Wohnmöglichkeiten schaffen. Das ist bei uns etwas schwierig, da wir in verschiedenen Schutzgebieten liegen. Deshalb bekommen wir unser kleines Wohngebiet an der Dorfstraße einfach nicht genehmigt.

Woran scheitern die Planungen denn bisher?

Wir liegen im Trinkwasserschutzgebiet, und das Wasser fließt in die Talsperre Lichtenberg. Deshalb sind hier zwei Landratsämter involviert. Das Landratsamt Mittelsachsen, das in diesem Fall gehört werden muss, hat uns die sechs Bauplätze bisher verwehrt. Wir haben die Satzung nun noch mal geändert und hoffen, dass nun wenigstens ein Bauplatz genehmigt wird, denn eine junge Familie mit Kindern will dort bauen. Wir beschäftigen uns schon seit 2015 damit, da braucht man viel Geduld.

Wie sieht es mit dem Internetausbau aus?

Die Telekom baut gerade ihr Netz auf unserem Gebiet aus, und damit bekommen wir schnelleres Internet. Das ist für uns ein wichtiger Punkt, um als Gemeinde attraktiv zu sein.

Beim Thema Ortsentwicklung waren ja auch die Bürger beteiligt. Welche Projektideen haben sich daraus ergeben?

Das sind kleinere Sachen. Die Busverbindungen in den Schulferien und an den Wochenenden sind schlecht. So lange man jung ist und mit dem Auto überall hinkommt, ist das ja kein Problem, aber im fortgeschrittenen Alter schon. Hier gibt es also noch Nachholbedarf, und da müssen wir uns mit den Verantwortlichen hinsetzen und schauen, was wir machen können. Auch für den Snow & Fun Park am Skilift gibt es Ideen, aber das wird sich alles nach und nach entwickeln.

Wie sehen Sie grundsätzlich die Entwicklung der Gemeinden im ländlichen Raum?

Es wird immer schwieriger, Geld hat keiner mehr. Wir müssen als kleine Kommune mit dem Wenigen auskommen, was wir bekommen. Es wäre aber schön, auch Dinge machen zu können, die zwar nicht zu den Pflichtaufgaben gehören, aber trotzdem für das Dorfleben wichtig sind. Zum Beispiel die Loipen und Wanderwege in Ordnung zu halten oder Schutzhütten zu reparieren. Das würde ja nicht nur den Touristen zugutekommen, sondern auch den Einheimischen.

Wie fällt Ihr Fazit für das vergangene Jahr aus?

Es war ein gutes Jahr für die Gemeinde. Außer dem Großbauprojekt Grundschulanbau haben wir dort auch die Turnhalle energetisch saniert und die Bergstraße weitergebaut. In Seyde wurde das neue Buswartehäuschen errichtet. Damit hatten wir gleich mehrere größere Maßnahmen.

Was sind Themen, die 2018 in der Gemeinde anstehen?

In der Schule geht der Umbau der Elektrik weiter, die wir ja in den kommenden drei Jahren komplett erneuern. Dann haben wir die Möglichkeit, eine Löschwasserzisterne in Neuhermsdorf zu bauen. Und für den Park der Generationen sind die Genehmigungsverfahren soweit durch, da wollen wir im Frühjahr mit dem Bau beginnen. Vom EU-Förderprogramm Leader bekommen wir dafür 71 500 Euro.