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Montag, 16.04.2018

Fragerunde mit dem Trainer

Nach der Heimklatsche gegen Kiel muss Uwe Neuhaus den Dynamo-Gremien Auskunft geben. Steht er zur Disposition?

Von Daniel Klein

Einmal ganz tief durchatmen. Uwe Neuhaus darf die Mannschaft auch nach Dynamos 0:4-Pleite gegen Kiel weiter trainieren. Foto: Robert Michael
Einmal ganz tief durchatmen. Uwe Neuhaus darf die Mannschaft auch nach Dynamos 0:4-Pleite gegen Kiel weiter trainieren. Foto: Robert Michael

© Robert Michael

Wenn die Ultras schon vor dem Schlusspfiff beginnen, ihre Fahne einzurollen, muss es ernst sein. Richtig ernst. 86 Minuten hatten sie die Mannschaft unterstützt, erst mit einer riesigen Choreografie zum 65. Geburtstag von Dynamo, dann gewohnt stimmgewaltig. Doch nach dem dritten Kieler Tor ist es plötzlich ganz still im K-Block, die Stimmung beinahe gespenstisch.

Als die Mannschaft, die in der Nachspielzeit sogar noch ein viertes Gegentor kassiert, zu den treuesten Anhängern schlurft, um sich zu bedanken, erntet sie vereinzelt Applaus, mehrheitlich aber Pfiffe. Ein 0:4 zum Jubiläum – das ist dann doch zu viel. Dabei spitzt sich die Situation erst einen Tag später richtig zu. Durch Heidenheims Sieg gegen Düsseldorf rutschen die Dresdner auf Platz 15 ab, einzig das Torverhältnis trennt sie noch vom Abstiegs-Relegationsplatz 16, auf dem St. Pauli steht.

Am Samstagnachmittag ist das Entsetzen im Stadion zu spüren. Der Präsident huscht in die Kabine, Aufsichtsrat und Geschäftsführer lauschen bei der Pressekonferenz – alles nicht komplett ungewöhnlich, und doch irgendwie anders als sonst.

Der Trainer sagt, dass „wir es immer noch selbst in der Hand haben“, und er „absolut davon überzeugt ist, dass dieser Weg der richtige ist“. Uwe Neuhaus sagt nicht „mein Weg“, aber wenn man will, könnte man den Satz so umdeuten. Wenig später, als der offizielle Teil vorbei ist, erläutert er ausführlicher, was er damit meint. „Wenn wir von den letzten vier Spielen drei Unentschieden holen, wird es nicht reichen. Deshalb müssen wir gewinnen. Und um Tore schießen zu können, muss man sich Chancen erarbeiten. Ich glaube, dass es wenig nützt, wenn man sich hinten einigelt und versucht, die Null zu halten. Ich bin mir sicher, dass dies die Mannschaft nicht will – und auch nicht kann.“

Es ist nicht nur ein Plädoyer gegen einen Systemwechsel, sondern auch in eigener Sache. Am Sonntagvormittag wird Neuhaus von Vertretern aus den Vereinsgremien zur aktuellen sportlichen Situation befragt. Er muss nicht zum Rapport, wie es in vergleichbaren Fällen oft heißt, doch komplett unumstritten ist Dynamos Cheftrainer nach den Ergebnissen der vergangenen Wochen offensichtlich nicht mehr.

Ins Leben gerufen wurde eine Arbeitsgemeinschaft Sport, der neben dem Chefscout und Ralf-Minge-Stellvertreter Kristian Walter noch die Aufsichtsräte Dixie Dörner, André Gasch und Jens Hieckmann angehören. Die AG soll helfen, das Vakuum zu füllen, das durch den krankheitsbedingten Ausfall von Sportgeschäftsführer Minge entstanden ist. Einen Trainer zu suchen, ist nicht die vordergründige Aufgabe, und doch kursierten im Dynamo-Umfeld bereits die Namen Matthias Maucksch und Heiko Scholz. Beide sind derzeit in der Regionalliga beschäftigt, Maucksch bei Union Fürstenwalde, Scholz bei Lok Leipzig. Dass sie trotz gültiger Verträge kurz vor dem Saisonende wechseln dürften, ist unwahrscheinlich – und ob sie überhaupt geeignet wären, ein ganz anderes Thema.

Aber das hat sich ohnehin erledigt, denn Neuhaus steht nicht zur Disposition. Dies wurde auch der Mannschaft bereits mitgeteilt. Die letzten vier Spiele wird der 58-Jährige auf der Bank sitzen – und auch beim nichtöffentlichen Testspiel am Dienstag in Chemnitz. Dafür gibt es gute Gründe. Zwar ist der Trend der vergangenen Wochen eindeutig. Doch wirklich schlecht sind nur die Ergebnisse. Regelmäßig loben die Gästetrainer das Spiel der Schwarz-Gelben, so auch Kiels Markus Anfang, der von einer „sehr starken Dynamo-Mannschaft“ sprach, die „die nötigen Punkte ganz sicher noch holen wird“.

Nur darf sie bei all den schönen Kombinationen und Ballstafetten das Toreschießen nicht vergessen. Das Auslassen selbst bester Möglichkeiten zieht sich wie ein roter Faden durch diese Saison, genauso wie ärgerliche Aussetzer in der Defensive. Dies kostete viele Punkte, es sind aber meist individuelle und keine Systemfehler.

Neuhaus hat die Mannschaft seit seinem Start im Sommer 2015 einen attraktiven Offensivfußball spielen lassen. Es ist unklar, wie sie reagieren würde, wenn kurz vor dem Saisonende ein neuer Trainer mit neuen Ideen kommen würde. „Ich glaube“, so Neuhaus, „die Mannschaft ist so gestrickt, dass sie diesen Weg weitergehen und nicht alles umwerfen will.“

Eine interne Lösung spräche für Kontinuität, käme aber wohl auch nicht infrage. Co-Trainer Peter Nemeth hatte schon einmal als Chef ausgeholfen. Im Februar 2015 war er als Nachfolger von Stefan Böger präsentiert worden, saß bei 14 Drittliga-Partien auf der Bank und gewann von den ersten sieben Partien nur eine, weil die Mannschaft große konditionelle Probleme hatte.

Das Festhalten an Neuhaus ist auch deshalb nachvollziehbar, weil er bisher alle sportlichen Krisen bewältigt hat. In der Hinrunde war Dynamo nach fünf sieglosen Spielen und einer 1:2-Niederlage gegen Kaiserslautern auf den drittletzten Platz abgerutscht, feierte danach drei Siege in Folge.

Eine richtige Trainerdiskussion hat dagegen Holstein Kiel – nur aus einem ganz anderen Grund. Anfang wird als neuer Coach beim 1. FC Köln gehandelt, wollte sich dazu nach dem 4:0-Sieg in Dresden aber nicht äußern.

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