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Donnerstag, 07.12.2017

Fall Jalloh wird neu aufgerollt

Oury Jalloh starb vor fast 13 Jahren im Polizeigewahrsam in Dessau. Wer legte das tödliche Feuer? Aufklärung gibt es bis heute nicht, dafür Spekulationen und Kritik.

Von Dörthe Hein

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Der damals in Deutschland lebenden Sierra Leoner, Oury Jalloh, kam am 7. Januar 2005 durch einen Brand in einer Gefängniszelle im Keller des Dienstgebäudes des Polizeireviers Dessau in Sachsen-Anhalt ums Leben. Das Foto zeigt eine Nachstellung der Zelle im Zusammenhang mit der Brandanalyse im Todesermittlungsverfahren.
Der damals in Deutschland lebenden Sierra Leoner, Oury Jalloh, kam am 7. Januar 2005 durch einen Brand in einer Gefängniszelle im Keller des Dienstgebäudes des Polizeireviers Dessau in Sachsen-Anhalt ums Leben. Das Foto zeigt eine Nachstellung der Zelle im Zusammenhang mit der Brandanalyse im Todesermittlungsverfahren.

© dpa

Dessau-Roßlau. Für das Ermittlungsverfahren zum Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle ist nun die Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg zuständig. Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) habe dies am Donnerstag veranlasst und damit ihr externes Weisungsrecht genutzt, teilte das Ministerium in Magdeburg mit. Angesichts der unterschiedlichen Einschätzungen der Staatsanwaltschaften in Dessau-Roßlau und Halle solle die übergeordnete Behörde nun eine Entscheidung treffen. Bis heute liege noch keine Begründung für die Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens vor. Deshalb sei die Staatsanwaltschaft Halle an einer Entscheidung darüber gehindert.

Von der Linken-Fraktion erhobene Vorwürfe, sie habe den Landtag falsch informiert, wies Keding zurück. „Juristische Aufklärung ist ebenso notwendig wie politische“, sagte die Linken-Innenexpertin Henriette Quade. Die Fraktion fordere einen Untersuchungsausschuss. Der Landtag sei über den Stand der Ermittlungen mehrmals falsch informiert worden. Dem Rechtsausschuss sei vorenthalten worden, dass die Staatsanwaltschaft auch die Möglichkeit eines Fremdverschuldens von Jallohs Tod in Betracht gezogen habe. Justizministerin Keding trage dafür die Verantwortung.

In der Mitteilung des Ministeriums hieß es jedoch, man habe die die Öffentlichkeit nicht über den Ansatz der Dessauer Staatsanwaltschaft informieren können, ohne mögliche Ermittlungen zu gefährden.

Das Ermittlungsverfahren zum Tod des Mannes aus Sierra Leone hatte die Staatsanwaltschaft Halle nach wenigen Monaten der Zuständigkeit im Oktober eingestellt. Sie sah keinen Anfangsverdacht für ein Tötungsdelikt. Zuvor hatte der zuständige Dessauer Oberstaatsanwalt Folker Bittmann in einem Aktenvermerk jedoch verschiedene Erkenntnisse von Gutachtern zusammengeführt und einen Anfangsverdacht für ein Tötungsdelikt formuliert. Demnach könnte Jalloh in einem hilflosen Zustand mit einer geringen Menge Feuerzeugbenzin bespritzt und angezündet worden sein. Die „Mitteldeutsche Zeitung“ zitierte in ihrer Donnerstag-Ausgabe aus dem Vermerk, der inzwischen auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Frage nach einem Motiv sei offen, heißt es darin weiter.

Jalloh war am 7. Januar 2005 bei einem Feuer in einer Dessauer Polizeizelle ums Leben gekommen. Der stark betrunkene Mann, der auch Drogen genommen hatte, war in Gewahrsam, um seine Identität zu klären. Da er sich heftig wehrte, wurde er an Händen und Füßen gefesselt. Wie der Brand entstehen konnte, ist auch nach zwei Landgerichtsprozessen ungeklärt. Als wahrscheinlichste Variante hatten die Gerichte eine Entzündung durch Jalloh selbst angenommen. Jallohs Familie und Unterstützer hatten stets von Mord gesprochen. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 8 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Hundling

    Polizisten in Deutschland, die dich mit Benzin übergießen und anzünden: Da kann einem Angst und Bange werden.

  2. NichtBesserwisser

    @1: Vorverurteiler, die ohne Ergebnisse zu kennen ganze Berufsgruppen verdammen. Da kann einem wahrlich Angst und Bange werden.

  3. Sören Göhler, Dresden

    @1: Jalloh war nicht der Erste, der in besagter Polizeidienststelle ums Leben kam und wo rein zufällig derselbe Dienstgruppenleiter gerade Dienst hatte...

  4. fridolin

    @2: Ignorante, die die Möglichkeit ausschließen, Polizisten könnten so eine Tat begehen, weil sie die Arbeitsweise und das Verhalten einzelner Polizisten nie und nimmer kritisieren wollen und deshalb statt in alle Richtungen ermitteln zu lassen, die Theorie der spontanen Selbstentzündung als Wahrheit serviert bekommen wollen. Da keinem Angst und Bange werden.

  5. lesen und verstehen statt pöbeln

    @4: In Kommentar 2 wird lediglich die Vorverurteilung und Generalisierung aus Kommentar 1 kritisiert (zu recht). Der Stuss den Sie zusammengeschrieben haben, hat hiermit nichts zu tun.

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