• Einstellungen
Samstag, 20.05.2017

Finanzminister freut sich über Schwarzgeld-Depot

Der in einer Felsspalte gefundene Münzschatz ist heute weniger wert als vor 200 Jahren. Über die Herkunft wird weiter spekuliert.

Von Gunnar Klehm

Landesarchäologin Regina Smolnik hat Finanzminister Georg Unland von der Bedeutung einer Ausstellung zum Münzfund überzeugen können, obwohl der angebliche Schatz eher ideellen Wert hat und nicht zur Aufbesserung der Staatskasse taugt.
Landesarchäologin Regina Smolnik hat Finanzminister Georg Unland von der Bedeutung einer Ausstellung zum Münzfund überzeugen können, obwohl der angebliche Schatz eher ideellen Wert hat und nicht zur Aufbesserung der Staatskasse taugt.

© Oberthür

Sächsische Schweiz. Was hätte der Besitzer alles mit dem vielen Geld anfangen können. Statt es in einer Felsspalte in der Sächsischen Schweiz zu verstecken, hätte er Anfang des 19. Jahrhunderts ein kleines Haus oder 14 000 Liter Bier davon kaufen können. Das hat der Oberkonservator im Münzkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Wilhelm Hollstein, ermittelt. Die Institution hat sämtliche 2 275 Münzen untersucht, die im Frühjahr 2016 von zwei Kletterern in einer Felsspalte in der Sächsischen Schweiz bei Bad Schandau entdeckt wurden. Anhand der Prägedaten von 1626 bis 1819 wird davon ausgegangen, dass die Münzen dort etwa 200 Jahre lagerten. Sie waren von feinem Sand bedeckt.

Die Münzen waren allesamt einst reguläres Zahlungsmittel. Zwei Goldmünzen waren darunter. Alles andere waren Silbermünzen. Zum Großteil handelte es sich um „Kleingeld“. Der nominelle Wert bezog sich damals nicht nur auf die Prägung, sondern der Wert beruhte tatsächlich auf dem Gehalt an Edelmetall. So wurde dem Silber etwa Kupfer beigemischt.

Wilhelm Hollstein und seine Kollegen vom Münzkabinett haben den regulären Wert der einzelnen Geldstücke in die zu jener Zeit gängigste Währung umgerechnet. Der Fund entsprach 3 500 Reichstalern. Das war etwa der Drei-Jahres-Verdienst eines Zimmermanns. „Damals hätte eine fünfköpfige Familie mindestens zwei Jahre davon leben können“, macht Hollstein einen weiteren Vergleich. Trotz seiner Größe ist der Schatz heutzutage weniger Wert, als viele erwartet hatten. Sachsens Finanzminister Georg Unland hatte zur Eröffnung der Ausstellung zu dem Fund in seinem Ministerium verkündet, dass er einen Wert von 40 000 Euro hat. Davon könnte man heute kein neues Haus mehr kaufen, höchstens eine kleine Wohnung außerhalb Dresdens.

Auch wenn der Schatz nicht gerade zur Aufbesserung der Staatskasse taugt, hat der Finanzminister trotzdem die Schirmherrschaft über die Schau dazu übernommen. „Schließlich kommt es nicht alle Tage vor, dass jemand dem Finanzministerium aus freien Stücken einen Schatz anvertraut“, scherzte Unland kürzlich zur Ausstellungseröffnung. Einmal in Fahrt legte er noch nach, dass er sich zwar weniger mit Münzen befasse, Schwarzgelddepots aber heute auch sein Thema sind.

Warum das Geld damals zwischen Felsen an einer unwegsamen Stelle versteckt wurde, ist weiter ein Rätsel. Archäologen forschen unvermindert an der Aufklärung. Dass es damals nicht so leicht war, Geld auf die hohe Kante zu legen, erklärt Unland auf seine Weise. „Die erste Sparkasse wurde ja erst 1818 in Sachsen gegründet“, sagt er. Ob das Geld nur einmal abgelegt wurde oder ob der Besitzer regelmäßig zu dem Depot ging, ist ein weiterer Punkt, den die Wissenschaftler untersuchen wollen.

Dass die Geldstücke heute nicht an Wert gewonnen haben, begründet Hollstein mit dem schlechten Zustand. „Bei einigen Münzen von 1728 oder 1729 ist kaum noch das Gepräge zu erkennen“, sagt er. Damit sei der Sammlerwert gering.

Aufgrund der Umstände und der Größe des Fundes habe dieser aber einen hohen ideellen Wert, der die Archäologen weiter begeistert. Die Ausstellung „Auf der hohen Kante – 20 Pfund Silbermünzen aus der Sächsischen Schweiz“ gibt schon zahlreiche Ergebnisse preis. Bis 13. Juni ist sie noch am Carolaplatz 1 in Dresden zu sehen. Dann kommt sie ins Stadtmuseum nach Pirna.

Desktopversion des Artikels