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Freitag, 12.01.2018

Ford rast in Real-Markt

Mit einem gestohlenen Auto wollen Einbrecher auf rabiate Diebestour gehen. Doch sie flüchten mit leeren Händen.

Von Heike Sabel und Marko Förster

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Der Ford durchbrach die Eingangstür aus Glas.
Der Ford durchbrach die Eingangstür aus Glas.

© Marko Förster

Die Polizei inspiziert den Tatort.
Die Polizei inspiziert den Tatort.

© Marko Förster

Heidenau. Polizei und Absperrband begrüßen am Freitagmorgen die Real-Kunden in Heidenau. Die müssen ihren Einkauf erstmal verschieben. Schuld ist ein silbergrauer Ford, der im Eingang steht. 4.45 Uhr war dessen Fahrer damit durch die gläserne Eingangstür in den Markt gefahren. Er war auf der Suche nach Handys, wie die Aufzeichnungen der Überwachungskamera zeigten. Doch er hätte sich denken können, dass die Telefone nicht zur Mitnahme bereitliegen. Das Auto als Rammwerkzeug reichte nicht aus, um an die Beute zu kommen. Also machte sich der Einbrecher unverrichteter Dinge noch vor Eintreffen der Polizei wieder davon. Das müssen auch die ersten Kunden, erst gegen 8.30 Uhr wird der linke Nebeneingang geöffnet.

Polizisten sichern die Spuren, ein Fährtenhund hilft dabei. Ab und zu steht jemand plötzlich hinter der Absperrung und wundert sich. Vor dem rot-weißen Absperrband wird gewitzelt. „Einmal drin, alles hin“, sagt ein junger Mann in Anspielung auf die Real-Werbung. Ein älterer meint, da habe wohl jemand die Garage verwechselt. Andere erinnern sich an den Pkw, der am zweiten Weihnachtsfeiertage in die Berliner SPD-Zentrale gerast war. Der Täter aber hatte andere Ziele.

Heidenaus Real-Marktleiter Gerd Wünsch ist natürlich nicht erfreut, muss aber trotzdem beim Anblick des Autos im Eingang schmunzeln. Auch über die Naivität des Täters. Als der im Markt stand, ging natürlich der Alarm los. Das könnte man sich doch denken, sagt Wünsch. Abgesehen davon, dass gegen 5 Uhr in der Regel die ersten Mitarbeiter da sind. Wünsch schickt die Kunden zunächst über den Nebeneingang. Mitarbeiter der Geschäfte rechts und links des Eingangs können sich im Markt aufwärmen und bekommen einen Kaffee, bis die Polizei später alles wieder frei gibt und zumindest die linke Hälfte des Haupteinganges öffnet. Das Wochenendgeschäft ist gesichert, für die Kunden und den Markt.

Erst am Donnerstagmittag war die Polizei wegen eines Diebes im Real-Markt gewesen. Gegen den Ford-Fahrer allerdings war der auf dem Fahrrad flüchtende Langfinger ein kleiner Fisch. Er hatte sich vier Zigarettenschachteln in die Hosentasche gesteckt und wollte ohne zu bezahlen durch den Kassenbereich. Als ihn der Ladendetektiv ansprach, schlug der Dieb auf ihn ein und radelte davon. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts des räuberischen Diebstahls.

Auch dem Einbruch am Freitag ging ein Diebstahl voraus. Der silberne Ford war über Weihnachten als eines von mehreren Fahrzeugen bei einem Autohändler ebenfalls auf der Hauptstraße in Heidenau gestohlen worden – samt Schlüssel. Das Auto wurde untersucht, schließlich konnte der Besitzer es sich abholen.

Ob es sich am Freitagmorgen um einen oder mehrere Täter handelte, darüber gehen die Informationen auseinander. Die Polizei spricht von mehreren, auf der Überwachungskamera jedoch soll nur einer zu sehen gewesen sein. Grundsätzlich wird zunächst von mehreren ausgegangen, auch wenn nur einer zu sehen ist.

Erst vor einer Woche waren Einbrecher mit einem Radlader in einen Obi-Markt in Dresden gerauscht. Sie rissen den Geldautomaten aus der Wand. Vor fast genau vier Jahren war ein Transporter im Elbepark Dresden in den Mediamarkt gefahren. Ansonsten sind solche Fälle aber sehr selten, sagt die Polizei.

Am Nachmittag ist der Einbruch in Heidenau Stadtgespräch. Die meisten schütteln den Kopf. Das sei ja fast so blöd wie der junge Mann, der voriges Jahr für seine Freundin die Sparkasse auf dem Böhmischen Weg überfallen hatte. Im Unterschied zu den Real-Einbrechern vom Freitag wurde er aber schon kurz nach der Tat festgenommen.

Wer hat im Zusammenhang mit dem Einbruch etwas bemerkt? Wem sind verdächtige Personen an dem Markt aufgefallen? Hinweise nehmen das Polizeirevier Pirna, Telefon 03501 5190, und die Dresdner Polizei unter 0351 4832233 entgegen.