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Donnerstag, 12.10.2017

Frankfurter Goetheturm brennt ab

Der Frankfurter Goetheturm, ein beliebtes Ausflugsziel, ist abgebrannt. Bürger und Politiker sind traurig und wütend. Sie vermuten Brandstiftung - und machen sich für den Wiederaufbau stark.

Von Petra Knobel und Ira Schaible

Der Goetheturm, ein Wahrzeichen Frankfurts, steht in Flammen.
Der Goetheturm, ein Wahrzeichen Frankfurts, steht in Flammen.

© dpa

Frankfurt/Main. Die brennende Spitze des Goetheturms im Frankfurter Stadtwald ist in der Dunkelheit wie ein Lichtsignal weithin sichtbar. Wenige Stunden später ist der rund 85 Jahre alte Holzturm völlig abgebrannt. Bürger und Politiker sind traurig, bestürzt und wütend.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) äußert sich am Donnerstag vor den noch qualmenden Balken des Ausflugsziels betroffen: „Der Goetheturm war ein Wahrzeichen, mit dem die Kinder dieser Stadt groß werden.“ Der 43 Meter hohe Aussichtsturm müsse möglichst schnell wieder eins zu eins aufgebaut werden. „Die Frankfurter sind sehr modern, an diesem Punkt aber sehr traditionsbewusst.“

Als die ersten der rund 60 Feuerwehrleute gegen 3.20 Uhr an dem in der ganzen Region beliebten Ausflugsziel im Stadtteil Sachsenhausen eintreffen, steht der Turm bereits lichterloh in Flammen. Wegen der Gefahr herabstürzender brennender Holzbalken löscht die Feuerwehr den Brand zunächst nicht, sondern sichert und kühlt die Umgebung. „Der Sachschaden lässt sich nicht beziffern“, sagt ein Feuerwehr-Sprecher. „Der ideelle Schaden ist aber riesengroß.“

„Es deutet alles auf Brandstiftung hin“, sagt Polizeisprecherin Isabell Neumann. „In dem Turm ist keinerlei Elektronik verbaut, und es ist auch kein Gewitter in der Nacht über uns hinweggezogen.“ Sicher sei dies aber noch nicht. Die Ermittlungen können erst beginnen, wenn alle Glutnester gelöscht sind.

Möglicherweise haben es die Ermittler sogar mit einer Brandserie zu tun. Im Frühsommer waren Holz-Pavillon in zwei Parks abgebrannt. Die Polizei ermittelt in beiden Fällen wegen Brandstiftung. Wenige Wochen später brannte der hölzerne Atzelberg-Turm im nahen Taunus.

Viele Frankfurter wollen sich am frühen Donnerstagmorgen ein eigenes Bild von der Zerstörung machen. Traurig schaut eine 70 Jahre alte Anwohnerin auf die verkohlten Holzpfeiler und Trümmer. „Ich wohne am Goetheturm“ - das habe sie immer gesagt, erzählt die Frau. „Wenn wir aus dem Urlaub nach Hause zurück kamen, haben wir ihn sogar aus dem Flugzeug gesehen.“ Ihr Mann habe dann immer gesagt: „Guck, da isser.“

Peter Weller (78) hat die 196 Stufen des Turms mehrfach in der Woche als Trainingsparcours genutzt - und sich oben mit der „tollen Aussicht“ für die Anstrengung belohnt. „Ich bin zutiefst traurig.“

Eine 74-Jährige sagt: „Als Kinder sind wir mindestens siebenmal am Tag oben gewesen.“ Sie habe den Turm geliebt. Dann wird sie wütend: „Es ist zum Kotzen, dass so schöne Dinge zerstört werden. Wer macht sowas und warum?“ Mit ihrer Wut ist sie nicht allein.

Stadtoberhaupt Feldmann sagt: „Nicht nur der Oberbürgermeister ist wütend, auch die Menschen in der ganzen Stadt sind wütend.“ Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) ist fassungslos: „Wer steckt ein Identifikationssymbol der Frankfurter in Brand?“

„Es wird auf jeden Fall einen neuen Turm geben“, versprechen zwei CDU-Stadträte aus der schwarz-rot-grünen Stadtregierung.

Wie der neue Turm allerdings genau aussehen werde, sei noch offen - zuletzt war er 2013/2014 saniert worden. Ungefähr ein Jahr müssten die Frankfurter auf jeden Fall ohne auskommen. Der OB hat unterdessen noch eine gute Nachricht: Viele Institutionen und Bürger hätten schon finanzielle Unterstützung beim Wiederaufbau zugesagt. (dpa)

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