• Einstellungen
Dienstag, 02.01.2018

Frühere Getränkehalle verschwindet

Die Firma Birkenstock reißt den Schandfleck an der Hussitenstraße in Görlitz als Ausgleichsmaßnahme für ihre Erweiterung ab.

Von Daniela Pfeiffer

Seit der Schließung unansehnlich geworden: Die alte Getränkehalle an der Hussitenstraße in Königshufen verfällt seit Jahren. Im Sommer ist davon nicht mehr viel zu sehen, alles ringsherum ist zugewachsen, jetzt im Winter haben Anwohner allerdings den Blick darauf.
Seit der Schließung unansehnlich geworden: Die alte Getränkehalle an der Hussitenstraße in Königshufen verfällt seit Jahren. Im Sommer ist davon nicht mehr viel zu sehen, alles ringsherum ist zugewachsen, jetzt im Winter haben Anwohner allerdings den Blick darauf.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

In einem kleinen Wäldchen steht sie da, die ehemalige Getränkehalle an der Hussitenstraße. In einem miesen Zustand – eigentlich kann man sie nur noch als Ruine bezeichnen. Vermüllt, die Wände vollgesprüht, ein Ort für Trinker und Drogenjunkies soll sie sein.

Ein Dorn im Auge von Anwohnern und Stadtverwaltung war sie schon lange. Der Bürgerrat Königshufen hatte das gleich nach seiner Gründung vor zwei Jahren als wichtiges Ziel benannt. Vor allem die Angst, dass Kinder und Jugendliche sich hier verletzen könnten – etwa durch die herumliegenden Scherben –, war groß. Aktuell gibt es diesen Bürgerrat zwar nicht, aber in Sachen Getränkehalle hat der Druck offenbar etwas genützt. Denn das Gebäude soll nun abgerissen werden. Im Zuge der eigenen Erweiterungsmaßnahmen im Görlitzer Norden will die Firma Birkenstock als Ausgleichsmaßnahmen unter anderem die Getränkehalle rückbauen. Das steht in einer Beschlussvorlage, der der Stadtrat im Dezember zugestimmt hat.

Das Grundstück ist städtische Fläche, Verwalter ist offenbar der städtische Großvermieter Kommwohnen. Zwar sagt Stadtsprecher Wulf Stibenz, man wolle aus Datenschutzgründen keine Angaben zu den Besitzverhältnissen machen, jedoch steht im Beschluss, dass die Fläche Eigentum der Stadt Görlitz ist. Laut Beschluss soll auch der Zaun verschwinden.

Kommwohnen-Geschäftsführer Arne Myckert hatte in einem früheren SZ-Gespräch zu dem Thema gesagt, man versuche, die Gebäudeteile gegen das Betreten durch Unbefugte zu sichern. Doch Unbekannte würden sich immer wieder gewaltsam Zutritt verschaffen und Bemühungen zunichtemachen. Nun hat die Stadt also offenbar dem Schuhhersteller Birkenstock das Objekt ins Visier gerückt. Es ist üblich, dass Unternehmen, die Flächen in der Natur bebauen, Ausgleich schaffen müssen.

Birkenstock will an seinem Standort im Gewerbegebiet Ebersbach ein neues Sozialgebäude bauen. Dem hatte der Görlitzer Stadtrat zwar schon im Dezember 2015 zugestimmt, jedoch hat das Unternehmen seine Erweiterungsabsichten noch einmal korrigiert. So soll es nun doch kein Parkhaus und keinen Erweiterungsbau für Logistik, Produktion und Verwaltung geben. Aufgrund der geänderten Planung muss der Entwurf des Bebauungsplanes erneut öffentlich ausgelegt werden.

Allerdings will Birkenstock für drei Millionen Euro einen neuen Sozialbau errichten. Das bestätigte Unternehmenssprecher Jochen Gutzy im Sommer der SZ. Duschen, Umkleide- und Aufenthaltsräume sollen der enorm gestiegenen Mitarbeiterzahl Rechnung tragen, Birkenstock hatte in den vergangenen zwei, drei Jahren von etwa 450 Mitarbeitern auf mehr als 1 000 Leute aufgestockt – zunächst noch unter dem Namen Alsa.

Wann allerdings die Getränkehalle nun genau abgerissen wird, ist noch nicht klar. Auch, ob die Bäume rings um die Ruine gleich mit gefällt werden, ließ die Stadtverwaltung bisher noch unbeantwortet.

Desktopversion des Artikels