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Donnerstag, 07.09.2017

Für den Ernstfall vorbereitet

In der Badesaison wachen die Mitglieder der Hoyerswerdaer Wasserwacht auch am Geierswalder See.

Von Rainer Könen

Fernglas ist Pflicht im Ausguck der Wasserwacht: Fabian Helferich (17) aus Tätzschwitz beobachtet das Geschehen.
Fernglas ist Pflicht im Ausguck der Wasserwacht: Fabian Helferich (17) aus Tätzschwitz beobachtet das Geschehen.

© Rainer Könen

Die Badesaison neigt sich dem Ende zu. Ein durchwachsener Sommer. Doch immer, wenn es warm war, strömten die Badegäste an den Geierswalder See. So schön und erfrischend Baden ist, immer wieder kommt es an Stränden bei Menschen zu gesundheitlichen Problemen oder Badeunfällen. Dann kann nur noch eine schnelle Rettung helfen. Das Mädchen, das an jenem Samstagmittag in dem für Badende abgegrenzten Bereich des Geierswalder Sees nach Hilfe ruft, ist vielleicht rund 30 Meter vom rettenden Strand entfernt, immer wieder taucht es ab, kommt hoch, schlägt mit den Armen verzweifelt um sich. Wasserwacht-Mitarbeiter Fabian Helferich sprintet über den Strand, in der Hand eine Rettungsboje, wenig später ist er bei der jungen Frau und – Gelächter ist nun zu hören. Und die helle Stimme von Edgar Böttcher: „Fabian, du machst jetzt das, was wir gelernt haben.“ Der 17-jährige Tätzschwitzer grinst, als er das Mädchen mit dem knallroten Badeanzug aus dem Wasser zieht. „Stabile Seitenlage!“ hört man Edgar Böttcher rufen. Und als Fabian sich über sie beugt, kichert Tamina Fröhlich, die, wie Fabian Helferich, zur Wasserwacht-Crew gehört, die an diesem Tag Dienst am Geierswalder See hat. Die kleine Rettungsübung hatte Edgar Böttcher ganz spontan anberaumt. An diesem Wochenende ist das Wetter unsommerlich. Mit 20 Grad ist es relativ kühl, wickeln sich die vier Mitglieder der Hoyerswerdaer Wasserwacht in ihre grauen Decken, schauen von ihren Liegen, die hier oben auf der Dachterrasse ihres Containers stehen, via Feldstecher auf das, was sich da unten, am Strand, im Wasser, abspielt.

Eine Handvoll Menschen tummelt sich da, hat ihre Handtücher ausgebreitet, auf dem Wasser treiben zwei Surfer. Im Vergleich dazu herrscht in der Captain-Hook-Cocktailbar, die nur wenige Meter vom Wasserwacht-Container entfernt ist, Hochbetrieb. Es ist kurz nach 13 Uhr. Edgar Böttcher (19) ahnt, dass dieser Dienst sich hinziehen wird. Der Dresdner ist Vorstandsmitglied bei der Hoyerswerdaer Wasserwacht und ist wie die anderen auch von 11 Uhr bis 19 Uhr im Einsatz. Seit zehn Jahren, immer von Juni bis August, wachen die Hoyerswerdaer Wasserwachtler über den Badebetrieb am Geierswalder See. Hier haben sie ihr Domizil, zwei Container, in denen auch Betten stehen. Sanitäre Einrichtungen, eine kleine Kochküche: alles ist recht spartanisch eingerichtet. Aber das eigentliche Leben der Wasserwachtler spielt sich auf dem Containerdach ab. Edgar Böttcher ist es ein Anliegen, bei dieser Gelegenheit auch mal zu betonen, dass ihre ehrenamtliche Tätigkeit am Geierswalder See absolut nichts mit „Baywatch“ zu tun hat, dieser US-Serie, die in 144 Ländern ausgestrahlt wird, eine Milliarde Zuschauer hat, und in der Hauptdarsteller David Hasselhoff als Lifeguard immer in Action ist. Klar wissen die vier, die Dienst haben, dass so eine TV-Serie dramatische Momente braucht. Das Leben eines Wasserwacht-Mitgliedes hingegen hat an einem Wochenende im Lausitzer Seenland nicht die ganz großen Spannungsbögen. Statt Piloten aus einem notgewasserten Flugzeug zu holen oder Surfer vor Haien zu retten, versorgen die Wasserwachtler Insektenstiche oder Platzwunden, wenn Skater ihr Leistungsvermögen falsch eingeschätzt haben. Die Aufgaben reichen da vom Pflaster-Kleben bis zur Hilfeleistung am gekenterten Segelboot. Ein wenig eingezwängt steht der Container der Wasserwacht zwischen Cocktailbar, der Toilettenanlage und dem Domizil von Surf-Renner. Wachleiter dieser Schicht ist der 17-jährige Christopher Heinz. Sein Fazit nach dreistündigem Dienst: „Wir werden sicher heute früher Schluss machen.“ Normalerweise ist an heißen Tagen in der Zeit zwischen 12 und 15 Uhr „mächtig Trubel“, erzählt Christopher Heinz. Normal wäre dann auch, dass man auf dem rund 500 Meter langen Strand kaum noch einen freien Platz für sein Badetuch findet. Aber heute ist einfach nichts los. Gähnende Leere. Nur zwei Frauen schwimmen in dem mit Bojen abgegrenzten Badebereich.

Was die Wasserwachtler bei ihrem Dienst auf gar keinen Fall dürfen: in den Urlaubsmodus verfallen. Aber das wissen alle bei der Hoyerswerdaer Wasserwacht, die derzeit rund 130 Mitglieder hat. Wachsamkeit ist das A und O ihres Jobs. Bisher habe man am Geierswalder See noch keine großen Unfälle gehabt, so Edgar Böttcher, auch sei noch niemand ertrunken. Allerdings müsse man immer auf den Ernstfall vorbereitet sein. Auch wenn der, wie an diesem Tag, nur als Übung daherkommt.