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Dienstag, 21.03.2017

Gefahrenstelle Wasserschloss

Das Gelände in Oberau ist ungenügend gesichert, kritisiert ein Anwohner. Vor allem für Kinder sei es gefährlich.

Von Jürgen Müller

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Sieht so eine Baustellensicherung aus? Der Zugang zum Schloss ist nur durch ein Stahlrohr gesichert. Klaus Heise kann es problemlos anheben. Die Gemeinde sei nicht in der Lage, einfachste Sicherheitsgrundsätze zu beachten, sagt er. Fotos:
Sieht so eine Baustellensicherung aus? Der Zugang zum Schloss ist nur durch ein Stahlrohr gesichert. Klaus Heise kann es problemlos anheben. Die Gemeinde sei nicht in der Lage, einfachste Sicherheitsgrundsätze zu beachten, sagt er. Fotos:

© Jürgen Müller

In der Frühlingssonne sieht das Wasserschloss in Oberau toll aus. Das gilt aber nicht für alle Gebäude gleichermaßen.
In der Frühlingssonne sieht das Wasserschloss in Oberau toll aus. Das gilt aber nicht für alle Gebäude gleichermaßen.

© Jürgen Müller

Einige Gebäude ringsherum verfallen und sind nicht ausreichend davor gesichert, dass jemand drin herumläuft.
Einige Gebäude ringsherum verfallen und sind nicht ausreichend davor gesichert, dass jemand drin herumläuft.

© Jürgen Müller

Oberau. Schön sieht es aus von Weitem in der strahlenden Frühlingssonne – das Wasserschloss in Oberau. Seit vielen Jahren bemühen sich Gemeinde und Schlossverein, das älteste Wasserschloss Deutschlands zu erhalten.

Im Grunde ist das Gelände eine einzige Baustelle. Und ungenügend gesichert und damit eine Gefahr vor allem für spielende Kinder, sagt Schmiede- und Schlossermeister Klaus Heise, der in einem Nebengebäude seit 1987 eine kleine Schmiede betreibt. „Die Gemeinde kommt ihrer Verkehrssicherungspflicht nicht nach. Die Zustände hier sind skandalös“, sagt der 60-Jährige. Der Bürgermeister stelle immer nur die Erfolge heraus, wenn wieder mal ein goldenes Fähnchen auf den Turm komme.

„Aber umdrehen darf man sich nicht“, sagt Heise. Er zeigt auf ein verfallenes Bauernhaus, das zum Schlossensemble gehört. Dass es mit einem Bauzaun gesichert sei, sei seiner Initiative zu danken. „Erst nachdem ich mich beschwert hatte, wies das Kreisbauamt an, die Ruine zu sichern. Eiligst hat die Gemeinde damals Bauzäune angeschafft“, sagt er. Doch die seien unzureichend befestigt. Es klafft eine Lücke von einem halben Meter zwischen Bauzaun und Ruine. Kinder können hier ohne Weiteres hindurchschlüpfen.

Auf dem Dach fehlen Ziegel. Diese Stelle wurde mit einer Plane gesichert. Dies reiche nicht aus, um Ziegelabstürze zu verhindern, so Heise. Auch ein Schuppen, der zum Bauhof der Gemeinde gehört, steht sperrangelweit offen. Drinnen befinden sich eine Arbeitsmaschine, ein Anhänger, Baumaterial. Jeder hat Zutritt, Mitarbeiter des Bauhofes sind nirgendwo zu sehen. Rund um das Schloss gibt es nach Heises Ansicht zahlreiche Gefahrenstellen und Sicherheitsmängel. „Der Teich ist seit Jahren ohne Wasser. Sehen Sie sich das an: Hier gibt es eine Absturzhöhe von mehr als zwei Metern. Nichts ist gesichert“, sagt er.

