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Freitag, 18.05.2018

Gärtner denken ans Aufgeben

Die Beete sind bestellt. Auch in diesem Herbst wird in der Sparte „Zur Linde“ geerntet. Doch der Leerstand belastet den Vorstand.

Von Heike Heisig

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Etwa 30 der 80 Gärten der Sparte „An der Linde“ in Leisnig stehen leer. Das bedeutet einen Mehraufwand für die verbliebenen Kleingärtner, die die freien Flächen wenigstens einigermaßen in Schuss halten. Wie lange dieser Kraftakt noch zu bewältigen ist, wissen die derzeitigen Vorstandsmitglieder nicht. Möglicherweise könnte das Land später einmal ein Eigenheimstandort werden.
Etwa 30 der 80 Gärten der Sparte „An der Linde“ in Leisnig stehen leer. Das bedeutet einen Mehraufwand für die verbliebenen Kleingärtner, die die freien Flächen wenigstens einigermaßen in Schuss halten. Wie lange dieser Kraftakt noch zu bewältigen ist, wissen die derzeitigen Vorstandsmitglieder nicht. Möglicherweise könnte das Land später einmal ein Eigenheimstandort werden.

© André Braun

© André Braun

Leisnig. Die Idee, die Gartengaststätte zu einem Eigenheim umzunutzen, hat bei Leisnigs Stadträten nicht nur Ablehnung hervorgerufen. Elgine Tur de la Cruz (Die Linke) regte an, das Gespräch mit dem Vorstand der Sparte zu suchen und die Mitglieder nach ihren Zukunftsvisionen zu befragen. Denn so abwegig hält es die Rätin dann doch nicht, die Fläche der jetzigen Sparte dem Eigenheimstandort An der Gucke, Anton-Günther- und Lönsstraße zuzuschlagen. Dafür spräche unter anderem, dass die Kommune selbst anderswo keinen zusammenhängenden Eigenheimstandort mehr ausweisen kann, weil es ihr dafür schlichtweg an geeigneten Grundstücken mangelt.

Die Vorstellung, dass ihre liebevoll gebauten Lauben und gepflegten Gartengrundstücke einmal verschwinden könnten, macht den derzeitigen Gärtnern der Sparte „An der Linde“ nicht wirklich Angst. Jedenfalls auf Karin Swigon trifft das zu. Sie hat als geschäftsführendes Vorstandsmitglied Verantwortung für die Finanzen übernommen, kümmert sich aber auch sonst um vielerlei Dinge. Zum Vorstand gehören noch zwei Männer, einer fällt zumindest für die Aufgaben in der Gartengruppe vorübergehend aus, weil er familiär stark eingespannt ist. Somit spiegelt sich im Vorstand die aktuelle Situation in der Sparte wieder.

Wie Karin Swigon berichtet, stünden von insgesamt 80 Gärten schon 30 leer. Das ist bald die Hälfte und heißt, jeder Laubenpieper muss theoretisch nicht nur seinen Garten, sondern noch einen unbewirtschafteten zweiten mit pflegen. „Wir haben jetzt überall dort, wo es keinen Pächter mehr gibt, Gras eingesät, um die Pflege zu erleichtern“, sagt die Finanzchefin des Vereins. Doch selbst an der Mahd könnten sich einige Mitglieder aus Altersgründen kaum oder gar nicht mehr beteiligen.

Auch finanziell belastet der Leerstand den Verein beziehungsweise die Mitglieder. Stromkosten zum Beispiel müssten vorgeschossen werden, erklärt Karin Swigon. Grundsteuer und Versicherungen gingen durch immer weniger Nutzer oder der Fehlbetrag müsse aus der Vereinskasse ausgeglichen werden. „Wir machen uns deshalb durchaus Sorgen, wie es weitergehen soll“, gibt das Vorstandsmitglied der Sparte zu. Sie deutet an, dass das Aufgeben bei diesen Überlegungen durchaus eine Option ist – aber nicht sofort. „Wir haben jetzt erst einmal für vier Jahre einen neuen Vorstand gewählt. Wenn die Amtszeit abgelaufen ist, wird neu entschieden“, so Karin Swigon. Wenn sie realistisch bleiben wolle, lasse die aktuelle Situation aber nur einen Schluss zu: „Das ewige Leben haben wir als Gartengruppe nicht mehr.“

Schade, findet Christian Werner, der Chef des Döbelner Kreisverbandes der Kleingärtner. Obwohl die Leisniger Sparte dort nicht organisiert ist, kennt sie Werner natürlich. Er spricht von einer der ältesten Kleingartenanlagen in der Region Döbeln. Eine ähnlich lange Tradition haben die „Naturheilfreunde“ in Hartha.

Doch der Rückbau beziehungsweise die Auflösung von Sparten ist für Werner inzwischen beinahe Alltag geworden. In Waldheim hat er schon eine begleitet, in Hartha läuft gerade eine. In Roßwein steht der Rückbau einer Gartengruppe an. Selbst in Leisnig sind Parzellen mangels interessierter Bewirtschafter schon dem Erdboden gleichgemacht worden, und zwar an der Lönsstraße.

Mit der Umnutzung ihrer Gartengaststätte zu Wohnzwecken hätten die Kleingärtner nach den Worten von Karin Swigon übrigens kein Problem. Die Nachricht an sich sei für die meisten keine Überraschung gewesen. „Schließlich sprechen wir auch hin und wieder mit den bisherigen Wirtsleuten und Eigentümern“, sagt sie. Wichtig sei den Laubenpiepern aber, dass es nach wie vor eine Möglichkeit gibt, an der ehemaligen Gaststätte eine Toilette zu nutzen. Die ist von außen zugänglich. Eine solche Vereinbarung soll es dann auch mit den neuen Eigentümern geben – wenn es zum Verkauf und der geplanten neuen Nutzung kommt.

Auf die Frage, ob es von der Baubehörde des Landkreises inzwischen eine Entscheidung zur Umnutzung des Lokals in der Gartengruppe gegeben hat und wie die ausgefallen ist, antwortete das Landratsamt Mittelsachsen bis Redaktionsschluss nicht.

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