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Freitag, 29.12.2017 Kommentar

Fünf Jahre Aufschwung

SZ-Redakteur Georg Moeritz über Sachsens wachsende Wirtschaft.

Von Georg Moeritz

SZ-Redakteur Georg Moeritz
SZ-Redakteur Georg Moeritz

© Robert Michael

Seit vier Jahren ist Sachsens Wirtschaft im Aufschwung, und die Konjunkturforscher sagen fürs nächste Jahr noch einmal leicht steigendes Wachstum voraus. Damit entstehen auch wieder mindestens 20 000 zusätzliche Arbeitsplätze, vor allem in Dienstleistungsberufen. Schon warnt Sachsens Arbeitgeberpräsident Jörg Brückner Politiker davor, übermütig zu werden und den Unternehmern mit neuen Vorschriften die Arbeit zu erschweren. Grundsätzlich hat Brückner recht: Der nächste Abschwung kommt bestimmt. Jahrelanges Wachstum führt automatisch zu ausgelasteten Kapazitäten und steigenden Preisen, zunehmend können nicht mehr alle Aufträge erfüllt werden.

Doch noch ist kein Abschwung in Sicht. Falls das Wachstum in ein bis zwei Jahren nachlassen sollte, hätte die Region Dresden trotzdem den Vorteil neuer Fabriken: Für 2019 ist die Tabakstäbchen-Fabrik von Philip Morris mit 500 Arbeitsplätzen in Dresden angekündigt, für 2020 die Homann-Salatfabrik in Leppersdorf mit 800 Stellen, dann für 2021 die Dresdner Mikrochipfabrik von Bosch mit 700 Stellen. Damit droht allerdings der Gegensatz zwischen Hauptstadt und Land noch größer zu werden. Das Bombardier-Waggonbauwerk in Görlitz soll 800 Stellen bis Ende 2019 streichen, das Siemens-Turbinenwerk dort mit mehr als 900 Arbeitsplätzen ist 2023 in Gefahr.

Das größte Risiko droht Sachsen laut Umfragen unter Chefs durch Fachkräftemangel. Der ist aber selbstverschuldet, wenn Unternehmen dem Nachwuchs keine guten Aussichten bieten und zum Wegziehen motivieren. Wenigstens kann sich Dresden darüber freuen, dass junge Leute in die Landeshauptstadt ziehen und nicht etwa nach Schwaben oder Hessen.

Dabei hat der Kreis Görlitz auch gute Nachrichten zu bieten: In Rothenburg zeigen Chinesen ernsthaftes Interesse, eine Elektroautofabrik zu bauen. Sie würde mehr als 1 000 Arbeitsplätze bringen. In Kodersdorf hat das Sägewerk Schweighofer 100 Stellen angekündigt, SQS-Software in Görlitz 50. Auch westlich von Dresden lassen Fabrikanten ihre Hallen erweitern. Sie sind vorbereitet, wenn der nächste Abschwung kurz ausfällt. Der nächste Aufschwung kommt bestimmt.


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