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Montag, 20.03.2017

Gegen Mobbing im Internet

Soziale Medien haben auch Schattenseiten. Durch sie können Mitschüler gemobbt und in Misskredit gebracht werden.

Von Sylvia Jentzsch

Das Projekt

Projektleiterin Antonia Frenzel und Marcel Burghardt arbeiten mit den Fünftklässlern der Pestalozzi-Oberschule an einem Projekt zum Umgang und zur Nutzung von sozialen Netzwerken. Max (links), Lino, Joel, Lilli und Helene macht die Gruppenarbeit Spaß.
Projektleiterin Antonia Frenzel und Marcel Burghardt arbeiten mit den Fünftklässlern der Pestalozzi-Oberschule an einem Projekt zum Umgang und zur Nutzung von sozialen Netzwerken. Max (links), Lino, Joel, Lilli und Helene macht die Gruppenarbeit Spaß.

© Dietmar Thomas

Hartha. Früher hatte man, wenn überhaupt, ein Telefon, um miteinander zu sprechen. Jetzt hat fast jedes Kind und jeder Jugendliche ein Smartphone (Handy), meist mit einem Vertrag, der auch den Zugang zum Internet ermöglicht. Mit dem Smartphone wird nicht nur telefoniert. Es werden unter anderem Fotos gemacht und verschickt, Nachrichten per WhatsApp versendet, Spiele gespielt und Informationen gegoogelt. Wer das Smartphone richtig nutzt, kann dadurch Vorteile haben. Doch es gibt auch Schattenseiten, die diese, für jeden zugängigen Netzwerke, mit sich bringen.

Dazu gehört das Cybermobbing. Mithilfe des Smartphones können Mitschüler beleidigt oder falsche Nachrichten über sie verbreitet werden. Bilder gelangen ins Netz, die vorher bearbeitet wurden und den Betroffenen verunglimpfen oder es werden Telefonnummern weitergegeben werden, damit sich andere Mitschüler am Cybermobbing beteiligen. Rasend schnell verbreiten sich diese Nachrichten und können nicht mehr gestoppt werden.

Der Betroffene kann sich kaum wehren. Oft traut er sich nicht, mit jemanden darüber zu sprechen. Er fühlt sich gedemütigt, schämt sich und zieht sich zurück. Doch das ist keine Lösung. Die Schüler der fünften Klasse der Pestalozzi-Oberschule befassen sich zurzeit mit dem Umgang in sozialen Netzen. Die Projektverantwortlichen der Queo GmbH, die das gemeinnützige Projekt „Social Web macht Schule“ entwickelt hat, zeigten zum Einstieg in das Thema einen Film. Der handelt von einem Jungen, der mithilfe des Handys zunächst von seiner ehemaligen Freundin und später auch von anderen Mitschülern gemobbt wird.

Das Projekt

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Envia-M fördert seit vielen Jahren Projekte, die dem Nachwuchs den sicheren Umgang mit Medien vermitteln. Alle Beteiligten – Schüler, Eltern und Lehrer – werden eingebunden und gefordert.

Seit dem Schuljahr 2014/2015 wurden 1500 Schüler, 400 Lehrer sowie 500 Eltern im Umgang mit sozialen Netzen geschult.

Die Förderung von „Social Web macht Schule“ erfolgt seit 2017 unter dem Motto „Wir sind hier gern zu Hause“ über die Sponsoringfibel von Envia-M und Mitgas.

In Gruppen erarbeiteten die Fünftklässler die Gefühle, Gedanken und Wünsche vom Opfer, den Tätern und Mittätern sowie anderen Beteiligten. Paula, Kiara, Paul und Jasmin überlegten zum Beispiel, wie es dem Jungen gehen könnte.

„Der Bedarf, sich mit dem sozialen Netzwerk und seiner Nutzung auseinanderzusetzen, ist da. Früher haben wir in Klasse sieben damit begonnen. Doch jetzt haben schon fast alle Fünftklässler ein Smartphone“, so Projektleiterin Antonia Frenzel. Sie ist Studentin und wurde für dieses Projekt ausgebildet. Unterstützung bekommt sie von Marcel Burghardt, der Medienkommunikationsmanagement studiert.

„Die Kinder sind sehr offen zu uns, weil sie einen Partner gefunden haben, der bei ihren Themen mitreden kann. Das heißt aber nicht, dass wir alles wissen. Dafür ist das Internet zu schnelllebig. Manchmal zeigen uns die Kinder auch Neues“, sagte Antonia Frenzel. Wichtig sei das miteinander Reden. Am Dienstag erfahren die Fünftklässler mehr über Datenschutz, Privatsphäre und Kommunikationsregeln. „Es geht darum, dass niemand durch andere beleidigt wird. Deshalb ist es besser, bevor man etwas losschickt, über den Inhalt nachzudenken“, so die Projektleiterin.

Schon zum dritten Mal nimmt die Pestalozzi-Oberschule am Projekt teil. „Wir müssen die Kinder für den Umgang mit dem Handy sensibilisieren. Ich denke da an Klassenchats, in denen leichtfertige Äußerungen schnell zu Missverständnissen führen können“, so Schulleiterin Kerstin Wilde. Die Kinder und Jugendlichen müssten erkennen, wann das Handy einmal weggelegt werden muss. Es gehe da zum einen um gesundheitliche Aspekte und zum anderen um die Prävention, da es ein Suchtpotenzial gebe, so die Schulleiterin.

Am Montagabend waren die Eltern eingeladen, damit sie ihre Fragen und Probleme zum Umgang mit dem Handy an das Projektteam stellen können.

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