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Dienstag, 17.04.2018

Frontalangriff auf Trump

Der ehemalige FBI-Chef Comey geht mit dem Präsidenten hart ins Gericht. Und äußert im Interview eine Warnung.

Von Thomas J. Spang, SZ-Korrespondent in Washington

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Mit seiner Kritik an Präsident Trump hat James Comey viel Staub aufgewirbelt. Am Sonntagabend hat der frühere FBI-Chef seine Vorwürfe wiederholt – in einem Exklusivinterview für den US-Fernsehsender ABC.
Mit seiner Kritik an Präsident Trump hat James Comey viel Staub aufgewirbelt. Am Sonntagabend hat der frühere FBI-Chef seine Vorwürfe wiederholt – in einem Exklusivinterview für den US-Fernsehsender ABC.

© picture alliance/Michael Reyno

Sonntagabend, 22 Uhr: Über Tage fieberten die USA dem ersten großen Exklusiv-Interview entgegen, das James Comey seit seiner Entlassung als FBI-Direktor vor mehr als einem Jahr gewährte. Zu diesem Zeitpunkt klebten nicht nur Millionen Amerikaner vor ihren Mattscheiben. Diesen Termin hatte sich auch der Präsident im Kalender angestrichen.

Weil Trump bereits ahnte, was ihn in dem pünktlich zum Verkaufsstart des Buchs „A Higher Loyalty“ (Größer als das Amt) platzierten Interview erwartete, versuchte er den Autor des Bestsellers zu diskreditieren. Der „aalglatte“ Comey werde als „SCHLECHTESTER FBI-Direktor in die Geschichte eingehen“, twitterte der Präsident vor der Ausstrahlung des einstündigen Gesprächs bei ABC. Er bringe nichts richtig zu Ende, sei ein „Schleimbeutel“ und lüge. „Es war mir eine große Ehre, James Comey zu feuern.“

Das lag in Trumps Macht, bescherte ihm aber die Einsetzung von Sonderermittler Robert Mueller. Dieser prüft nun, ob der Präsident den FBI-Direktor feuerte, um die Justiz zu behindern. Nicht verhindern kann Trump dagegen das Erscheinen des Buchs und die PR-Kampagne des Verlags.

Mit bemerkenswerter Disziplin wiederholt der 57-jährige Zwei-Meter-Mann mit Sinn für Theatralik seine Warnung vor einem Präsidenten, der ihn an seine frühen Tage als Strafverfolger erinnert, in denen er in New York Jagd auf den Mob machte.

„Ich sage nicht, dass Trump den Leuten die Beine bricht oder von Ladenbesitzern Schutzgeld abpresst“, setzt Comey in dem ABC-Interview an. Aber die Führungskultur des Präsidenten erinnere ihn an das, was er beim Kampf gegen das organisierte Verbrechen erlebt habe.

Er sagt es, er schreibt es. Der Präsident führe seine Regierung im Stil der Mafia. „Der Boss hat absolute Kontrolle. Die Treueschwüre. Die Wir-gegen-sie Weltsicht. Das Lügen über alle Dinge, groß und klein, im Dienst eines Loyalitäts-Kodexes, der die Organisation über die Moral und die Wahrheit stellt.“

In „Größer als das Amt“, das am Dienstag weltweit in den Verkauf geht, schildert Comey detailliert, wie Trump versuchte, seine Loyalität zu erkaufen. Von dem denkwürdigen Abendessen kurz nach Amtsübernahme am 27. Januar im „Grünen Zimmer“ des Weißen Hauses, bei dem der Präsident über Vorwürfe gesprochen habe, die Frauen gegen ihn erhoben hatten.

„Ich kann diese Frau neben mir im Flugzeug auf keinen Fall begrabscht haben“, insistierte Trump zu den Aussagen einer Geschäftsreisenden, die genau das behauptet hatte. Auch die Behauptungen „Stormy Daniels“ seien nicht richtig. „Die Idee, dass ich einen Pornostar angefasst habe und ihr Geld bot, auf mein Zimmer zu kommen ist lächerlich.“

Moralisch nicht geeignet

Insgesamt sei Trump mit ihm vier Mal ausführlich auf das Thema zurückgekommen. Bei dem denkwürdigen „Dinner for two“ habe er dann verlangt, das FBI möge „beweisen, dass dies eine Lüge ist“. Dies sei eine schmerzhafte Geschichte für First Lady Melania.

Ein ums andere Mal habe ihn der Präsident bedrängt, die Ermittlungen in der Russland-Affäre zum Abschluss zu bringen. Kurz nachdem er sich weigerte, die Untersuchungen gegen den wegen seiner Moskau-Kontakte nicht mehr haltbar gewordenen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn einzustellen, feuerte ihn Trump. Der Moderator hakt in seinem Interview an dieser Stelle nach. Hat Russland etwas gegen Trump in der Hand? „Bei jedem anderen Präsidenten, mit dem ich zu tun hatte, wäre ich in der Lage gewesen, es mit fester Überzeugung zu sagen, aber ich kann es nicht. Es ist möglich.“

Comey hält für seine Landsleute eine Warnung bereit. „Was passiert, ist nicht normal“, schreibt Comey. „Wir durchleben gefährliche Zeiten in unserem Land. Fakten werden bestritten, fundamentale Wahrheiten infrage gestellt, Lügen normalisiert und unethisches Verhalten wird ignoriert, entschuldigt und belohnt.“ Das Ergebnis sei ein Flächenbrand.

Ob Trump für das Amt des Präsidenten geeignet sei, will ABC-Moderator Stephanopoulos wissen. Comey antwortet mit einem klaren „Ja!“, das er dann modifiziert. Er halte wenig davon, ihm Kompetenz abzusprechen oder Demenz zu unterstellen. Trump sei eine Person „von überdurchschnittlicher Intelligenz“, die genau wisse, was vor sich gehe. „Er ist nicht aus medizinischer Sicht ungeeignet, sondern ihm fehlt die moralische Eignung, Präsident zu sein.“

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. nettosteuerzahler

    Der Clinton Hofstaat im „Heul“-Modus……. mehr gibt es dazu nicht zusagen.

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