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Donnerstag, 29.12.2016

Festnahmen nach Anschlag auf Spreehotel

Drei junge Männer sollen Molotowcocktails auf die Asylunterkunft in Bautzen geschleudert haben. Die Staatsanwaltschaft legt ihnen noch mehr zur Last.

Von Sebastian Kositz

Die Spuren des Anschlags auf das Spreehotel waren am Morgen des 13. Dezembers noch gut sichtbar. Verletzt wurde bei dem Angriff niemand.
Die Spuren des Anschlags auf das Spreehotel waren am Morgen des 13. Dezembers noch gut sichtbar. Verletzt wurde bei dem Angriff niemand.

© Archivfoto: Robert Michalk

Bautzen. Nach dem Angriff mit Molotowcocktails auf das Spreehotel in Bautzen in der Nacht zum 13. Dezember hat die Polizei jetzt drei junge deutsche Männer festgenommen. Bereits am 23. Dezember waren deren Wohnungen in Bautzen durchsucht worden. Anschließend sei das Trio dem Haftrichter vorgeführt worden, so Kathleen Doetsch, Sprecherin des Operativen Abwehrzentrums (OAZ). Die Behörde hatte nach dem Anschlag auf die Asylunterkunft die Ermittlungen übernommen.

Zwei der Verdächtigen sind 19 Jahre, der dritte 23 Jahre alt. Alle drei sitzen nun in Untersuchungshaft. Die weiteren Ermittlungen führt jetzt die Staatsanwaltschaft in Görlitz. Dort wollte sich Sprecher Till Neumann nicht konkret zu den möglichen Motiven des Trios äußern. „Nach den derzeitigen Ermittlungen kann davon ausgegangen werden, dass die durch die Tat verursachte allgemeine Beunruhigung der Bevölkerung den Beschuldigten jederzeit bewusst und auch von ihnen gewollt war“, hieß es dazu in einer am Mittwoch versendeten Information an die Medien.

Vier Brandsätze geworfen

In der Nacht zum 13. Dezember waren insgesamt vier Brandsätze über den Zaun geschleudert worden – hatten aber keinen weiteren Schaden angerichtet. Verletzte gab es nicht. Die Brandsätze landeten allesamt auf der Außenanlage des Hotels. Nur eines der Geschosse brannte ab. Ein weiteres zündete und erlosch rasch wieder. Die zwei anderen Flaschen gingen gar nicht erst zu Bruch. Eine fünfte Flasche blieb unbenutzt vorm Hotelzaun zurück. Deshalb wird jetzt wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung eines Brandanschlags ermittelt. Im Fall einer möglichen Verurteilung drohen den drei jungen Männern dafür Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und drei Jahren.

Zugleich legt ihnen die Staatsanwaltschaft weitere Delikte zur Last. So sollen sie in der Nacht auf den 21. November mehrere Lauben in der Gartenanlage „Erholung Ost“ in Bautzen aufgebrochen und zahlreiche Elektrogeräte geklaut haben. Zudem wird ihnen vorgeworfen, kurze Zeit später zwei Autos von einem Firmengelände entwendet zu haben. Für Einbruchsdiebstahl sieht das Gesetz Strafen zwischen drei Monaten und zehn Jahren vor. Bei beiden Vorwürfen könnte bei den 19-Jährigen aber auch noch das Jugendstrafrecht greifen.

Verbindung zum Brand im Husarenhof?

Das Operative Abwehrzentrum kündigte unterdessen an, auch mögliche Verbindungen zwischen den Männern zum Brand im Husarenhof prüfen zu wollen. Die Ermittlungen zu dem Brandanschlag auf das als Asylheim vorgesehene Hotel im Februar hatte die Behörde ebenfalls an sich gezogen. Bislang war die Suche nach den Brandstiftern jedoch erfolglos geblieben.

Die Attacke auf das Spreehotel in der Nacht zum 13. Dezember war von einer Videokamera aufgezeichnet worden. So war auf den Aufnahmen zu sehen, wie sich drei Gestalten der zum Stausee zugewandten Seite des Hotels näherten und vier Molotowcocktails über den Zaun warfen. Der Angriff war erst am Morgen danach entdeckt worden – auch weil die Monitore der Videotechnik nicht ständig besetzt sind und das grelle Licht eines Scheinwerfers die Flammen des abbrennenden Geschosses offenbar überblendet hatten. Die meisten der 230 Bewohner dürften von dem Anschlag nichts mitbekommen haben. Auch der Chef des Hotels, Peter-Kilian Rausch, bemerkte zunächst nichts – obwohl die Molotowcocktails direkt vor den Scheiben seiner Wohnung gelandet waren.

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