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Samstag, 20.05.2017

Fortschritt für Firmenneubau

Ein Unternehmen will sich auf einer landwirtschaftlichen Fläche ansiedeln – seit Jahren werden deshalb Akten gewälzt.

Von Antje Steglich

Die große Fläche am Ortsausgang von Bobersen wird von der Agrargenossenschaft nicht mehr gebraucht und soll verkauft werden.
Die große Fläche am Ortsausgang von Bobersen wird von der Agrargenossenschaft nicht mehr gebraucht und soll verkauft werden.

© Sebastian Schultz

Bobersen. Am Rand des kleinen Örtchens Bobersen hat die Agrargenossenschaft Unteres Sächsisches Elbtal Kreinitz viel Platz. Aktuell steht an der Mühlberger Straße noch eine große Lagerhalle, die aber nicht mehr gebraucht wird. Schon seit Jahren bemüht sich die Genossenschaft deshalb um eine Nachnutzung des Geländes. „Ursprünglich haben wir an eine Wohnbebauung gedacht“, sagt der Vorstandsvorsitzende Gerhard Förster gegenüber der Sächsischen Zeitung. Doch mit dem zweiten großen Hochwasser, das Bobersen im Juni 2013 zur Insel werden ließ, wurden diese Pläne verworfen. Stattdessen soll sich hier leises Gewerbe ansiedeln, kündigt Gerhard Förster an. Ganz konkret will die Agrargenossenschaft die Fläche an einen Unternehmer aus dem Ort verkaufen, der dort neu bauen möchte.

Zuvor müssen jedoch erst noch der Flächennutzungs- und der Bebauungsplan geändert werden. „Das dauert aber schon zwei Jahre“, bemängelt Gerhard Förster. Denn der Fall scheint etwas schwierig.

Aktuell wird der Bereich als Außenbereich und als Fläche für die Landwirtschaft ausgewiesen, heißt es aus der Gemeindeverwaltung Zeithain. Der Gemeinderat beschloss deshalb bereits im März vergangenen Jahres, den Flächennutzungsplan zu ändern und ein entsprechendes Verfahren einzuleiten. Das zieht sich allerdings bis heute hin. Denn insgesamt 27 Behörden beziehungsweise Träger öffentlicher Belange wurden zu dem Entwurf befragt, erklärt Bauamtsleiter Holger Koßwig. Und tatsächlich gab es Bedenken.

Knackpunkt Nummer eins ist die Hochwassergefahr. Deshalb darf ein Zipfel der Fläche auch nach der Änderung des Flächennutzungsplanes nicht bebaut werden, erklärte Holger Koßwig. Knackpunkt zwei ist der Kiesabbau. Weil das offizielle Abbaugebiet bis an den Ort Bobersen heranreicht, versagte das Oberbergamt nämlich zunächst seine Zustimmung. Grund ist eine eventuelle Lärmbelastung für die künftigen Bewohner, wenn der Kiesabbau in zehn bis 15 Jahren erweitert werden soll. Schließlich ging man zu Beginn der Planänderung davon aus, dass die Fläche der Agrargenossenschaft auch für eine Wohnbebauung geöffnet werden soll. In Absprache mit der Firma Holcim, die in Röderau-Bobersen die Zulassung zum Kiesabbau besitzt, wurde deshalb erst noch eine Lärmprognose erstellt, erklärte der Bauamtsleiter. „Deshalb hat das alles so lange gebraucht.“

Immerhin fiel die Prognose nun positiv aus. Laut Gutachten werde die Grenze der Lärmbelastung für gesundes Wohnen auch künftig in Bobersen unterschritten, sagte Holger Koßwig. Der Gemeinderat stimmte daraufhin der Änderung des Flächennutzungsplanes zu.

Gebaut werden kann allerdings immer noch nicht. Zuvor muss erst noch der Bebauungsplan geändert werden, kündigte Bürgermeister Ralf Hänsel an (parteilos) an, ohne einen konkreten Zeitplan zu nennen.

Der neue Flächennutzungsplan kann im Zeithainer Rathaus eingesehen werden.

Das ist im Bürgeramt während der normalen Dienstzeiten noch bis 22. Juni möglich.

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