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Donnerstag, 23.03.2017

Fragezeichen hinter Hausarzt-Studie

Die CDU will ein Gutachten zum Mediziner-Mangel finanzieren. Doch Analysen und Förderprogramme gibt es längst.

Von Peter Anderson

Der Blutdruck ist ein wichtiger Wert, um den Gesundheitszustand eines Patienten zu beurteilen. Ähnlich verhält es sich mit dem Grad der Hausarztversorgung für das Gesundheitswesen. Die CDU-Kreisräte möchten für 30000 Euro erfahren, wie es darum in der Region steht. Die Daten gibt es allerdings schon.
Der Blutdruck ist ein wichtiger Wert, um den Gesundheitszustand eines Patienten zu beurteilen. Ähnlich verhält es sich mit dem Grad der Hausarztversorgung für das Gesundheitswesen. Die CDU-Kreisräte möchten für 30 000 Euro erfahren, wie es darum in der Region steht. Die Daten gibt es allerdings schon.

© Bernd Weissbrod/dpa

Meißen. Vielleicht ist es der Bundestagswahlkampf, der auf den Meißner Kreistag abfärbt? Unter den Vorlagen für die nächste Zusammenkunft der Kreisräte am Donnerstag in der Riesaer Stadthalle Stern findet sich ein Antrag der CDU-Fraktion zum Thema Hausärzte. Traditionell wird dieser Bereich der Gesundheitspolitik eher durch die Landesebene und Verbände wie die Kassenärztliche Vereinigung abgedeckt. Dies reicht den Christdemokraten im Kreistag offenbar nicht mehr aus.

In einem sogenannten Haushaltsbegleitbeschluss fordern sie, für rund 30 000 Euro zu analysieren, wie das Hausarzt-System im Landkreis für die Zukunft gerüstet ist. Dabei sollte besonders beachtet werden, wie sich die Bevölkerung im Landkreis entwickelt und wie schnell die niedergelassenen Ärzte altern. Ziel der Studie sei es, den derzeit guten Zustand auch künftig zu erhalten, schreibt auf SZ-Nachfrage der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Rainer Jork. Sollten Lücken vorhergesagt werden, müssten „kommunale Angebote“ geprüft werden. Welcher Art diese sein sollen, bleibt offen.

Daten so umfangreich wie nie zuvor

Zuständig für das Hausarzt-Thema im Freistaat ist prinzipiell die Kassenärztliche Vereinigung (KVS) mit Sitz in Dresden. Sie kümmert sich darum, dass die vier Millionen Sachsen durch Mediziner sicher ambulant versorgt werden. Auf die von der CDU-Fraktion geforderte 30 000 Euro teure Studie angesprochen, verweist die KVS darauf, dass der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen vierteljährig untersuche, wo es bereits einen Mangel gebe oder künftig Engpässe drohten.

Seit vergangenem Jahr existiert zudem eine erweiterte Zukunftsprognose. Die Daten in dem von der KVS mit dem Sächsischen Sozialministerium in Auftrag gegebenen Gutachten sind so umfangreich und detailliert wie noch nie zuvor. „Dazu gehören Fragen danach, wie krank die Bevölkerung vor Ort ist, wie alt die Ärzte selbst sind oder wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich neue Mediziner vor Ort niederlassen“, erläuterte Michael Erhart vom beauftragten Berliner Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung im vergangenen Herbst der SZ. Aber auch Angaben über die Bevölkerung, die stationäre Versorgung vor Ort, und ob es sich um eine Region mit mehr oder weniger gebildeten und gut verdienenden Menschen handelt, würden nun berücksichtigt.

Aktuell liegt der hausärztliche Versorgungsgrad im Bereich Meißen zum 1. Januar dieses Jahres mit insgesamt 42 Medizinern bei knapp 103 Prozent. Bis zur Sperrgrenze können laut Kassenärztlicher Vereinigung noch drei Hausärzte zugelassen werden. Meißen schneidet damit deutlich besser ab als Krisenregionen wie Freital oder Hoyerswerda mit einem Versorgungsgrad von unter 90 Prozent. Dresden verfügt mit einem Grad von rund 107 Prozent nur über einen leicht besseren Wert als das Elbland. Fraglich bleibt unter diesen Umständen, welche neuen Erkenntnisse eine 30 000 Euro teure Studie des Kreises bringen soll und vor allem, welche Schlüsse daraus zu ziehen sein sollten.

Bereits jetzt hat der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen für sechs Hausarztstellen in Lampertswalde, Zeithain, Gröditz, Nossen, Lommatzsch und Meißen beschlossen, diese durch Zuschüsse bei Investitionen und einen Mindestumsatz zu unterstützen. Gleich mehrere Förderprogramme animieren zudem junge Mediziner, sich als Hausärzte auf den Dörfern niederzulassen. So angelt sich die Landesregierung während des Studiums entsprechende Kandidaten und lockt sie mit Geld. 1 000 Euro bekommen die Studenten pro Monat. Einzige Bedingung: Sie müssen nach ihrer Ausbildung mindestens sechs Jahre als Hausarzt in Sachsen arbeiten – aber nicht in der Großstadt.

Mit dem gleichen Ziel finanziert die KVS das Förderprogramm „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“. Der Verband bezahlt mit den Landesverbänden der Krankenkassen und den Verbänden der Ersatzkassen die Studiengebühren für 20 Studenten pro Jahrgang an der Universität Pecs in Ungarn für die Dauer der Regelstudienzeit. Die Studenten verpflichten sich im Gegenzug dazu, nach Abschluss des Studiums als Hausarzt im ländlichen Bereich Sachsens tätig zu werden.

Einen weiteren wichtigen Beitrag zur Abdeckung der Hausarztversorgung leisten die Elbland-Polikliniken. Sie betreiben mittlerweile vier Praxen in Meißen, Riesa, Weinböhla und Wülknitz.

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