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Dienstag, 21.03.2017

Freiheit für die Schnauder

Der Bach ist in ein Rohr gezwängt. Jetzt soll er ein naturnahes Bett erhalten. Dafür ist einige Bürokratie nötig.

Momentan fließt die Schnauder unterirdisch durch ein 36 Meter langes Rohr in Richtung Striegis. Darüber befindet sich ein Damm. Der soll zurückgebaut und der alte Bachlauf freigelegt werden.
Momentan fließt die Schnauder unterirdisch durch ein 36 Meter langes Rohr in Richtung Striegis. Darüber befindet sich ein Damm. Der soll zurückgebaut und der alte Bachlauf freigelegt werden.

© Archiv/André Braun

Roßwein. Der Landkreis wird in der Behebung von Schäden aus dem Flutjahr 2013 ausgebremst. Eigentlich sollte schon im vergangenen Jahr bei Littdorf ein Durchlass verschwinden und stattdessen eine Brücke gebaut werden. Doch die Auftragsvergabe musste verschoben werden. „Der Baubereich befindet sich im Naturschutzgebiet. Deshalb muss ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden“, erklärte Dirk Schlimper, Referatsleiter Kreisstraßenbau, als es um die Straßenbauvorhaben des Landkreises im zweiten Halbjahr 2016 ging. Das Striegistal ist an dieser Stelle ein ausgewiesenes Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) und unterliegt damit einem speziellen Schutz. Jeder Eingriff in die Natur muss deshalb genauestens überprüft und aufwendig beantragt werden.

Inzwischen hat das Landratsamt ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren beantragt. Dabei muss es eine Umweltverträglichkeitsprüfung geben. Alle Unterlagen – vom Bauwerksplan über wassertechnische Berechnungen bis hin zum nötigen Grunderwerb – können ab sofort bis einschließlich 19. April im Bauamt der Stadt Roßwein eingesehen werden. Das ist zu den Dienstzeiten der Verwaltung, wochentags zwischen 9 und 12 Uhr sowie dienstags zusätzlich von 14 bis 19 Uhr und donnerstags noch von 14 bis 16 Uhr möglich. Betroffene können Hinweise und Einwände geltend machen. Die kommen bei einem Erörterungstermin auf den Tisch.

Wann genau die Bagger an der Straße in Richtung Grunau (K 7596) anrollen können, ist derzeit völlig offen. Bauamtsleiterin Petra Steurer, die die Stadträte über das Verfahren informiert hat, rechnet mit dem Bau erst im nächsten Jahr. Dann, so prognostizierte sie, werden die Arbeiten wohl wieder mit einer rund sechs Monate dauernden Vollsperrung verbunden sein. Betroffen wären in erster Linie wohl die Grunauer. Sie mussten erst rund zwei Jahre Umwege in Richtung Etzdorf und Böhrigen fahren, weil es ein Stück der Kreisstraße weggespült hatte. Im vergangenen Jahr folgten Einschränkungen durch Brückenbauarbeiten in Richtung Etzdorf. Nun wird in absehbarer Zeit länger in Richtung Niederstriegis/Roßwein gebaut.

Momentan fließt die Schnauder, so heißt der Bach, unterirdisch durch ein 36  Meter langes Rohr in Richtung Striegis. Darüber befindet sich ein Damm, über den früher einmal ein Straßenast führte. Der Damm soll zurückgebaut und der alte Bachlauf freigelegt werden. Ziel ist es, ein naturnahes Gewässerbett herzustellen. „Hätten wir von der Bauweise alles so belassen, wie es ist und nur die Schäden beseitigt, wäre kein Planfeststellungsverfahren erforderlich gewesen“, erklärte Dirk Schlimper. (DA/sig/sol)

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