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Donnerstag, 26.01.2017

Frustrierte Eislöwen

Trainer Bill Stewart attestiert seiner Mannschaft nach dem 1:2 gegen Bietigheim Selbstverliebtheit – doch deren Reaktion beweist das Gegenteil.

Von Cornelius de Haas

Nach der vierten Niederlage gegen Bietigheim platzt ihm der Kragen: Eislöwen-Coach Bill Stewart.
Nach der vierten Niederlage gegen Bietigheim platzt ihm der Kragen: Eislöwen-Coach Bill Stewart.

© Robert Michael

Die Niederlage gegen den Tabellenführer nagt gewaltig an Bill Stewart. Auf der Pressekonferenz nach dem 1:2 gegen die Bietigheim Steelers versucht der Eislöwen-Coach, seine Enttäuschung mit dem Abwischen des vor ihm stehenden Tisches zu kompensieren. Vergeblich. Immer wieder fährt er mit seiner Hand über die Platte, doch als der 59-Jährige nach seiner Meinung zum Spiel gefragt wird, kann er sich nicht mehr zurückhalten und versucht gar nicht erst, seinen gut fünfminütigen Monolog auf Deutsch zu halten.

„Der Grund, warum Bietigheim gewonnen hat, ist die Siegermentalität, welche die Mannschaft als Team aufs Eis bringt. Sie sind ein älteres, aber besonders auch ein cleveres Team“, sagt der Kanadier. Wie frustriert er wirklich ist, zeigt sich im Fortgang des Satzes. Die Steelers seien eine Mannschaft, die „nicht aufgibt und sich nicht für den dritten Platz selbst liebt“. Außerdem hätten einige seiner Spieler Strumpfhosen angehabt. Damit ließe sich kein Eishockeyspiel gewinnen, sagt er – und geht. Nachfragen unerwünscht.

Heftigere Trainerschelte für die eigenen Akteure gab es wohl zuletzt bei Ex-Dynamo-Coach Eduard Geyer. Zu erklären ist das damit, dass es am Dienstagabend bereits die vierte Saisonpleite gegen den Spitzenreiter der Deutschen Eishockey Liga 2 setzt – und diese nach dem 2:4 beim SC Riessersee die zweite Niederlage in Folge darstellt. Nachdem Stewart die vergangenen drei Spiele zu einer Standortbestimmung erklärt hatte, kann er diesen negativen Umstand nun „nicht akzeptieren“.

Dabei sieht Gäste-Coach Kevin Gaudet die Dresdner nicht so schlecht: „Es war ein schnelles Spiel von beiden Mannschaften. Wenn zwei Top-Teams aufeinandertreffen, ist das Momentum entscheidend.“ So sei das erste Tor wichtig für das Bietigheimer Selbstbewusstsein gewesen, aber eben auch, dass einem Eislöwen-Pfostentreffer das 2:0 folgte. Und nach dem letzten Drittel, das „die Eislöwen wie die Feuerwehr begonnen“ hatten, konstatiert der 53-Jährige: „Wir hatten viel Puckglück, und ich bin glücklich, dass sie kein Glück hatten – Dresden hätte einen Punkt verdient.“

Fehlendes Glück will bei den Dresdner Spielern aber niemand gelten lassen. Frustriert schließen die sich nach der Partie in der Kabine ein, mindestens ein Teller und eine Kanne gehen dabei zu Bruch. Erst nach einigen Minuten kommt schließlich Steven Rupprich heraus und räumt ein, dass man im ersten Drittel die Grenzen aufgezeigt bekommen habe.

„Da haben wir es nicht geschafft, die Räume eng zu machen und häufiger an die Scheibe zu kommen“, sagt der Stürmer. „Wir nehmen uns so viel vor, wir kommen heiß raus und geraten dann relativ billig 0:2 in Rückstand.“ Warum das passierte – da ist auch der 27-Jährige ratlos: „Ich weiß nicht, ob uns das nötige Selbstvertrauen gefehlt hat. Wir wissen eigentlich, dass wir es drauf haben, sie zu schlagen, aber wir zeigen es nicht. Zumindest nicht über die gesamte Spieldauer.“ Dass mangelnde Fitness ein Grund dafür sein könnte, schließt Rupprich – in der Vorsaison noch Kapitän der Eislöwen – aber kategorisch aus. „Daran liegt es sicher nicht, wir haben die Steelers in den letzten 20 Minuten ja kaum noch aus ihrem Drittel kommen lassen.“

Bitter sind die verlorenen Punkte vor allem hinsichtlich der Play-offs. Für die beste Ausgangsposition soll am Ende der Hauptrunde wenigstens Platz drei stehen. Derzeit finden sich die Dresdner auf diesem wieder. Doch in der nächsten Woche sind sie zum Zusehen verdammt. Zwei Spiele mehr als die Konkurrenz haben die Eislöwen bereits absolviert, nun müssen sie am Sonntag und am darauffolgenden Freitag abwarten, ob Kaufbeuren, Kassel und die Lausitzer Füchse an ihnen vorbeiziehen. Für Rupprich ist das egal. „Wir brauchen nicht auf andere Teams zu gucken, wir müssen unsere Leistung bringen und die Punkte holen“, formuliert er die Erwartungshaltung an sich und seine Mitspieler.

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