Ein Stahlrohr als Schutz

Eine „Sicherung“ entdeckt er ein paar Meter weiter. Um nicht auf die Ruinen des Schlossgeländes zu gelangen, ist abgesperrt. Mit einem Stahlrohr, das mit einem Handgriff beiseite geschoben werden kann. Auch das Holzgeländer am Schloss entspräche nicht den minimalsten Sicherheitsanforderungen. „Wenn sich da ein paar Leute dranlehnen, bricht es zusammen. Die Gemeinde ist nicht mal in der Lage, einfachste Sicherheitsgrundsätze zu beachten“, schimpft der Handwerker.

Ein Parkplatz sei auf einer Fläche angelegt worden, unter der ein Kanal eingebrochen sei. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier der Untergrund nachgibt“, so Klaus Heise. „Es hat sich nichts verbessert, seit die Gemeinde das Wasserschloss vom Denkmalsverein zurückgekauft hat“, sagt er. Dabei habe Bürgermeister Steffen Sang (parteilos) immer betont, es sei genug Geld da. „Wo ist dieses Geld hin?“, fragt Heise.

Dem Bürgermeister ist das Thema sichtlich unangenehm. „Ich habe damals gesagt, dass genügend Geld da sei, um das Schloss zurückzukaufen“, stellt er klar. Insgesamt 458 000 Euro musste die Gemeinde dafür, verteilt über mehrere Jahre, auf den Tisch legen. Zunächst waren sogar über 700 000 Euro gefordert worden.

„Wir sehen das Schlossgelände als gesichert an, werden die Hinweise aber zum Anlass nehmen, nochmals eine Begehung durchzuführen“, sagt er. Wegen des defekten Daches habe ein Dachdeckermeister ein Gutachten erstellt. Demnach ist das Dach mit der Plane ausreichend gesichert. Eine Alternative sei, die Zufahrt zu sperren. „Natürlich gibt es immer Gefahren, wenn Kinder auf solch einem Gelände unbeaufsichtigt spielen.

Doch man muss auch sehen, was realistisch ist und was nicht“, so der Bürgermeister. Die Bauzäune wolle man kurzfristig inspizieren und so gut es geht befestigen, damit niemand mehr Zutritt zu den Grundstücken habe. „Wenn die Behörde sagt, dass wir das gesamte Gelände sperren müssen, dann sperren wir es eben“, so Sang.

Heises Vorwurf, die Schlossmauer sei rechtswidrig von ABM-Leuten abgerissen und wieder aufgebaut worden, kontert Bauamtsleiter Stephan Alban: „Wir haben die Zulassung der Handwerkskammer eingeholt, ansonsten hätten wir uns ja strafbar gemacht“, sagt er. Eine Baugenehmigung sei bei einer Einfriedung nicht erforderlich gewesen.

60 000 Euro gegen den Schwamm

Wie es mit dem Schloss und dem Gelände weitergeht, ist noch offen. Derzeit wird dazu ein Konzept erstellt. Darin enthalten ist ausdrücklich ein möglicher Verkauf. „Deshalb halten wir uns auch mit Fördermitteln zurück, weil die jahrelange Bindefristen haben, bei einem Verkauf das Geld zurückgezahlt werden müsste“, sagt der Bürgermeister. Eine Arbeitsgemeinschaft Schloss beschäftige sich mit der Frage, ob die Gemeinde überhaupt in der Lage ist, das Wasserschloss zu erhalten. Im vergangenen Jahr gab es 37 000 Euro Fördermittel, für dieses Jahr etwa 60 000 Euro. Das Geld soll eingesetzt werden, um vor allem den Schwamm zu bekämpfen.

Wie leicht das Schlossgelände unbefugt betreten werden kann, zeigte sich Silvester 2015. Jugendliche schlugen ein Fenster ein und gelangten dadurch in das Gebäude. Dort zerstörten sie von innen mehrere Fenster aus Acrylglas. Die Täter kletterten auch auf das Dach, rissen Betonelemente heraus und warfen sie zu Boden. Der Schlossverein führt regelmäßig Schlossführungen durch. Klaus Heise sieht auch das kritisch: „So wie es hier aussieht, würde ich mich schämen, Leute einzuladen.“