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Freitag, 29.12.2017

Fuß vom Gas

In Dresden werden seit einigen Monaten immer mehr Tempo-30-Bereiche eingerichtet. Was steckt dahinter?

Von Sandro Rahrisch

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Sowohl als Schild, als auch auf die Straße gemalt: Tempo 30 kann nicht übersehen werden. Doch nicht jeder hält sich dran.
Sowohl als Schild, als auch auf die Straße gemalt: Tempo 30 kann nicht übersehen werden. Doch nicht jeder hält sich dran.

© dpa

Manche Autofahrer werden eine Verschwörung wittern. Eine neue Taktik, um sie in die teure Blitzerfalle zu locken. Denn seit Sommer verteilt die Stadtverwaltung ungewöhnlich viele Tempo-30-Schilder an Dresdens Hauptstraßen. Sie stellt sie dort auf, wo vorher 50 km/h erlaubt waren. Ihre Kasse will sie damit aber ganz und gar nicht füllen.

Vor Schulen, Kitas, Pflegeheimen und Krankenhäusern darf die Stadt seit diesem Jahr auf jeweils 300 Meter langen Abschnitten die reguläre Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h kippen, zumindest zu den Öffnungszeiten. Damit sollen Unfälle mit Kindern, Rentnern und Patienten verhindert werden, die versuchen, über die Straße zu kommen. Bislang waren die Hürden hoch, wenn die Einrichtungen an Kreis-, Staats- und Bundesstraßen lagen. Galten die Abschnitte nicht als Unfallschwerpunkt, durfte der Verkehr nicht eingeschränkt werden – ohne Verletzte kein Tempo 30.

Mit etwa 90 Standorten hat sich die Dresdner Straßenverkehrsbehörde in den letzten Monaten befasst, teilt die Verwaltung mit. Viele Vorschläge kamen von den Dresdnern selbst. Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) hatte sie im Frühjahr aufgerufen, unsichere Stellen zu melden. Das Ergebnis: Dresden hat seit dem Sommer schon 44 neue Tempo-30-Abschnitte bekommen – verteilt über das ganze Stadtgebiet.

60 km/h-Limit vor Naturschule bleibt

Vor zehn Schulen, gut 20 Kindergärten und neun Wohn- und Pflegeheimen müssen Autofahrer nun die Geschwindigkeit drosseln. Weitere dürften dazukommen. Zwischen Albertplatz und Albertbrücke könnte zum Beispiel bald das Tempo-50-Schild ausgetauscht werden – eine Maßnahme gegen den Lärm in der Neustadt. Dort geht das Rathaus noch einen Schritt weiter: Innerhalb der nächsten drei Jahre soll südlich des Bischofsweges eine Tempo-20-Zone eingerichtet werden.

Vom sächsischen ADAC kam zuletzt kein Widerspruch gegen die neuen Langsamfahrstrecken. „Die neue Regelung ist vernünftig und es wird verantwortungsvoll damit umgegangen“, sagte Markus Löffler. Er habe noch nicht erlebt, dass die Kommunen mit der Gießkanne Tempo 30 verteilt hätten. „Das wird alles genau geprüft.“

Sehr genau, wie Grünen-Stadträtin Ulrike Caspary erfahren hat. Sie wollte wissen, warum die Autos an der Königsbrücker Straße im Bereich der Natur- und Umweltschule sogar 60 km/h fahren dürfen. Die Straßenverkehrsbehörde beruft sich auf allerlei Paragrafen und teilt im Ergebnis mit, dass man mit Tempolimits sparsam umgehen müsse. Da die Kinder über eine Ampel die Königsbrücker Straße überqueren könnten, sehe die Stadt keine erhöhte Gefahr und somit auch keinen Anlass für Tempo 50 oder 30.

Auf Nebenstraßen hat Dresden Tempo 30 bereits zur Regelgeschwindigkeit erklärt. Auf mehr als 95 Prozent darf nicht schneller gefahren werden. Insgesamt gibt es über 300 Tempo-30-Zonen. Ob das taugt, auch die dicke Dresdner Luft sauberer zu machen, darüber streiten sich Experten. Der ADAC hatte im vergangenen Jahr eine Studie in Auftrag gegeben. Weder Stickoxide noch Kohlenstoffdioxid konnten mit einer niedrigeren Höchstgeschwindigkeit reduziert werden, so das Resultat mehrerer Testfahrten, bei denen der Schadstoffausstoß gemessen wurde. Wirkungsvoller wäre dagegen flüssiger Verkehr, also Grüne Wellen zum Beispiel, so der deutsche Automobilklub.

So ganz wollen die Städte den Ergebnissen offenbar nicht trauen. Berlin führt derzeit eine eigene Studie durch.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 18 Kommentare

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  1. Hundling

    Und ich dachte, es stecken Chemtrails und H.A.R.P. dahinter...

  2. Aktionismus

    Große Teile von Laubegast sind seit Jahren Tempo 30 Zone. Eine Kontrolle innerhalb dieses Gebietes findet nicht statt. Es gab meines Wissens seit mindestens 15 Jahren keinerlei Geschwindigkeitsmessung. Somit gibt es auch keinen Nachweis, ob diese Vorschrift letztendlich auch eingehalten wird und etwas nützt.

  3. DD

    Um ihren Fest installierten Sessel zu erhalten muss ja etwas getan werden.

  4. Klaus

    Wer von Pillnitz Richtung Körnerplatz fährt, der muss mehrmals auf 30 abbremsen. Ein einheitliches Tempolimit von 30 würde Staus vermeiden und den Verkehr flüssiger gestalten!

  5. Driver

    Irgendwie ist da immer die selbe Leier: 30er Zonen,Neue Straßenbahnen, Parkplätze ....Gääähn ! Ich denke mal morgen ist wieder das Thema von vor 4 Tagen dran: "dvb bestellen neue Strapenbahnen"!Übermorgen: WOW "dvb haben zu wenig Platz in Bussen und Strabas" ! Nächste Woche dann : "Parkplätze am Schillerplatz werden knapp" ....

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