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Dienstag, 14.11.2017

Freibier für die Bürger

Landespolitiker Sebastian Fischers Kampagne gegen den teuren Behörden-Neubau in Meißen.

Von Manfred Müller

Ins Gebet genommen: CDU-Landespolitiker Sebastian Fischer beim Kamingespräch mit Zabeltitzer Bürgern.
Ins Gebet genommen: CDU-Landespolitiker Sebastian Fischer beim Kamingespräch mit Zabeltitzer Bürgern.

© Manfred Müller

Zabeltitz. Warum eine Abgeordneten-Sprechstunde nicht mal mit einem Bier am lauschigen Kamin aufpeppen? CDU-Landtagsmitglied Sebastian Fischer sucht nach der Wahlschlappe seiner Partei den verlorengegangenen Draht zu den Bürgern.

Am Montagabend hatte er zu einer Diskussion in die Zabeltitzer „Alte Schmiede“ eingeladen – sogar per Plakat. Bier gab es zwar nur aus der Flasche, aber es ging auf Rechnung des Christdemokraten. Und tatsächlich: Wo sonst vielleicht ein, zwei Leute ihre Probleme mit dem Landespolitiker besprechen wollen, waren es diesmal immerhin zwölf.

Zabeltitz zählt nach der Eingemeindung in die Stadt Großenhain sicher nicht zu den ländlichen Gebieten, die sich abgehängt fühlen müssen. Hier gibt es noch Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, und es fließt eine Menge Geld ins Palais und in den Barockpark. Dennoch holte auch in Zabeltitz die AfD bei der Bundestagswahl mehr Stimmen als die CDU. Worauf er selbst die Niederlage zurückführe, wurde Sebastian Fischer gefragt. Eindeutig auf die Berliner Asylpolitik, so die Antwort. Andererseits gehe es gar nicht, wenn man den Unmut darüber nun an den Flüchtlingen auslasse.

Aber ganz so leicht wollten die Zabeltitzer den Abgeordneten nicht davonkommen lassen. Was sei zum Beispiel mit dem 25 Millionen Euro teuren Erweiterungsbau des Landratsamtes in Meißen? Das Prestigeobjekt wurde schließlich vom CDU-dominierten Kreistag, wenn auch nur mit knapper Mehrheit, beschlossen. Großenhain verliere knapp 100 Arbeitsplätze und habe mit Gebäudeleerstand zu kämpfen. Hier outete sich Fischer als Gegner des in weiten Teilen als unsinnig empfundenen Projekts. Er werde eine Kampagne gegen den Prestigebau starten, versprach er, und die Zabeltitzer seien gut beraten, ihren Protest ebenfalls zu artikulieren. Zum Beispiel mit entsprechenden Unterschriftensammlungen.

Aber auch im Dorf selbst ließen die Bürger den Abgeordneten wissen, stehe nicht alles zum Besten. Schließlich sei die Sparkassenfiliale dichtgemacht worden, was besonders ältere Menschen in ihrer Lebensqualität beeinträchtige. Und dann die unsäglichen Busverbindungen, besonders am Wochenende. Außerdem brauche Zabeltitz dringend einen Radweg nach Walda; die Lücke zum Stadtgebiet müsse endlich geschlossen werden.

Und was sei eigentlich mit dem lange versprochenen Ausbau der Kreisstraße zwischen der Zabeltitzer Ortsmitte und dem Bahnhof? Und mit den Schließungsplänen für den Bahnübergang? Hier konnten die Mitglieder des Ortschaftsrates weiterhelfen, die diese beiden Probleme auf der Tagesordnung ihrer letzten Sitzung hatten. Die Straße solle nun 2019 oder 2020 gebaut werden, informierte Rats-Vize Marek Börner.

Und eine Straßenüberführung der Strecke Berlin-Dresden komme zwischen 2025 und 2028. In diesem Zusammenhang beklagte Ortschaftsrätin Kathrin Bredemann die Gleichgültigkeit, die vor allem junge Zabeltitzer ihren ureigenen Angelegenheiten entgegenbringen. Zumindest dem Dutzend Disputanten, das auf ein Bier zu Fischers Bürgersprechstunde erschienen war, konnte man diesen Vorwurf nicht machen.

Sie brachten ein breites Spektrum an Problemen aufs Tablett – von der Ausbreitung der Schweinepest bis zur Waschbärplage im Barockgarten. Und sie ließen durchblicken, dass es nicht ausreiche, mal darüber geredet zu haben. Bis zum Jahresende soll der CDU-Politiker, der sich die Anfragen eifrig notiert hatte, dem Ortschaftsrat seine Antworten zukommen lassen. Erst dann wird sich zeigen, wie viel Bürgernähe ein Kaminabend mit Freibier herstellen kann.